Letztes Update am Mo, 20.04.2015 14:38

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesundheit

Hepatitis C: Eine Million Todesopfer pro Jahr

Rund 180 Millionen sind weltweit mit Hepatitis C infiziert. Neue Therapien lassen auf einen Sieg über die Erkrankung hoffen.



Wien - Die neuesten Therapiekonzepte könnten in absehbarer Zukunft mit einem Sieg über die Hepatitis C enden. Um die auf diesem Gebiet aktuellsten Entwicklungen und um zum Teil bemerkenswerte Fortschritte auch bei anderen Lebererkrankungen geht es in dieser Woche beim Internationalen Leberkongress (ILC) mit rund 11.000 Teilnehmern im Wiener Messezentrum (22. bis 26. April).

Eine Million Menschen sterben weltweit jährlich an einer Leberzirrhose. Bis zu 180 Millionen Menschen sind mit Hepatitis C infiziert. Die Virusinfektion - übertragen vor allem via Blut bzw. Blutprodukte - wird zumeist chronisch. Nach einem viele Jahre unauffälligem Verlauf drohen Leberzirrhose und Leberkarzinome. Neue Therapien lassen auf einen Sieg über die Erkrankung hoffen.

Bei den HCV-Erregern handelt es sich um RNA-Viren, die ihre Erbsubstanz ohne Umwandlung in eine DNA direkt als RNA in die Zellen einbauen. Das funktioniert anders als bei den Hepatitis B- oder den HI-Viren. Doch daraus ergibt sich auch ein Vorteil: Es gibt kein „stummes Reservoir“ in Zellen für die Hepatitis C-Viren (wie bei HIV). Sie sind auf einen schnellen Replikationszyklus in der Leber angewiesen, wenn man diesen Zyklus einmal unterbrochen hat, ist die Infektion besiegt.

Die molekulare Charakterisierung führte zur Unterscheidung von vier verschiedenen Hepatitis C-Typen. Sie sind regional unterschiedliche verteilt, am häufigsten sind weltweit jene mit dem Virustyp 1. Virus- oder Genotyp 1b ist am häufigsten in Europa und Ostasien, Virustyp 1a tritt am häufigsten in den USA auf.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Ohne Zweifel: Die Einführung der Interferon-alpha-Therapie in Kombination mit Ribavirin - seit Jahre kommt das pegylierte Interferon alpha zur Verwendung - brachte bereits vor Jahren einen wesentlichen Durchbruch in der Behandlung der Hepatitis C. Die Erfolgsraten konnten schon damit auf 75 und mehr Prozent, wenn auch mit relativ langer Behandlung und mit zum Teil erheblichen Nebenwirkungen, gesteigert werden. Die Probleme lagen im Detail: Während sich bei den Genotypen 2 und 3 damit recht gute Therapieerfolge von bis zu 80 Prozent erzielen ließen, erreichte man beim Genotyp 1 nur bei bis zu maximal 50 Prozent ein andauerndes Ansprechen.

Seit vergangenem Jahr aber hat sich die Situation bei der Behandlung der Erkrankung grundlegend gewandelt. Um zu einem dauerhaften Therapieansprechen „Sustained Virologic Response“ (SVR) zu kommen, gibt es völlig neue - aber auch extrem teure - Arzneimittel, die alle nicht mehr injiziert werden müssen.

Protease-Inhibitoren: zum Beispiel Telaprevir oder Boceprevier. Hinzu kommen Polymerase-Inhibitoren gegen die Polymerase der Hepatitis C-Erreger: z.B. Sofosbuvir. Schließlich gibt es auch noch Inhibitoren des Hepatitis C-Replikationskomplexes (NS5A-Inhibitoren): derzeit Daclatasvir und Ledipasvir („...asvir“).

Die Arzneimittel werden in Kombination mit oder ohne die alten Substanzen Ribavirin und/oder Interferon verwendet. Zwei der wichtigsten Studien dazu haben der Wiener Hepatologen-Doyen Peter Ferenci und seine Co-Autoren aus den USA und Europa vergangenes Jahr publiziert. Dabei ging es um die Verwendung von ABT-450/r-Ombitasvir und Dasabuvir (mit oder ohne Ribavirin) bei 419 Patienten mit Genotyp 1b bzw. 305 Patienten mit Genotyp 1a-Infektionen. Die Patienten wurden zwölf Wochen lang behandelt.

Unter den Kranken mit Hepatitis C-Genotyp 1b-Erregern kam es zu einem andauernden Verschwinden der Infektion bei 99,5 Prozent unter zusätzlichem Ribavirin und bei 90 Prozent ohne Ribavirin. Bei den Probanden mit Genotyp 1a-Erregern lag mit Ribavirin die Erfolgsrate bei 97 Prozent - und ohne Ribavirin bei 90,2 Prozent.

Erst vor wenigen Tagen haben Wiener Wissenschafter mit Mattias Mandorfer von der Universitätsklinik für Innere Medizin III im AKH (MedUni Wien) eine Studie publiziert, bei der man versucht hat, die Behandlung von HIV- und HCV-Infizierte genau an ihr Ansprechen auf die Therapie anzupassen. So lässt sich eventuell die Behandlungsdauer verkürzen. Viele der HIV-Infizierten haben sich auch mit Hepatitis C angesteckt. (APA)