Letztes Update am Mo, 11.11.2013 07:04

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesundheit

Ultraschall „verkocht“ Prostata-Tumor

Im Krankenhaus Hall wird für Prostatakrebs-Patienten eine Behandlung mittels Ultraschallsonde angeboten.



Innsbruck – Das Prostatakarzinom ist in Tirol bei Männern die häufigste Tumorerkrankung. Etwa 500 Patienten erkranken hierzulande jährlich daran. Behandlungsmöglichkeiten und Heilungschancen werden dank moderner Medizin immer besser. Bisher waren es vor allem zwei Standardtherapiemethoden, die für Patienten infrage kamen: eine Operation oder eine Bestrahlung.

Die Abteilung für Urologie und Andrologie am Landeskrankenhaus Hall bietet nun seit November eine dritte Alternative an: eine nicht invasive Behandlungsform mittels Ultraschallsonde, die so genannte „HIFU“ (High-Intensity Focused Ultrasound)-Methode. Diese Sonde „verkocht“ das Gewebe der erkrankten Prostata mit Ultraschallwellen. Am Samstag hat der Leiter der Urologieabteilung, Udo Nagele, die ersten beiden Patienten operiert. „Es ist alles so gegangen, wie wir es erwartet haben“, berichtet Nagele.

Der Eingriff erfolgte auf einer speziellen Behandlungsliege, an die eine Sonde mit zwei Ultraschallmechanismen angeschlossen ist. „Die Sonde wird durch den Enddarm eingeführt, ein Ultraschallsystem lokalisiert genau die Zielzone, das zweite funktioniert wie eine Brennlupe, die das Prostatagewebe unschädlich macht. Die Zellen sterben daraufhin ab“, erklärt der Primar. Ein Vorteil dieser Methode sei, dass sie – im Gegensatz zur Bestrahlung – wiederholt werden kann, etwa dann, wenn Metastasen auftreten. „Bei einer Bestrahlung gibt man bereits die Maximaldosis und kann nicht mehr viel draufsetzen“, so Nagele. Welche Behandlungsform schlussendlich für die Patienten die beste ist, hänge von vielen Faktoren ab. Die Tumorverkochung sei aber z. B. für Patienten eine Alternative, für die aus medizinischen Gründen keine Operation infrage kommt oder die Angst vor einer OP oder einer Bestrahlung haben.

„Die Methode selbst ist nicht so neu. In Frankreich wurde der erste Patient 1993 so behandelt. Allerdings war die erste Generation der Geräte noch nicht so gut wie die von heute“, erklärt der Arzt. Die Spezialliege ist übrigens nicht fixer Bestandteil des Krankenhausinventars, sondern wird nach Bedarf ins Spital geliefert. „Das ist natürlich eine Kostenfrage. Aber wir wollen auch in Zukunft diese Methode in Hall anbieten“, ist Nagele zuversichtlich. (nic)