Letztes Update am So, 28.08.2016 06:16

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Lifestyle

Natürlich grüne Kosmetik

Naturkosmetik ist im Vormarsch, vor allem die Do-it-yourself-Variante. Welche Vorteile die natürliche gegenüber der konventionellen Kosmetik bietet, erläutert eine Expertin des Gebiets, Theresia Sturmberger, Betreiberin einer Kosmetikmanufaktur.

Immer mehr Menschen schwören auf Naturkosmetik.

© iStockImmer mehr Menschen schwören auf Naturkosmetik.



Von Anbeginn der Menschheitsgeschichte beschäftigt man sich mit Körperpflege und Hygiene, angepasst an die jeweilige Zeit. Im 18. Jahrhundert taucht der Begriff Kosmetik (cosmétique) erstmals in Frankreich auf und verbreitete sich rasch über ganz Europa. Seit diesem Zeitpunkt ist die Kosmetikindustrie unaufhaltsam und verändert sich jährlich, täglich, ja sogar jede Minute.

Mittlerweile gibt es Cremes gegen alles und für alles und meistens braucht man für die Zusammensetzung Chemiker, Labore und unzählbar viele synthetische Zusatzstoffe. Doch seit einiger Zeit geht der Trend weg von diesen rein chemischen Produkten hin zu Naturprodukten, die man sogar selbst machen kann – so wie früher, als man sich mit speziellen Hausmittelchen behalf und dadurch zu 100 Prozent die Gewissheit über die Inhaltsstoffe hatte.

Viele Inhalte synthetischer Kosmetik stehen im Verdacht, gesundheitsschädigend zu sein, zum Beispiel im Deo. Es ist zu dem „Buhmann“ der Kosmetikbranche geworden, denn seit geraumer Zeit ist klar, dass Aluminium gesundheitsschädigend ist und die meisten Deos Aluminiumsalze enthalten. Es gibt zwar mittlerweile viele Deos, die ohne Aluminiumsalze sind, doch welche Inhaltsstoffe stattdessen eingesetzt werden, ist eine andere Frage. Deshalb schwören immer mehr Frauen, und auch Männer, auf Naturkosmetik, die man in speziellen Läden kauft, oder sie wagen den Versuch, sie selbst herzustellen. Auch Drogeriemärkte sind mittlerweile auf diesen Naturkosmetiktrend aufgesprungen und bieten die verschiedenen Inhaltsstoffe zum Zusammenmischen zu Hause an. Das bietet die Möglichkeit, speziell auf seine eigenen Bedürfnisse eingehen zu können – bei Geruch, Farbe, Konsistenz und der Individualität sind keine Grenzen gesetzt.

Theresia Sturmberger betreibt eine Kosmetik-Manufaktur in Niederösterreich, in der Produkte fürs Seifensieden, Destillieren und alles, was man für die selbstgemachte Kosmetik braucht, verkauft werden. Ebenso bietet sie Seminare an, in denen man alles über „Seifensieden“, „Naturkosmetik herstellen“, „Destillieren von ätherischen Ölen und Hydrolaten“ und „Geiste brennen“ lernt. Sie beschäftigt sich seit 30 Jahren mit der Kosmetikherstellung und meint zu ihren Anfängen: „Damals hat es den Begriff der ,Naturkosmetik‘ noch nicht gegeben. Es ist mir schlicht darum gegangen, Pflegecremes, Shampoos usw. selbst zu rühren, nach Rezepten die ich in Büchern gefunden habe. Es gestaltete sich zu dieser Zeit sehr schwierig, die benötigten Rohstoffe zu erhalten, da es noch keine diesbezüglichen Shops gab, so ging ich einfach in die Apotheke und bestellte die Zutaten. Deswegen wurde ich oft belächelt.“

Für sie sind die Vorteile der Naturkosmetik ganz einfach auf den Punkt gebracht: man weiß, was drin ist, sucht sich die feinsten und besten Rohstoffe aus und passt die Pflege den eigenen und individuellen Bedürfnissen an. Wichtig ist auch, so viel wie möglich „natürliche Zutaten” zu verwenden und auf synthetische Stoffe zu verzichten. Sie verwendet ausschließlich ihre eigenen Produkte. Sturmberger sagt: „Man kann im Prinzip alles selber herstellen – von der Gesichtscreme bis zum Lippenstift.“ Auf die Frage, ob ihre Kurse von Anfang an gut besucht waren, meint sie, dass sie im Jahr 2002 mit dem ersten Seifensieder-Kurs begonnen hat und in Österreich damals die Erste war, die Kurse angeboten hat. Im Laufe der Jahre kamen weitere dazu, welche fast immer ausgebucht sind.

