Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 04.07.2014


Gesundheit

Allergiker müssen nachfragen

Ab Dezember müssen Wirte auf Stoffe im Essen hinweisen, die Allergien auslösen können. Nach Kritik gibt es nun eine „österreichische Lösung“: Wirte dürfen mündlich informieren.

null

© iStockphoto



Wien – Ab 13. Dezember sind Österreichs Gastronomen verpflichtet, bei ihren Speisen Zutaten, die Allergien oder Unverträglichkeiten hervorrufen können, auszuweisen. Jedoch nicht, wie befürchtet, in schriftlicher Form: „Mündliche Information über Inhaltsstoffe ist möglich“, sagt Helmut Hinterleitner, Spartenobmann der Wirtschaftskammer (WKÖ) in Wien.

Die Betroffenen müssen so weiterhin nachfragen, ob die für sie schädlichen glutenhaltigen Getreide oder Milchprodukte bei der Zubereitung verwendet wurden. Die von der Gastrobranche befürchteten Speisekarten im Telefonbuchformat bleiben bei der österreichischen Lösung somit aus. Hinterleitner lobte bei der nationalen Umsetzung die gute Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium.

Bei der Umsetzung konnte man sich auf eine Übergangsfrist von einem Jahr einigen. Restaurantgäste, die etwa an Glutenunverträglichkeit oder Lactoseintoleranz leiden, müssen auch dann weiterhin aktiv nach den für sie schädlichen Inhaltsstoffen fragen, wenn das Lokal ihrer Wahl die mündliche Form der Deklaration wählt. „Die meisten Al­lergiker wissen, was sie essen können“, argumentierte der Spartenobmann.

Die Möglichkeit zur Information durch geschultes Personal muss dabei entweder auf der Karte oder andernorts im Lokal gut sichtbar sein. Laut WKÖ wird die österreichische Verordnung mit den Umsetzungsrichtlinien in Kürze veröffentlicht. Es bleibt aber jedem Lokalbetreiber überlassen, die von der EU weitergehende, schriftliche Form der Ausweisung der 14 betroffenen Hauptallergene zu wählen.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Die Übergangsphase von einem Jahr begründete Hinterleitner damit, dass die rund 55.000 Gastro- und 28.000 Hotelleriebetriebe Zeit für die Schulungen des Personals für die 2011 beschlossene EU-Verordnung benötigen würden.

Zufrieden ist man seitens der Kammer aber noch nicht, denn die „drakonischen Strafhöhen bis 50.000 Euro“, die bei Übertretung drohen, sind „unzumutbar und würden jeden Betrieb in den Ruin treiben“. So würden die Pläne des Ministeriums vorsehen, denselben Strafrahmen zur Anwendung zu bringen, der bei Verstößen gegen die Kennzeichnungsbestimmungen des EU-Lebensmittelrechts vorgesehen ist – der zudem wegen des Pferdefleischskandals erhöht wurde. Ein Verstoß gegen das Tabakgesetz macht hingegen nur 2000 Euro aus.

Die Informationspflicht soll weiters auch im halbprivaten Bereich gelten, wenn etwa Vereine Lebensmittel anbieten. Eine praktikablere Lösung, etwa auf der Speisekarte die Möglichkeit anzubieten, auf Wunsch ein Menü auch gluten- bzw. lactosefrei zuzubereiten, sieht die EU-Richtlinie nicht vor. Ebenso ist kein Wirt verpflichtet, solcherlei Speisen anzubieten. (TT, APA)