Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 16.07.2016


Wohnraum

Fast in der Stadt und doch am Land

Günther Lieder, Schauspieler, Regisseur, Autor und – seit Kurzem – Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde für Tirol und Vorarlberg, hat sich in Rum (s)ein Wohnnest eingerichtet.

© HörhagerVom Patscherkofel bis weit ins Unterland öffnet sich der Blick von der Loggia bzw. Terrasse. Diese genießt auch Mopsdame "Heidi".



Von Peter Hörhager

Rum – Er hat schon Kaiser und Könige verkörpert, jetzt ist er Präsident. Und zwar nicht auf der Bühne, sondern im Privatleben. Günther Lieder, „Fossil“ (Homepage der Tiroler Schauspielschule) der Tiroler Theaterszene, steht seit einigen Wochen als Nachfolger von Esther Fritsch an der Spitze der Israelitischen Kultusgemeinde für Tirol und Vorarlberg. Müßig zu erwähnen, dass er aber weiterhin seinem Brotberuf (und seiner Leidenschaft), also der Schauspielerei frönt.

„Eigentlich hättest du mich früher für so eine Reportage besuchen müssen“, lacht er einleitend bei meinem Eintreffen in seinem 80 m² großen Domizil in einem Mehrparteienhaus in Rum, „das ist der kleinste meiner bisherigen Wohnräume.“ Nachsatz: „Aber jetzt bin ich ja auch Single.“ Na ja, ganz stimmt das nicht, denn in der Mopsdame „Heidi“ hat er eine viel Aufmerksamkeit verlangende Mitbewohnerin. Die allerdings erst später zu uns stößt, da sie von Günther Lieders Frau Anne (Anmerkung Günther Lieders: „Wir leben zwar getrennt, sind aber nicht geschieden und verstehen uns nach wie vor gut!“), die nur ein paar Häuser weiter wohnt, zu einem Spaziergang mitgenommen wurde.

Individuell und bunt: das Wohnzimmer mit vorgelagerter Terrasse.
- Hörhager

240 Quadratmeter maß einst das Domizil von Günther Lieder in Wien. Auch in Luzern, einer weiteren Station des Mimen, legte er Wert auf großzügiges Wohnen. „Mir blieb dort allerdings fast nichts mehr zum Leben“, verdeutlicht er die Kosten. Zwölf Jahre lang war dann die Hungerburg (Marienbrunn) Standort der Familie, ehe sich Anne und Günther Lieder in Zirl ein Haus bauten. „Es war ein gerades, großzügig angelegtes Architektenhaus, reduziert möbliert, mit Schwimmbad“, erzählt Günther Lieder.

Rollenstudium vor der prall gefüllten Bücherwand.
- Hörhager

Als sich die Familie aufsplittete – Tochter Hannah lebt jetzt in Ranggen, Günther und Anne wohnen (getrennt) in Rum –, wurde das Haus verkauft. Den Standort Rum stuft er als ideal ein, da er am Land lebt und doch schnell in Innsbruck ist.

Günther Lieder als Hausmann (und begeisterter Koch) in der Küche.
- Hörhager

„Jetzt lebe ich eine neue Bescheidenheit“, lacht der Vielbeschäftigte. Was nicht stimmt, allerdings erfordert die kleinere Wohnfläche ein Abweichen von der Reduktion. Günther Lieder ist nämlich auch Sammler. Bücher, Schallplatten, Modellautos – das sind die Hobbys des Schauspielers, dessen Name sich seit 37 Jahren auf Programmzetteln des Landestheaters findet. Bücher und Schallplatten – da sticht ein Name ins Auge: Bob Dylan. „Ich habe sämtliche Tonaufzeichnungen von ihm – ich bin ihm zu vielen Konzerten nachgereist“, betont der Schauspieler, der als Bub Koch oder Uhrmacher als Wunschberufe angegeben hat. Apropos Koch: Die vielen Kochbücher sind nicht nur Beiwerk. Er kocht nicht nur gerne, sondern laut Ann­e auch gut. „Seine gefüllte Lammkeule ist ein Gedicht“, schwärmt sie.