Letztes Update am Sa, 11.01.2014 07:56

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesundheit

Mit Mut zum Wohlfühl-Betrieb

Der Tiroler Unternehmenscoach Siegfried Keusch zeigt mit seinem Gesundheitspräventionsmodell auf, wie man sich für die Arbeitswelt fit hält.



Von Ernst Spreng

Innsbruck – „Es wird enger in der Arbeitswelt. Der Kostendruck steigt. Die Menschen eines Unternehmens bleiben oft auf der Strecke“, erzählt Unternehmenscoach Siegfried Keusch von der aktuellen Arbeitsrealität. Umso wichtiger ist für ihn, dass sich Unternehmen und Mitarbeiter mit dem eigenen Wohlbefinden beschäftigen und sich fit für die Herausforderungen halten.

Der Wahltiroler hat dafür ein eigenes Modell geschaffen, das er seit rund eineinhalb Jahren erfolgreich in der Praxis umsetzt. „BEEPS“ nennt Keusch dieses Modell, ein Kunstwort, das sich aus fünf Begriffen zusammensetzt: Bewegung, Ernährung, Entspannung, Psyche und Salutogenese. Letzteres bedeutet, für sich und seine Mitarbeiter ein Umfeld zu schaffen, das gesundheitsförderlich ist.

Die Herangehensweise von Keusch ist, allgemein Risiken und Möglichkeiten aufzuzeigen, den Weg zum Wohlfühlbetrieb dann aber individuell zu gestalten. „Zuallererst geht es für mich darum, Unternehmer und Mitarbeiter für das persönliche Wohlbefinden zu sensibilisieren und ihnen Mut zu machen, neue Wege zu beschreiten“, erklärt Keusch. Erst dann wird mit den Führungskräften ein Maßnahmenplan erarbeitet, wie Gesundheitsprävention im Betrieb wirklich umgesetzt wird. „Die Wege, welche die Unternehmen dann einschlagen, sind sehr unterschiedlich. Ist das Bewusstsein aber erst einmal geschaffen, kommen kreative Ideen zu Tage“, sagt Keusch.

In einem Unternehmen hat Keusch zum Beispiel erlebt, dass jeder Mitarbeiter täglich 15 Minuten seiner Arbeitszeit geschenkt bekommt, in denen er bewusst etwas für seine Gesundheit tun kann – von einer kurzen Bewegungseinheit bis hin zu etwas Entspannung. In einem Produktionsbetrieb hat Keusch die „BEEPS-Minute“ eingeführt. In dieser Minute werden regelmäßig verschiedene Entspannungsübungen für die Muskeln durchgeführt.

„Mir ist es wichtig, dass vor allem Unternehmer und Führungskräfte verstehen, dass Leistung zwar einen bedeutenden Faktor darstellt, aber nicht alles ist. Nur in einem gesunden Umfeld sind unternehmerische Spitzenleistungen möglich. Mein Credo: Schlechte Chefs machen krank. Wir brauchen den Mut zu weniger, um kreative Spitzenleistungen abzurufen“, erklärt Keusch.

Das Besondere an seinem Modell der Gesundheitsprävention in Unternehmen sieht Keusch in der Verbindung von Entspannung, gesunder Psyche und gesundheitsfördernden Maßnahmen. „Es nützt wenig, eine Rückenschule anzubieten, wenn die Psyche belastet und Entspannung unmöglich ist“, fasst es Keusch zusammen.

Der Weg zum gesunden Wohlfühl-Unternehmen ist dabei kein Ziel, das man kurzfristig erreichen kann. „Aus meiner Erfahrung kann ich sagen: Wer es damit ernst meint, braucht drei bis fünf Jahre, bis alle Maßnahmen wirken. Denn mit Zwang funktioniert Gesundheitsförderung nicht. Das muss vom Menschen selbst kommen. Unternehmer und Führungskräfte sind aber gefordert, die Impulse dazu zu setzen“, ist Keusch überzeugt.