Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 28.01.2015


Gesundheit

Mobilfunkmast auf Schule lässt Schwazer heiß laufen

Nachbar Ludwig Ledermaier fühlt sich gesundheitlich beeinträchtigt. Laut Bürgermeister ist die Strahlung aber weit unter dem Grenzwert.

Zwei Mobilfunkanbieter teilen sich neuerdings den versetzten Mast auf dem Gebäude der Neuen Mittelschule in Schwaz.

© Michael MaderZwei Mobilfunkanbieter teilen sich neuerdings den versetzten Mast auf dem Gebäude der Neuen Mittelschule in Schwaz.



Von Michael Mader

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Schwaz – Ein Thema, das schon beim Schwazer Stadtforum im November des Vorjahres angesprochen worden ist, kocht in der Knappenstadt erneut auf: Die Mobilfunkmasten auf dem Gebäude der Neuen Mittelschule bzw. der Polytechnischen Schule wurden versetzt. Gab es vor dem Umbau des Daches insgesamt vier Masten an verschiedenen Stellen, wurden die Anlagen der beiden Mobilfunkanbieter nun auf einem Mast zusammengefasst. „Genau 14 Meter von meinem Bett im Schlafzimmer entfernt. Ich kriege die volle Strahlung ab“, klagt Anrainer Ludwig Ledermaier über eine massive gesundheitliche Beeinträchtigung durch die Strahlung. So massiv, dass er und auch seine Familie kaum noch schlafen könnten.

„Der Wert ist so hoch, dass es mir richtig auf den Fußsohlen brennt“, gibt er an. Er sei schon öfters auf seine Berghütte ausgewichen, um wieder Schlaf zu finden. Mit einem entsprechenden Messgerät hat er an seinem Bettende einen Wert von rund 200 Mikrowatt pro Quadratmeter gemessen. Auch gebe es eine Messdatenauswertung eines Technikers. Ledermaier ist erzürnt: „Und in so einem Gebäude werden an die 800 Kinder unterrichtet.“ Für ihn sei es unvorstellbar, dass es Leute in der Politik gebe, die so etwas zulassen würden.

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- Ledermaier

Die gemessene Belastung ist laut Bürgermeister Hans Lintner aber weit unter dem Grenzwert: „Wir haben ein dementsprechendes Gutachten vorliegen. Seit mehr als 20 Jahren gibt es bestehende Verträge mit den Mobilfunkbetreibern und die kann man nicht so ohne Weiteres kündigen. Wenn Herr Ledermaier ein medizinisches Gutachten bringt, dass eine Gesundheitsgefährdung besteht, kommen die Masten sofort weg. Aber diese Diskussion jetzt ist absurd.“

Robert Kaufmann vom Stadtamt gibt an, dass der gesetzliche Grenzwert bei 10 Watt pro Quadratmeter liegt, sich die Stadt aber selber einen Grenzwert von 10 Milliwatt auferlegt hätte. Die derzeitige Belastung sei weit darunter.

„In allen Städten und Orten gibt es diese Handymasten – in Innsbruck sogar ganze Wälder. Von Seiten der Behörde besteht keine Möglichkeit, da einzugreifen“, sagt Lintner. Auch das Rathaus sei beispielsweise von Handymasten umgeben.

Ganz so sieht das Gemeinderätin Michaela Oberlechner nicht. Als stellvertretende Obfrau des Schulausschusses fordert sie, dass ein medizinisches Gutachten erstellt werden soll. „Ich habe Erziehungswissenschaften studiert und selber Kinder im Alter von sechs, elf und 16 Jahren. Ich spreche hier auch als Mutter und würde nicht wollen, dass meine Kinder in eine Schule mit einem Handymast auf dem Dach gehen müssen.“ Und auch als Politikerin sei man schließlich die Vertretung der Menschen in der Schule.