Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 08.08.2015


Das Architekten-Haus

Saniert vom Dach bis in den Garten

Die Villa aus dem Jahre 1908 erstrahlt nach einem Dachausbau und Zubau einer Terrassenlandschaft im Erdgeschoß in neuem Glanz. Der Tiroler Architekt Mario Gasser hat sich seines Elternhauses angenommen.

© Henning Koepke, MünchenAuch wenn die einzelnen Räumlichkeiten voneinander getrennt sind, kann der Blick darüber hinweg frei über den gesamten Dachbereich schweifen.



Von Caterina Molzer-Sauper

Innsbruck – Nachdem das Bestandsgebäude am Stadtrand von Innsbruck baurechtlich gesehen schon die absoluten Grenzen seines Volumens erreicht hatte, musste der Umbau des Dachgeschoßes innerhalb des vorgegebenen Umrisses erfolgen. Das ehemalige Zeltdach wurde bereits in den 70er-Jahren nach den damaligen Standards ausgebaut und beherbergte eine dunkle Wohnung mit vier kleinen Dachgaupen. „Ich habe das Dachgeschoß als Kind bereits bewohnt und durfte mich nun als Architekt auf die spannende Aufgabe stürzen, daraus eine helle, moderne Wohneinheit mit Loftcharakter zu machen“, so Architekt Gasser, der während der letzten Jahre als Assistent an der Universität für angewandte Kunst eng mit Stararchitektin Zaha Hadid zusammengearbeitet hat.

Im Zuge der Sanierung wurden auch die beiden darunterliegenden Wohnungen komplett neu gestaltet.

Das alte Dach war als hängender Dachstuhl konzipiert, was einer flexiblen Grundrissgestaltung im Wege stand. Die Errichtung einer neuen Verbunddecke machte es möglich, die Konstruktion in einen stehenden Dachstuhl umzubauen – und so konnten die primären Holzträger als sichtbare Elemente bestehen bleiben. Um dieses offene Raumgefühl des entrümpelten Geschoßes auch nach dem Umbau zu erhalten, entschied sich der Architekt für Trennwände, die nicht ganz bis zum Dach reichen und so einen Durchblick über die gesamte Untersicht der Dachfläche zulassen. Der Raum öffnet sich über einen Aussichtsschlitz auf die Nordkette bis zu einer eingeschnittenen Dachterrasse von Nord nach Süd. Die Schlaf- und Nebenräume wurden kompakt in den Randbereichen untergebracht, die hellen Wohn- und Aufenthaltsräume hingegen nützen die volle Raumhöhe von bis zu sechs Metern. Die raumteilenden Zwischenwände übernehmen auch die Queraussteifung der gesamten Konstruktion und sind teilweise mit Oberlichten zum Dach hin verglast. Die Kombination aus hochwertigen Eichenböden mit den schlichten, weißen Oberflächen und der alten Dachkonstruktion verleiht den Räumlichkeiten ein edles und gleichzeitig heimeliges Ambiente.

Die Bauherren, die im Erdgeschoß leben und eine wichtige Rolle während der Bauphase einnahmen, durften sich im Anschluss an die Dachsanierung über die Neugestaltung ihrer Terrasse im Garten freuen.

Man hat das Gefühl, der neu gestaltete Terrassen-Bereich taucht in den Garten ein und führt einen Dialog mit der Umgebung.
- Henning Koepke, München

Aus der gesamten Breite des Hauses heraus entwickelt sich ein zungenförmiger Holzsteg, welcher leicht über der Wiese schwebt und die Umgebung formal aufnimmt. Der alte Nussbaum wird eingefasst und spendet den notwendigen Schatten, eine schützende Wand mit integrierter Holzbank dient als Rückendeckung und lässt einen Spalt zur verglasten Überdachung als Durchblick frei.