Letztes Update am Di, 28.04.2015 13:42

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesundheit

UV-Schutz: Eingecremt wird erst seit den 1930er-Jahren

Sonnencreme als Schutz vor Sonnenstrahlen sind erst seit den 30er-Jahren üblich – damals wegen Hautalterung. Heute weiß man, dass gewissenhaftes Eincremen und wenig Sonnenbaden auch vor Hautkrebs schützt.

(Symbolfoto)

© dpa-Zentralbild/Arno Burgi(Symbolfoto)



Wien – In den 1930er-Jahren sind die ersten auf aktiven UV-Filterstoffen basierenden Sonnenschutzmittel erfunden worden. In den 1970er-Jahren wurde der Lichtschutzfaktor (LSF) als Beurteilungsmaßstab für deren Wirkung eingeführt. Je nach Hauttyp und Urlaubsort konnte man zwischen einem starken, mittleren oder schwachen UVB-Filter wählen, hieß es am Dienstag bei einem Hintergrundgespräch in Wien.

In der 1980er-Jahren stellten Forscher fest, dass UVA-Licht nicht nur die Bräunung initiiert, sondern auch eine vorzeitige Alterung der Haut - sie wird früher fleckig, schlaff und faltig - auslösen kann. Darauf wurden kombinierte UVA/UVB-Schutzfiltersysteme entwickelt. UVA-Filter schützen vor langfristigen Schäden, Sonnenallergien und frühzeitiger Hautalterung, UVB-Filter vor Sonnenbrand. Der UVA-Schutzfaktor muss laut EU-Vorschrift mindestens ein Drittel des UVB-Schutzfaktors betragen.

Sonnenschutzfaktor erklärt

Die auf Sonnenschutzprodukten dazu angegebene Ziffer ist jener Faktor, mit dem man die individuelle Eigenschutzzeit multipliziert. So erhält man die Zeitspanne, während der man sich eingecremt allerhöchstens „ungestraft“ - also ohne Sonnenbrand - in der Sonne aufhalten kann. Ein Mensch vom Hauttyp II (Eigenschutz zehn bis 20 Minuten) muss ein Produkt mit Faktor 10 verwenden, um eine Stunde und 40 Minuten bis maximal drei Stunden und 20 Minuten sonnen zu können, ohne dass die Haut sich rötet.

Nicht vergessen darf man beim Rechnen, dass die Strahlungsintensität je nach Tageszeit und geografischer Lage variiert. Hauttyp I wird immer rot, nie braun; Eigenschutzzeit fünf bis zehn Minuten, rund zwei Prozent der Bevölkerung. Hauttyp II wird immer rot, manchmal braun; Eigenschutz zehn bis 20 Minuten, zwölf Prozent der Bevölkerung. Hauttyp III wird manchmal rot, immer braun; Eigenschutz 15 bis 25 Minuten, etwa 78 Prozent. Hauttyp IV wird nie rot, immer braun; Eigenschutz 20 bis 30 Minuten, acht Prozent.

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Sonnencreme kein Freibrief zum Sonnenbaden

Das fleißige Cremen oder Sprühen schützt aber nicht nur. „Sonnenschutz verleitet zu einer längeren Verweildauer in der Sonne. Es kommt mitunter zu abnorm langen Aufenthalten“, sagte die Allgemeinmedizinerin Veronika Lang bei einer Veranstaltung der Branchenplattform Kosmetik transparent in Wien. Anstatt ihn als Freibrief zum „Braten“ misszuverstehen, solle man Sonnenschutz nur „als Ergänzung zu einem vernünftigen Umgang mit der Sonne“ sehen.

„Weltweit steigt die Rate für weißen Hautkrebs jährlich um zehn Prozent“, warnte Ludger Kolbe, Chef-Wissenschafter für den Bereich Photobiologie beim Hersteller Beiersdorf. In den USA seien bereits rund 30 Prozent aller neu diagnostizierten Tumore solche Basaliome. Das Erkrankungsrisiko korreliert sehr hoch mit der Anzahl an Sonnenbränden, vor allem in der Kindheit. Auch auf das maligne Melanom, den schwarzen Hautkrebs, gehen Jahr für Jahr zehn Prozent mehr Erkrankungsfälle zurück.

„Erwischen“ kann es einen im Freien fast überall: Selbst 50 Zentimeter unter Wasser dringen noch rund 85 Prozent der UVA- und 60 Prozent der UVB-Strahlung auf die Haut. Pro 1.000 Höhenmeter steigt die UV-Intensität um zehn bis zwölf Prozent. 70 Prozent der UVA- und zehn Prozent der UVB-Strahlung durchdringen die Fensterscheiben von Autos. (APA)