Zusammengefasst sind die Vorteile der Naturkosmetik in erster Linie die Gewissheit, was in dem Produkt steckt, woher die Inhaltsstoffe kommen und dass keine Tierversuche im Zuge der Erzeugung gemacht wurden. Ebenso kann man sich zu 100 Prozent sicher sein, dass die Inhaltsstoffe frisch und unbehandelt sind und so mit einem geringeren Allergierisiko einhergehen. Schlussendlich wird das grüne Gewissen zur Gänze gestillt, da natürlich auch der leidige Plastikbehälter wegfällt.

Was genau ist Naturkosmetik?

Naturkosmetik bedeutet, dass man bei der Herstellung auf Konservierungsstoffe verzichtet, ebenso wie auf Tierversuche während des Herstellungsprozesses. Alle Inhaltsstoffe sind rein biologisch – man könnte im Prinzip alle Masken und Cremes auch essen. Die verwendeten Inhaltsstoffe sind natürliche Fette und Öle. Bei den Fetten ist das Kokosfett beliebt, es besteht zu 90 Prozent aus gesättigten Fettsäuren und ist eines der natürlichsten, die es gibt. Ebenfalls häufig verwendet wird Shea-Butter. Diese wird aus der Frucht des Karitébaumes hergestellt, welche den Afrikanern schon seit jeher als Hautcreme gegen die Austrocknung der Wüstensonne dient. Kakaobutter, Bienenwachs und ätherische Duftöle sind ebenfalls Garanten für wirkungsvolle Naturkosmetik. Für Peelings nimmt man Salze oder Zucker und natürliche Öle wie Mandelöl, Olivenöl und Sonnenblumenöl. Für Bäder kann man auch Kräuter verwenden. Jedes Kraut hat seinen speziellen Einsatz und Wirksamkeit, zum Beispiel zur Muskelentspannung, Vitalisierung oder einfach nur ein einzigartiges Aroma versprüht. Eine komplexere Zutat ist Aloevera. Sie ist eine Heilpflanze, ihr Saft und ihr Gel werden oft bei Wundbehandlungen und Sonnenbrand eingesetzt. Ein altes Hausmittel, unverzichtbar in der Naturkosmetik, ist Natron, ein Mineral, welches oft als Speisesoda oder Backsoda bezeichnet wird. Seine Einsatzgebiete sind unbegrenzt, es verhilft zu weißeren Zähnen, macht die Haut geschmeidiger und Deos verdanken ihm ihre Effektivität.

Was ist konventionelle Kosmetik?

Konventionelle Kosmetik sind all die Cremes, Sprays oder Shampoos, die wir in Drogerie- oder Supermärkten kaufen können. Sie werden meist in Laboren hergestellt und enthalten synthetische Inhaltsstoffe wie Polyethylenglykol – kurz PEG genannt –, Parabene, Silikone, Paraffine, Erdölprodukte und synthetische Duftstoffe. Das klingt zunächst einmal verwirrend und erinnert an den leidigen Chemieunterricht der Schulzeit, deshalb eine kurze Erklärung: Paraffine sind Gemische aus gesättigten Kohlenwasserstoffen, sie werden aus den Rückständen der Erdöldestination gewonnen. Sie sind preisgünstig herzustellen und zeichnen sich dadurch aus, dass sie farb-, geruch- und geschmacklos sind. Ihr Nachteil ist allerdings, dass sie den Säureschutzmantel der Haut schädigen, dadurch die Eigenregeneration behindern und das Entstehen von Hautunreinheiten bewirken können. PEG werden ebenfalls aus Erdöl gewonnen und dienen als Emulgatoren. Ihr Ausgangspunkt ist Ethylenoxid, welches auch in Frostschutzmitteln verwendet wird. Silikone sind eine Gruppe synthetischer, chemischer Stoffe, die so wandelbar sind, dass man sie fast überall einsetzen kann, für Kuchenformen, als Faltenauffüller oder zum Abdichten von Fugen.

Die Vorteile der konventionellen Kosmetik gegenüber der natürlichen ist, dass sie länger haltbar ist. Naturkosmetik muss aufgrund der fehlenden „Haltbarmacher“ schnell aufgebraucht werden – Cremes mit synthetischen Inhaltsstoffen sind oft über ein Jahr verwendbar. Genauso ist auch die Wirkung stärker als bei der natürlichen Variante – natürliche Haarfärbemittel decken die Haare nicht zu 100 Prozent wie bei der chemischen Behandlung. Auch Deos sind nicht so wirksam wie die industriell hergestellten. Bio-Duschgels und Shampoos schäumen nicht so wie synthetisch gefertigte und bei Sonnencremes ist Vorsicht geboten, da die Wirksamkeit der nicht-synthetisch hergestellten UV-Produkte bei Lichtschutzfaktor 20 stoppt.

