Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.12.2017


Lifestyle

Entspannte Stunden am zentralen Tisch

Der Winter kommt und man zieht sich wieder in die Wohnräume zurück – was liegt da näher, als sich an einem zentralen Tisch zu versammeln, um zu frühstücken, essen, arbeiten und tratschen.

© glasitaliaPiero Lissoni setzt auf eine postmoderne Kreation und formalen Mix, was Platte und Tischbeine betrifft.



Von Ursula Philadelphy

Innsbruck – Schon in alten Zeiten saßen in unseren Breiten alle am großen Tisch in der Stube zusammen und das Tollste an der so genannten „italianità“ sind jene Geschichten, die davon erzählen, dass sich alle Generationen und Freunde einer Familie am großen Tisch zusammensetzten, gemeinsam essen und das Weltgeschehen oder ganz kleine Nebensächlichkeiten diskutieren. Was liegt da näher, als gerade im Winter das Thema eines zentralen Tisches zu thematisieren. Die Multifunktionalität versteht sich heutzutage ja ohnehin von selbst.

Vom deutschen Designer Nils Holger Moormann kennt man schon einige exzellente Entwürfe, die mit radikaler Einfachheit überzeugen. Nun also ein Tisch – und beileibe kein üblicher. Nach dem Motto „nomen est omen“ funktioniert „Seiltänzer“ natürlich mit einem Seil, das Tischbeine und Platte verbindet: Man hat die Wahl zwischen edlem Schwarz oder einer knallroten Version, die natürlich extrem viel hermacht. Da tratscht und isst es sich gleich noch einmal so gut.

Ähnlich rigide kommt „Conekt“ von der dänischen Design Ikone, Architekt Mogens Lassen daher. Bereits 1975 entworfen und aktuell von „bylassen“ relauncht, besticht der Tisch aus geräucherter Eiche oder Esche mit minimalistischer Form und attraktiv gesetzten Metallelementen bei der Verbindung zwischen Platte und Beinen. Insgesamt ein zeitloser Stil, der zwischen robust und elegant angesiedelt ist und einen ganz leichten Touch in Richtung Industrieästhetik hat. Dazu gibt es übrigens auch eine passende Sitzbank – rudimentär und sehr skandinavisch.

Der Weg bis zu den Entwürfen von vipp ist dann natürlich kein sehr weiter. Auch hier setzen die Designer auch klare, rigide Einfachheit, nicht selten dominiert die Farbe Schwarz, aber es gibt auch Beispiele, bei denen schwarze, massive Tischbeine mit einer dicken, hellen Holzplatte kombiniert sind – wobei hier auch bei den dazugehörigen Sesseln diese beiden Töne kombiniert werden und die Sitzflächen ganz unterschiedlich gestaltet sind. Bei einer anderen Tisch-Version, groß, quadratisch und aus Metall, hat Hellgrün das Sagen und werden dazu schwarze, sehr filigrane Sessel kombiniert. Passt perfekt für drinnen und draußen, was einem spätestens in ein paar Monaten eine Entscheidung abringen wird.

In Italien schaut die Sache hingegen sehr kontrovers aus. Im ersten Augenblick denkt man an riesige, und/oder elendslange Tafeln aus Holz, an denen Großfamilien Platz finden. Aber auch Steinplatten, gekachelte Tischplatten mit unauffälligen Holzbeinen und Metalltische sind durchaus Usus. Es geht aber auch ganz anders. Jüngstes Beispiel ist ein Entwurf der bretonischen Brüder Bouroullec für Glasitalia. „Nesting“ ist ein quadratischer Tisch, wahlweise in Amber, Dunkelgrün oder transparent erhältlich, bei dem Platte und Tischbeine aus Muranoglas sind. Die Tischplatte ist aus dickem, gegossenem Glas, während die zylindrischen Beine geblasen sind. Insgesamt, trotz des Materials, eine ziemlich massive Angelegenheit.

Wer es etwas filigraner mag, setzt vielleicht eher auf den Entwurf von Claudio Silvestrin, der mit „Oriente Occidente“ einen sehr simplen und geradlinigen Tisch präsentiert: Er ist aus hellgrauem Carraramarmor und Kristallglas komponiert und hat fast skulpturalen Charakter. Man hat aber auch unendlich viel Platz an dem Ding und kann es für viele Dinge, vom Arbeiten bis zum Essen, nützen. „Postmodern“ hingegen der Entwurf von Piero Lissoni. Auch er, wie die Bouroullecs und Silvestrin, für Glasitalia. Lissoni variiert zwischen rechteckiger, quadratischer oder runder Platte und kombiniert sie mit aufwändigen, sehr üppigen gläsernen Beinen. Sehr reizvoll, erweckt allerdings nicht den Eindruck als würde sich dieses Modell für üppige Gelage eignen.




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