Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 25.02.2017


Lifestyle

Ein schräger Monolith mit Alu-Fassade

Der junge Architekt Martin Reinstadler ist selbst zum Bauherrn geworden: In der dörflichen Struktur von Ehenbichl bei Reutte hat er ein modernes Eigenheim für seine Familie geplant.

Das Besondere am Eigenheim-Neubau des jungen Tiroler Architekten Reinstadler ist, dass seine moderne Eigenheim-Interpretation neben der Tiroler Bautradition bestehen kann und soll.

© Prefa/CroceDas Besondere am Eigenheim-Neubau des jungen Tiroler Architekten Reinstadler ist, dass seine moderne Eigenheim-Interpretation neben der Tiroler Bautradition bestehen kann und soll.



Ehenbichl – Ein schräger Monolith mit hellgrauer Aluminiumfassade und Flachdach – nicht gerade ein typisches Gebäude für tirolerische Baukultur der ländlichen Gegend. Architekt Martin Reinstadler hat für sich und seine Familie ein Eigenheim gebaut, das nicht nur ein Referenz­objekt seines architektonischen Schaffens ist, sondern seine ganz persönliche Handschrift trägt und exakt auf die Bedürfnisse seiner Familie zugeschnitten ist.

Neuartig, nachhaltig und pflegeleicht sollte das Domizil für die Familie Reinstadler sein. Zuerst musste der Architekt und Bauherr in Personalunion jedoch die Hürde der Familientradition überwinden: Auf dem Grundstück im Ortszentrums Ehenbichl stand ein altes Bauernhaus – das Heimathaus von Reinstadlers Vater. „Das Haus hatte einen hohen sentimentalen Wert für uns alle“, verrät Reinstadler, der lange mit seiner Entscheidung gehadert hat, ob er den nicht mehr sanierungswürdigen Altbestand doch zu erhalten versuchen soll. Mit Vaters Segen gab es dann aber den rechnerisch vernünftigen Abriss und einen kompletten Neustart für das Eigenheim-Projekt.

Das eigene Haus zu planen, ist eine der schwierigsten Aufgaben für einen Architekten. „Die Planung und der Bau waren eine wichtige Erfahrung für mich. Jeder meiner künftigen Auftraggeber profitiert davon“, erinnert sich Reinstadler an den Konflikt zwischen Wunsch und Wirklichkeit während der Planungsphase. Denn zeitliche, flächenmäßige und finanzielle Voraussetzungen des Bauherrn setzen Wünschen, Werten und Vision des Architekten schon mal engere Grenzen. Trotzdem hat er fast alles unter den Hut gebracht.

Der Ideenfindungsprozess für das schräge Projekt hat Jahre gedauert. Auch weil Reinstadler die ganze Familie und ihre Wünsche und Bedürfnisse demokratisch in die Ideenfindung und Planung des Eigenheims intensiv einbezogen hat. „Ich baue ja auch für die nächste Generation“, so Reinstadler, dessen bisheriges Lieblingsprojekt ein Kindergarten ist. Rein­stadler hat dabei auch die Erfahrung gemacht, dass Zeit im Entscheidungsfindungsprozess jeder Planungs- und Bauphase bei Bauherr und Architekt ein unglaublich wichtiger Faktor für die spätere Wohn- und Lebenszufriedenheit ist. Man muss sich Zeit und das Projekt wachsen lassen, weil: „Man legt sich fest“, wurde sich Reinstadler deutlich auch der psychologischen Tiefen eines Bauprojektes bewusst.

Ein schräger Entwurf mit Aluminiumfassade und Flachdach ist das neue Domizil dann geworden. Und das Besondere an seinem Neubau ist laut Reinstadler, dass seine moderne Eigenheim-Interpretation neben der Tiroler Bautradition bestehen kann und soll. Für Groß und Klein der Familie Reinstadler war die Verbindung zu Natur und Bergen, Sonne, Licht und die Verbindung zur Landschaft besonders wichtig.

Herkömmliche Materialien hat Reinstadler bei seinem Eigenheim neu interpretiert und die Fassade mit Prefa-Schindeln in Hellgrau verkleidet. „Erstens, weil das Thema Nachhaltigkeit bei der Material-Wahl dominierte und zweitens, weil Aluminium ein faszinierender, hochmoderner Baustoff ist“, beschreibt Reinstadler die Vorteile wie etwa vielseitige Einsetzbarkeit – auf Dach und Fassade –, Robustheit und Formbarkeit.

Die Hausfassade ist ein Mehrgenerationen-Projekt. Aluminium verfügt über die Eigenschaft, dass es sich selbst mit einer schützenden Oxidschicht überzieht. „Nichts bröselt oder blättert ab, nichts rostet an verborgenen Stellen“, so Reinstadler, der als Bauherr auch genau gerechnet hat. Außerdem macht die bewährte Bekleidung mit Falz-in-Falz-Technik die Fassade sturmsicher und wartungsfrei – Streichen und aufwändige Sanierungsarbeiten entfallen. Zugunsten der Familienzeit. (TT)