Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 18.11.2017


Lifestyle

Männermodel der Stunde: Modewelt liebt Tiroler Adonis

Selle Coskun ist das Männermodel der Stunde. Der markant-maskuline Look des 29-Jährigen ist weltweit gefragt. Geträumt hat er von diesem Job aber nie.

© TT/Thomas BöhmSelle Coskun ganz entspannt in seiner Bar.



Von Kathrin Siller

Innsbruck –Der vielleicht schönste Mann Tirols sitzt beim Espresso in der „Auslage“ seines Lokals in der Nähe der Innsbrucker Unibrücke. Vor sieben Jahren hat Selle Coskun sein „Wohnzimmer“ eröffnet. Viel Zeit bleibt dem Neo-Zirler für das Cocktailmixen allerdings nicht mehr, denn vor vier Jahren wurde er quasi über Nacht zum Model.

An diesem bitterkalten Morgen versteckt er seine schwarze Mähne unter einer Kappe. Seine repräsentativen Modelmaße lassen sich unter dem schwarzen Mantel nur erahnen. Zwangsläufig scannt man ihn vom Scheitel bis zur Sohle. Das mussten auch die Mailänder Modelscouts getan haben, die den 29-Jährigen mehrmals in Innsbruck angesprochen hatten, ehe ihn eine Freundin mit Andreas Kranebitter, dem Besitzer der Innsbrucker Modelagentur SP-Models, verbandelte. Der beförderte ihn ziemlich rasch in den Model-Olymp.

Am Cover des österreichischen Männermagazins "Dandy".
- DIVA/Konrad Limbeck

Coskun ist keine metrosexuelle Bubi-Schönheit, sondern 189 Zentimeter Männlichkeit: markante Nase, starke Wangenknochen, Bart, herzlich und doch unnahbar. Er sei zwar durchaus etwas eitel, viel Aufwand stecke hinter seinem Aussehen aber nicht. „Umso älter ich werde, umso zufriedener bin ich mit mir“, erklärt er. „Auf meine Ernährung habe ich immer schon geachtet. Ich gehe ins Fitnessstudio, trainiere zu Hause oder mache die eine oder andere Kickboxeinheit.“

Als Gesicht des Tirolshops.
- Tirolshop

Falten und Pickel sucht man in seinem Gesicht vergebens. Trockene Fliegerluft und Jetlag gehen relativ spurlos an ihm vorbei. Deshalb auch sein spartanisch ausgestattetes Beautycase: „Feuchtigkeitscreme, eine aktivierende Maske, Parfüm, Zahnbürste und Augentropfen“, macht er es kurz.

Auf dem Laufsteg für Dolce & Gabbana in Mailand.
- Jesper Brandt / MQ Sweden

Seit vier Jahren jettet er nun um die Welt, hat in allen großen Modemetropolen seine persönlichen Agenten, arbeitet für Dolce & Gabbana („Von einem Shooting habe ich noch fünf Unterhosen“), Cavalli oder Volvo. Vergangene Woche stand er in Südafrika vor der Kamera. „Für einen deutschen Autohersteller habe ich in Kapstadt einen Werbespot gedreht. Von acht Tagen dort habe ich nur zwei gearbeitet“, schmunzelt er. Das Reisen sei das Einzige, was ihn anfangs am Modeln gereizt habe. „Ich hatte immer den Drang, ins Ausland zu gehen. Ich bin gerne daheim, aber wenn meine Bar nicht wäre, wäre ich wohl die nächsten zwei Jahre unterwegs.“

Damit seine vielen Eindrücke nicht in Vergessenheit geraten, ist ein Notizbuch ständiger Reisebegleiter. Die ersten Einträge stammen aus seiner ersten Modelsaison. „Nach einem Zehn-Stunden-Casting war ich schockiert: Die Castingdirektoren haben teilweise nicht mal den Kopf gehoben, um uns Models anzuschauen, sondern nur ins Lookbook geschaut und einen weggeschickt. Ziemlich grausam.“ Diesen Frust schrieb er sich damals von der Seele. Seither dokumentiert er Begegnungen, Erlebnisse und Gefühle, die neue Orte in ihm auslösen. „Irgendwann wird aus meinen Notizen sicher ein Buch“, kündigt er an.

Wie es denn sei, immer mit bekannten Menschen und schönen Frauen zu arbeiten? „Die Gefahr abzuheben, ist für viele sicher groß, aber ich bin total bodenständig und heimatverbunden. In Tirol wird man noch als Mensch wahrgenommen. Hier fühle ich mich sicher und geborgen. Aber ja, beziehungsmäßig ist es mit meinem unsteten Leben natürlich schwierig“, räumt er ein. Er habe zwar seine „Erfahrungen“ mit Models gemacht, auf einen Typ Frau sei er aber nicht festgelegt: „Mir ist die Ausstrahlung wichtig und dass sie echt ist.“

Eine kleine Diva sei er nämlich bereits selbst geworden, grinst er. „Bestimmte Jobs lasse ich getrost sausen. Pelz würde ich auch nie tragen. Zum Glück bin ich nicht vom Modeln abhängig.“ Einen Traum hat er sich aber noch nicht erfüllt: „Eine Weltreise. Und da mindestens ein halbes in Südamerika.“ Bis dahin muss er sich noch mit dem Rest der Welt begnügen.




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