Letztes Update am Di, 12.11.2019 09:43

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


UNICEF-Report

Alle 39 Sekunden stirbt ein Kind an Lungenentzündung

An Lungenentzündung starben im Jahr 2018 weltweit mehr als 800.000 unter Fünfjährige – das sind mehr als an jeder anderen Krankheit. Sechs Gesundheits- und Kinderorganisationen rufen zum Handeln auf.

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London, New York — Im vergangenen Jahr sind mehr als 800.000 Kinder unter fünf Jahren an Lungenentzündung gestorben. Dies ergab eine Studie des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF von September 2019, die u.a. auf Einschätzungen der WHO und der Mütter- und Kinderepidemiologie-Schätzungsgruppe (MCEE) beruht. Sechs Gesundheits- und Kinderorganisationen riefen daher am Dienstag zu weltweitem Handeln auf.

Lungenentzündung wird durch Bakterien, Viren oder Pilze verursacht. Im Jahr 2018 starben mehr unter Fünfjährige an dieser Krankheit als an jeder anderen. Zum Vergleich: 437.000 Kinder unter fünf Jahren starben an Durchfall und 272.000 an Malaria.

Die meisten Todesfälle betrafen Kinder unter zwei Jahren, und fast 153.000 innerhalb des ersten Lebensmonats. „Täglich sterben fast 2.200 Kinder unter fünf Jahren an einer Lungenentzündung, einer heilbaren und meist vermeidbaren Krankheit", so UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore in einer Aussendung. Ein starkes globales Engagement und erhöhte Investitionen seien entscheidend für den Kampf gegen die Krankheit.

Eine „vergessene globale Epidemie"

Kevin Watkins von der Organisation Save the Children warnte vor einer „vergessenen globalen Epidemie". Die Kinder sterben aufgrund eines Mangels an Impfstoffen, erschwinglichen Antibiotika und routinemäßiger Sauerstoffbehandlung. „Die Lungenentzündungskrise ist ein Symptom für Vernachlässigung und unvertretbare Ungleichheiten beim Zugang zur Gesundheitsversorgung", kritisierte Watkins.

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Die Hälfte der Todesfälle bei Kinderpneumonien betraf fünf Länder: Nigeria (162.000 Todesfälle), Indien (127.000), Pakistan (58.000), die Demokratische Republik Kongo (40.000) und Äthiopien (32.000). Kinder mit einem durch andere Infektionen wie HIV oder durch Unterernährung bereits geschwächten Immunsystem sowie Menschen in Gebieten mit hoher Luftverschmutzung und verunreinigtem Wasser sind einem weitaus größeren Risiko ausgesetzt.

Die Krankheit könne durch Impfstoffe verhindert und bei entsprechender Diagnose leicht mit kostengünstigen Antibiotika behandelt werden. Jedoch werden immer noch Dutzende Millionen Kinder nicht geimpft und jedes dritte Kind mit Symptomen erhalte keine notwendige medizinische Versorgung, kritisierten die Organisationen.

Für jedes dritte kranke Kind ohne medizinische Versorgung

Kinder mit schweren Lungenentzündungen können auch eine Sauerstoffbehandlung benötigen, die in den ärmsten Ländern jenen, die sie benötigen, nur selten zur Verfügung steht. Die Mittel zur Bekämpfung der Lungenentzündung liegen weit hinter anderen Krankheiten zurück, schrieb die UNICEF. Nur drei Prozent der derzeitigen weltweiten Forschungsausgaben für Infektionskrankheiten werden dafür aufgewendet, obwohl die Krankheit bei Kindern unter fünf Jahren 15 Prozent der Todesfälle verursacht.

Die beteiligten Organisationen forderten daher dringend die Regierungen der am stärksten betroffenen Länder auf, Strategien zur Kontrolle der Lungenentzündung zu entwickeln und umzusetzen. Reichere Nationen, internationale Geldgeber und private Unternehmen sollten die Kosten für wichtige Impfstoffe senken, eine Aufstockung der internationalen Impfallianz GAVI sicherstellen sowie die Mittel für Forschung zur Bekämpfung von Lungenentzündung aufstocken. Im Jänner findet zu diesem Thema das „Global Forum on Childhood Pneumonia" in Barcelona statt. (APA)