Letztes Update am Mo, 11.09.2017 13:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Lifestyle

Mode, Mocca, Klicks: Bloggerin aus Tirol hat modisch alles im Kasten

Verena Raffl ist bei einem der erfolgreichsten Blogs Österreichs Chefin, Stilexpertin und Model in einem. Die Tirolerin kann davon leben, dank Kooperationen mit Dior bis Ho & Ruck.

© TT/Rudy De MoorVerena Raffl mit ihrer französischen Bulldogge Mocca - die Namensgeberin ihres Blogs.



Von Matthias Christler

Anna Wintour lebt mit Kate Moss und Cara Delevingne in einer Wohnung in Aldrans, sie entscheiden gemeinsam, welche Modetrends es wert sind, veröffent­licht zu werden, machen Fotos davon und bestimmen so, was die Frau im Herbst 2017 trägt. Skurril, diese Vorstellung, aber bis auf die Namen stimmt sie mehr oder weniger. Verena Raffl übernimmt den Job von allen dreien. Die 28-jährige Tirolerin würde sich zwar nie anmaßen, denselben Einfluss zu haben wie die Vogue-Chefin oder die Star-Models und doch rufen 90.000 Leser monatlich die Beiträge auf ihrem Fashion-Blog und Style-Magazin Who is Mocca? (whoismocca.com) auf.

Die Tirolerin präsentiert gemeinsam mit Husky Teddy auf ihrem Blog "Who is Mocca?" eine farbenfrohe Kombi.
- Raffl

„Wenn ich mir vorstelle, dass 90.000 Menschen vor meinem Balkon auf der Wiese stehen und schauen, was ich anhabe, ist das schon ein eigenartiges Gefühl", sagt Raffl und blickt zum Fenster hinaus. Im Wohnzimmer chillen in einer Ecke ihre französische Bulldogge Mocca — der Namensgeber ihres Blogs — und in einer anderen der junge Husky Teddy. Beide warten geduldig auf ihren nächsten Einsatz. Denn sie sind, das darf man schon behaupten, die wahren Stars — am Blog und im Leben von Verena Raffl. Mitte der Woche stellte sie zum Beispiel einen Look vor, der sich in drei Schritten vom Büro- zum Ausgeh-Outfit verwandeln lässt. Sie hat die Idee und sie ist das Model auf den Fotos, ihr zur Seite steht bei den Aufnahmen Mocca. Bei einem sommerlich bunten Look mit Rock wurde sie von Husky Teddy begleitet.

Bei den Fotos, die meist ihr Freund Christian Ratz (ebenfalls Blogger bei beatsanddogs.com) schießt, dauert es nicht lange, bis sie im Kasten sind. Der Stil ist meist ähnlich, urban, oft vor einer weißen Villenmauer, damit die Mode schön zur Geltung kommt. Die Zeiten, in denen Models nicht nur auf den Fotos abgehoben und wie von einem anderen Stern daherkommen, sind längst vorbei. Als Bloggerin will und muss Raffl Persönliches preisgeben, nicht nur, was ihren Stil betrifft, sondern auch Intimeres. Das macht sie vor allem auf Instagram, wo sie einerseits auf die neuen Themen ihres Blogs hinweist und andererseits Einblicke in ihren Alltag gibt.

Unerwartet viel Resonanz bekam sie auf einen Eintrag im Sommer, als sie vom Tod ihres Hundes Angel berichtete. „Viele Leser, die mir aufmunternde Worte geschrieben haben, kannte ich davor nicht. Es war schön, zu spüren, dass die Leute, die sonst vielleicht nur die Seite anklicken, mitgefühlt haben", sagt sie.

Vor knapp mehr als einer Woche, mitten in ihrem Kroatien-Urlaub, ließ sie ihre Leser an einem anderen emotionalen Moment teilhaben: dass sie den Heiratsantrag ihres Freundes mit Ja beantwortet habe. Auf dem Foto sieht man das Paar kuschelnd und an ihrem Finger strahlt ein Verlobungsring. Es könnten genauso zwei Celebritys sein. „Berühmt fühl' ich mich sicher nicht", wiegelt Raffl aber gleich ab. Obwohl, manchmal komme es schon vor, dass sie auf der Straße erkannt werde.

Doch so glamourös wie es auf manchen Fotos und bei den Einträgen auf Who is Mocca? wirkt, ist ihr Leben als Bloggerin nun auch wieder nicht. Es gebe schon Wochen, in denen sie fünf Tage hintereinander im Jogger von früh bis spät Anfragen beantworte und Pläne für die kommenden Shootings schmiede; ihr Alltag dann: „Aufstehen, Hunde versorgen, frühstücken, untertags im Büro am Laptop sitzen und am Abend vor dem Fernseher auf der Couch nebenher Fotos bearbeiten."

