Letztes Update am So, 31.07.2016 06:42

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Lifestyle

Grün geht die Wände hoch

Natürlich kann man seine Zimmerpflanzen ganz klassisch im Topf in der Wohnung aufstellen. Die grüne Innenraumgestaltung hat seit Neuestem aber ein ungewöhnliches Antlitz und geht in die Vertikale.

© privatIch glaub, ich steh im Wald: Grüne Wände halten auch in Gebäuden Einzug.



Pflanzen, so weiß man, tun dem Menschen gut. Sie sind eine Wohltat für das Auge, können Schadstoffe aus der Luft filtern und die Raumfeuchtigkeit erhöhen. Zwei, drei Blumenstöcke in einem Raum reichen da aber nicht aus und für viel mehr Pflanzen gibt es oft keinen Platz.

Patrick Blanc hatte als einer der Ersten die Idee für eine Lösung – er ging mit dem Grünzeug in die Vertikale. Der Franzose begrünte zunächst Fassaden von kahlen Häusern, wurde damit berühmt und wird seitdem immer wieder eingeladen, weltweit Gebäude in ein Pflanzenkleid zu hüllen bzw. für ungewöhnliche grüne Indoor-Arrangements zu sorgen.

Platzsparend

„Da war es nur noch ein kleiner Schritt von der Außen- zur Innenbegrünung im großen Stil“, erzählt Carsten Stakalies vom Verein der Deutschen Gesellschaft für Hydrokultur. Mit den Pflanzen in die Höhe zu gehen, sprich, ganze Wände damit zu gestalten, sei derzeit großes Thema. „Und das wird sich in den nächsten Jahren noch verstärken“, ist sich Stakalies sicher.

Gründe dafür gebe es mehrere: „Der Reiz solcher Lösungen ist, dass man dafür nicht viel Platz braucht“, bringt Alexandra Kogler von der Firma Florawall mit Sitz im niederösterreichischen Bad Erlach ein gewichtiges Argument ins Spiel. Auf einem Quadratmeter Fläche könne man zum Beispiel 40 bis 60 Pflanzen setzen.

Eine grüne Wand kann mitunter auch ein grünes Bild sein.
- privat

Pflanzenwände würden aber auch gut aussehen und das Gefühl vermitteln, der Natur nahe zu sein. Die größte Fläche, die Florawall bislang begrünt hat, ist etwa 50 Quadratmeter groß – davor stehend kann man schon das Gefühl haben, sich im Wald oder Dschungel zu befinden. In der Farbenlehre wird Grün übrigens eine beruhigende Wirkung zugesprochen, zudem sollen Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft oder Toleranz gefördert werden.

„Do it yourself“ wird auf Dauer nicht funktionieren

Nicht zu vergessen: „Die Luftfeuchtigkeit in Räumen wird durch Pflanzen um 15 bis 25 Prozent angehoben, sie reinigen auch die Luft. Dadurch wird die Produktivität gesteigert und gehen die Krankenstände zurück“, sagt Kogler. Das sei etwa in vielen Büroräumen großes Thema, wo Menschen mit trockenen Augen, Kopfweh und Konzentrationsschwierigkeiten zu kämpfen hätten. Das alles hat sich die Firma Florawall auch wissenschaftlich bestätigen lassen: die positiven Auswirkungen von Farnen, Philodendron und Co. wurden von der FH Burgenland untersucht und die Ergebnisse sprechen für viel mehr Pflanzen im Innenbereich.

Die Firma Florawall macht aus nackten Säulen wahre Hingucker.
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Im Internet gibt es übrigens zahlreiche Anleitungen, sich vertikale grüne Wände selbst zu basteln. „Das wird aber auf Dauer nicht funktionieren“, weiß Carsten Stakalies und empfiehlt z. B. im Handel erhältliche spezielle Regalsysteme. Denn die „hängenden Gärten“ bräuchten besondere Bedingungen, gute Bewässerung, eigenes Licht und regelmäßige Pflege.

Bei der Firma Florawall etwa kommt ein spezielles Trägersystem ohne Erde zum Einsatz, dafür mit vier Fliesschichten, zwischen denen die Pflanzen Wurzeln bilden.„Danach wird automatisch bewässert und gedüngt, und weil die Pflanzen viel Licht brauchen, werden sie mit einer speziellen Beleuchtung versehen“, erklärt Kogler.

Florawall beliefert allerdings nur Firmen mit den grünen Wänden, und unter den Kunden aus dem gesamten Bundesgebiet liest man so bekannte Namen wie Erste Bank, McKinsey, Ikea und McDonalds. Der Quadratmeterpreis liegt zwischen stolzen 950 bis 1300 Euro. „Qualität hat ihren Preis, und wir legen großen Wert auf den Service, weil wir die Pflanzen danach weiterbetreuen“, rechtfertigt Kogler die hohen Kosten.

Dass die hängenden Gärten ihre eigenen Regeln haben, weiß auch Carsten Stakalies: Der Deutsche ist u. a. in der „Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau“ engagiert, wo derzeit an ganz besonderen Richtlinien gearbeitet wird. „Und zwar geben wir Tipps für die richtige Vertikalbegrünung im Innenbereich.“ (Irene Rapp)