Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 05.11.2019


Verein “BIN“

Nikoinsucht: Verstehen, bewältigen, Rückfällen vorbeugen

Seit 2017 bietet der Verein „sucht.hilfe BIN“ in Tirol Kurse an, in denen Rauchern beim Aufhören geholfen werden soll. Die Erfolgsquote kann sich sehen lassen.

Jährlich sterben in Tirol 1400 Menschen an den Folgen des Rauchens, sagt Christian Haring, Obmann der Vereins BIN.

© dpa/Stephan JansenJährlich sterben in Tirol 1400 Menschen an den Folgen des Rauchens, sagt Christian Haring, Obmann der Vereins BIN.



Innsbruck – Mit dem Rauchen aufzuhören kostet Überwindung, ist nervenzehrend, aber machbar. Das zeigt im inzwischen dritten Jahr ein Programm des Vereins „sucht.hilfe BIN“, das Tirolerinnen und Tirolern bei diesem Schritt helfen will. Von den mittlerweile rund 450 Teilnehmern waren am Ende der Kurse etwa zwei Drittel rauchfrei, drei Monate danach immerhin noch die Hälfte. Unterstützt wird die Initiative von der Tiroler Gebietskrankenkasse (TGKK) und der Rehamed Tirol.

250.000 Männer und Frauen greifen hierzulande mehr oder weniger regelmäßig zur Zigarette, 1400 Menschen sterben allein in Tirol jährlich an den Folgen des Rauchens, weiß Christian Haring, ärztlicher Direktor des Landeskrankenhauses Hall und Obmann des Vereins BIN. „Das Ausmaß wird oft maßlos unterschätzt. Rauchen ist das größte Suchtthema der Gesellschaft.“

Aus diesem Grund sei im Jahr 2017 entschieden worden, ein Angebot für Nikotinsüchtige zu initiieren – zusätzlich zu den bereits bestehenden für Spielsüchtige, Medikamenten- oder Alkoholabhängige.

Geholfen werden soll den Rauchern über eine verhaltenstherapeutische Gruppentherapie, erklärt Sandra Felderer, akademische Suchtberaterin bei BIN. „Grundsätzlich gilt: Jenen, die sich für den Kurs entscheiden, sollte es gut gehen, sie sollten psychisch stabil sein, damit die Erfolgschance auch dementsprechend groß ist“, meint die Beraterin. „In einem ersten Schritt soll das eigene Rauchverhalten beobachtet und die eigene Motivation für den Griff zur Zigarette verstanden werden. Dann ist es wichtig, Bewältigungsstrategien zu entwickeln für die Zeit ohne Zigarettenkonsum.“ Am Ende des Kurses würden Maßnahmen, die Rückfällen vorbeugen, besprochen und trainiert, sagt sie. Felderer: „Die Gruppen sollten aus mindestens sechs und maximal zwölf Teilnehmern bestehen. Viele empfinden es als wertvoll zu sehen, wie andere mit der Erfahrung umgehen.“ Es wird, wenn erforderlich, aber auch Einzelbetreuung angeboten. Besonders in Innsbruck und dem Unterland ist die Resonanz groß.

Laut BIN-Obmann Haring basiere das Programm auf einem bereits in Deutschland erprobten Modell. „Wir haben darauf geachtet, dass es ein zertifiziertes und kein selbstgestricktes ist. Alle unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind speziell für die Raucherentwöhnung ausgebildet worden.“

Für Mitglieder der TGKK betrage der Selbstbehalt 30 Euro, wer den ganzen Kurs aus eigener Tasche finanzieren muss, bezahlt etwa 220 Euro. Die Rehamed Tirol bietet, wenn gewünscht, eine medizinische Begleitung der Rauchentwöhnung an. Weitere Informationen zum BIN-Rauchfrei-Programm gibt es über die E-Mail-Adresse info@bin-rauchfrei.tirol, im Internet unter www.bin-rauchfrei.tirol oder telefonisch unter der Nummer 0512/580040. (bfk)