"Nie ganz offline"

Einen Tag, ohne online zu sein, kennt die ausgebildete Grafikerin gar nicht mehr. Ist das die Lust an der Arbeit? Oder eine Sucht? „Ich werde schon unruhig, wenn ich mal einen Tag nichts online stelle. Ich bin nie ganz offline. Aber das kommt auch davon, dass ich selbstständig bin." Und dass sie professionell arbeitet, sie hat sich etwa eine freie Redakteurin ins Team geholt. Ihren 2013 gestarteten Blog hat sie dadurch inzwischen zu einem „Blogazine" erweitert, das sich von der Aufmachung her nicht viel von einer Elle- oder Vogue-Homepage unterscheidet.

Wenn sie sich jedoch an ihre ersten bloggerischen Gehversuche zurückerinnert, muss sie fast über ihr altes Fashionista-Ich lachen. „Das Stativ mit Kamera stand im Wohnzimmer meiner alten Wohnung, ich war im Garten und drückte den Fernauslöser. An hatte ich ein pinkes schulterfreies Kleid, gelbe High Heels und dazu eine türkise Tasche. Für sich allein sind das alles tolle Farben, aber gemeinsam ...", beendet sie den Satz nicht und verdreht die Augen.

Das war eine Online-Jugendsünde, so mit Anfang 20 und der Blog von damals ist inzwischen, wie sie sagt, „vernichtet worden".

Likes sind Geld, Klicks sind Geld

Ihre modischen Wurzeln reichen jedenfalls weiter zurück, Raffls Mutter hat bei einem Modekonzern gearbeitet und schon der Tochter, als die noch Strampler statt Stöckelschuhe trug, die neuesten Klamotten mitgebracht. Jetzt ist es umgekehrt. Wenn Raffl mit Proben von Bodylotions überflutet wird, mit Lippenstift, der reicht, bis sie 90 Jahre ist, oder ein Kleid aus dem vollen Kasten verbannt wird, „dann freut sich meine Mama".

Das ist ein netter Nebeneffekt ihrer Arbeit, doch natürlich geht es für eine hauptberufliche Bloggerin ums Verdienen. Likes sind Geld, Klicks sind Geld. Wenn jemand über den Beitrag den Link zu einem Produkt anklickt und dieses später kauft, erhält Raffl eine Provision. Sie ist auf Unternehmen angewiesen, die mit ihr Kooperationen eingehen und über deren Produkte sie einen Beitrag verfasst. Klingende Namen sind darunter, zum Beispiel Dior, aber auch eher unmodische wie Audi, Melitta und der Innsbrucker Gebrauchtmöbelmarkt Ho & Ruck.

Who is Mocca? ist nämlich mehr als ein Modeblog, es geht um Fashion und Style, auch der Style der Wohnung. „Mit Ho & Ruck setze ich das Thema Upcycling um", sagt sie und deutet auf mehrere Vasen auf ihrem Tisch, die gebraucht sind und die sie als Deko umgestaltet hat.

Zielgruppe zwischen 20 und 45 Jahre

Solche Kooperationen können einmalig sein oder mehrere Monate dauern. „Ich preise nichts an, von dem ich nicht überzeugt bin. Und die Leser wissen durch meine Kennzeichnung immer, was bei mir Werbung ist", spricht Raffl das Thema Transparenz an, das nicht bei jedem Blog großgeschrieben wird. Als „Influencer" haben internationale Blogger wie die Italienerin Chiara Ferragni großen Einfluss auf eine junge Zielgruppe, die zum Kauf verleitet wird. Raffls Zielgruppe hingegen ist zwischen 20 und 45 Jahre alt und ihr gehe es darum, Looks zu zeigen, die man leicht bei H&M oder Zara nachshoppen könne.

Etwas aus der finanziellen Reihe tanzt allerdings ihr eigenes Lieblingsstück: Stiefeletten von Chloé um 975 Euro, die im 18 Quadratmeter großen Schrankraum an der Wand mit den ca. 100 Paar Schuhen auf einen Ehrenplatz gestellt wurden. Die Farbe ist ein helles Braun, fast wie das Fell von ihrem Hund Mocca.

Auf einem der neueren Fotos auf Instagram sieht die französische Bulldogge verliebt in die Kamera. Das Bild hat mehr Likes als so manch anderes, auf dem Raffl ein neues Outfit präsentiert. Damit kann sie leben: „Hunde ziehen online eben immer." Und auf die stylische Kombi-Mode und Hunde, darauf ist nicht einmal Anna Wintour gekommen.




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