Letztes Update am Do, 04.09.2014 06:38

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Narbenkorrektur

Keine bleibende Erinnerung

Beim 5. internationalen Kongress LaserInnsbruck widmen sich Ärzte aus aller Welt den neuen Methoden der Narbenkorrektur. Nicht nur Säureopfer profitieren davon.



Von Miriam Hotter

Innsbruck – Mit einem Kübel Säure kam der Ehemann nachts zu Sunita. Diesen schüttete er ihr ins Gesicht. Der Grund: Die Ärztin aus Pakistan wollte die Scheidung.

2002 fand die arrangierte Hochzeit der beiden statt. Was Sunita damals nicht wusste: Ihr Ehemann war HIV-positiv. Aus Angst vor einer Ansteckung beschloss Sunita, ihren Ehemann zu verlassen. Doch für ihn kam eine Scheidung nicht in Frage. Aus Rache und Enttäuschung übergoss er seine Ehefrau mit hochkonzentrierter Säure. 32 Operationen waren nötig, um ihr Gesicht einigermaßen wiederherzustellen.

Drei davon führte Marita Eisenmann-Klein aus Bayern durch. Die Vorsitzende des Weltverbandes für Plastische Chirurgie (IPRAS) ist eine von rund 200 Teilnehmern beim 5. Internationalen Kongress LaserInnsbruck. Vom 3. bis 6. September tauschen sich Ärzte und Wissenschafter aus aller Welt in der Landeshauptstadt aus.

Ein Hauptthema: neue Wege bei Narbenkorrekturen. „Viele Säureopfer wie Sunita sind körperlich entstellt, sie brauchen aufwändige Operationen, um ihre Narben zu verschönern, damit sie wieder ein halbwegs normales Leben führen können“, sagt Eisenmann-Klein. Mit der von ihr gegründeten Initiative WomenforWomen setzt sie sich für eine plastisch-chirurgische Versorgung von Frauen in Entwicklungsländern ein, die u. a. an den Folgen von Säureattacken leiden.

Nach Angaben der Hilfsorganisation Acid Survivors Trust International (ASTI), die sich um Säureopfer kümmert, werden weltweit pro Jahr rund 1500 Säureattacken auf Frauen gemeldet, die meisten davon in Indien und Pakistan. Die Dunkelziffer wird aber auf das Doppelte geschätzt. Die häufigsten Gründe für die Verätzungen sind Streitigkeiten, aber auch Rache nach Zurückweisung und Eifersucht.

Doch nicht immer sind es Frauen, die zu den Opfern gehören. Im Jahr 2011 wurde Sergej Filins, Ballettchef des Moskauer Bolschoi-Theaters, Opfer einer Säureattacke, die fast zur Erblindung führte. Sein Gesicht war von schweren Verbrennungen übersät.

Neue Technologien, die beim LaserKongress besprochen werden, sollen solche Verletzungen weitestgehend unsichtbar machen, etwa mit Lasertechnologie. Narbenkorrekturen mittels Laser werden mit so genannten fraktionierten, ablativen Lasern durchgeführt. „Der Laserstrahl verursacht viele mikroskopisch kleine Wunden im verletzten Hautbereich. Diese nicht sichtbaren Wunden regen die Wundheilung an. Dadurch verbessern sich die Narben und manchmal verschwinden sie gänzlich“, erklärt die Innsbrucker Plastische Chirurgin Katharina Russe-Wilflingseder. Dellen oder Einziehungen der Narben könnten zudem mit Eigenfett aufgefüllt werden.

Die Eigenfettverpflanzung ist neben Hauttumoren ebenfalls ein Thema beim Kongress. „Eigenfett wird sehr erfolgreich zur Hautverjüngerung, zur Faltenstraffung, zur Verbesserung von Narben, gegen Harn-Inkontinenz, gegen schlecht heilende Wunden oder als Ersatz für industrielle Implantate verwendet“, erklärt Russe-Wilflingseder.

Sunita führt wieder ein „normales“ Leben dank der kostenlosen Operationen, die ihr ein neues Gesicht und ein neues Leben schenkten. Ihre Narben auf der Haut verheilen gut. Die seelischen werden das wohl nie.

Mehr Informationen zum Kongress und zu den Themen gibt es im Internet auf www.laserinnsbruck.com.