Naturidentisch ist der goldene Mittelweg

Natürliche Stoffe können auch im Labor „kopiert“ werden, das nennt man natur- identisch. Der synthetisch hergestellte Stoff entspricht dem Naturstoff in chemischer Hinsicht zu 100 Prozent. Das kommt daher, weil er die gleiche Molekularstruktur aufweist, wie es in der Natur vorkommt.

Kaliumsorbat ist ein Beispiel für so einen naturidentischen Stoff, es ist ein Salz der Sorbinsäure und in der Natur kommt es in unreifen Vogelbeeren vor. Der Vorteil dieser Stoffe ist, dass sie genau wie die natürlichen ein sehr geringes Allergenrisiko aufweisen, aber trotzdem, zum Beispiel, zur längeren Konservierung beitragen. (Isabella Oberortner)

Rezepte zum Ausprobieren

Topfen-Zitrone-Honig-Maske

Diese Maske eignet sich hervorragend gegen Hautunreinheiten. Oft ist die Haut von zu viel Chemie irritiert, dann ist der Topfen gepaart mit Honig und Zitrone eine Wohltat für diese. Der Topfen entzieht der Haut das Fett, das die Poren verstopfen kann, und beruhigt sie gleichzeitig. Die Zutaten, also 2 EL Topfen, ein Spritzer Zitrone und ein TL Honig, werden einfach zusammengemischt und anschließend auf das Gesicht aufgetragen. Wenn die Maske getrocknet ist, mit warmem Wasser entfernen und sich über das Ergebnis freuen.

Fazit: Die Maske ist wirklich eine Wohltat für die Epidermis, sie fühlt sich nach der Anwendung angenehm weich und rein an, und das Beste ist, dass man diese Zutaten fast immer zuhause hat.

Badepeeling mit Ingwer

Die Zutaten für das Peeling sind 2 EL Kokosfett (ist fast in jedem Supermarkt erhältlich), 1 EL Zucker, 1 Stück Ingwer gerieben, 1 EL Pflanzenöl (ganz nach Geschmack, Sonnenblume, Mandel, Erdnussöl) und ein Schuss Zitrone. Zuerst das Kokosfett im Topf schmelzen, dann die restlichen Zutaten dazugeben, alles gut durchmischen und im Kühlschrank abkühlen lassen. Sobald es hart ist, mit einer Gabel zerdrücken und dann in den Mixer geben.

Fazit: Das ganze Bad riecht nach dem Peeling wunderbar nach Kokos, der Ingwer gibt dem Ganzen noch eine markante Note. Die Haut fühlt sich geschmeidig und gepflegt an durch die Öle – besser als jedes herkömmliche Peeling.

Lemongras-DEO

Die Zutaten für dieses natürliche Deo sind Natron, Lemongraswasser und eventuell auch Teebaumöl oder Lavendelöl. Einfach 30 ml Wasser, 2 TL Natron, 2 Tropfen Lemongraswasser oder Teebaumöl (wirkt zudem antibakteriell) in eine leere Sprühflasche füllen, immer wieder vor Gebrauch gut schütteln und dem natürlichen Deo sind keine Grenzen gesetzt.

Fazit: Das Deo riecht für jeden selbst sehr gut, da man mit den Duftölen seine ganz individuellen Noten setzen kann. Natürlich ist es nicht gleich stark wie ein Deodorant mit Aluminiumsalzen – aber es erfüllt seinen Zweck, ist sehr preisgünstig und dazu noch gesund.

Haarkur mit Jojobaöl

Hierfür benötigt man 150 g Naturjoghurt, 1 Ei, 1 EL Jojobaöl, 1 TL Honig und einen halben TL Weizenkeimöl. Alle Zutaten vermengen, anschließend kurz erwärmen und dann auf die Haarlängen und Spitzen auftragen. Das Ganze gut einwirken lassen und anschließend die Haare mit Shampoo waschen.

Fazit: Für das Ergebnis etwas zu viel Aufwand, da die Haare sich zwar seidig anfühlen und glänzen, aber nicht mehr als bei einer herkömmlichen Spülung. Ebenso fehlt der Duft und man muss aufpassen dass man auf jeden Fall alle Ei-Teile aus den Haaren bekommt, was bei langen ein gar nicht so einfaches Unterfangen ist.


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