Letztes Update am Di, 06.03.2018 15:53

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hochzeit

Die Bräute, die sich probieren trauen

Brautkleid bleibt nicht Brautkleid, schon gar nicht beim Aussuchen. Da werden Dutzende Varianten anprobiert, Frauen zu Prinzessinnen und am Ende Tränen vergossen.

© TT/Thomas BöhmManuela Peer (Navis) über ihr Brautkleid: "Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Mir sind beim Probieren die Tränen gekommen."



Von Deborah Darnhofer und Julia Baumgartl

Mit dem Brautkleid ist es wie mit dem zukünftigen Ehemann: Frau weiß einfach, dass es das/der Richtige ist. So geschehen bei Manuela Peer.

„Es ist ein unbeschreibliches Gefühl“, bricht es aus ihr heraus. „Mir sind die Tränen gekommen.“ Damit meint die Naviserin aber nicht den Heiratsantrag von ihrem Günter, der sie zu Weihnachten schon zu Tränen gerührt hatte, sondern ihr Brautkleid.

Mit ihrer Mutter und ihren beiden Schwestern ist Peer ins Brautmodengeschäft „Le Chat“ von Franc Convalexius nach Innsbruck gekommen. Hier will sie ihren Traum in Weiß wahr werden lassen. Das bedeutet zunächst Arbeit: Aus den Alltagskleidern heraus in die Roben schlüpfen und auf das kleine Podest steigen. Immer und immer wieder. Nicht nur dieser Thron macht es, dass sich die 39-Jährige schon nach wenigen Minuten wie eine Prinzessin fühlt.

Die Kleider, aus Tüll, Seide und Spitze, besetzt mit Steinen und Perlen, entfalten ihre ganze Strahlkraft. Die Frauen inspizieren sie von jeder Seite und berühren die feinen Details. Sie kichern, sind aufgeregt und schon in Gedanken beim 25. August des heurigen Jahres. Dann wird die Naviserin „Ja“ sagen.

Von Kleid zu Kleid wird das Strahlen größer. „Wunderschön“, „ein Hammer“, entfährt es ihren Schwestern. Mutter Maria kommt aus dem Staunen gar nicht heraus. Doch die Braut lässt sich Zeit. Der Mann zum Heiraten ist eine Herzensentscheidung und das Brautkleid eben auch.

Suchen, finden und trauen

Trauen lautet das Motto: nämlich viele Stunden nach dem Richtigen zu suchen, im Brautmodengeschäft wie im Leben. In Tirol wurde im letzten Jahr 3839-mal der Hafen der Ehe angesteuert.

Bis sie dort ankommt, sind für Valentina Romeo noch einige Seemeilen zu bewältigen. Eine Station ist das Brautmodengeschäft „Felice“ von Nadja Tonini in Schwaz.

Gleich beim ersten Kleid kommt die zukünftige Braut mit einem breiten Lächeln im Gesicht aus der Kabine: „Es ist einfach aufregend. Wenn ich diese wunderschönen Kleider probiere, merke ich, jetzt wird es ernst.“ In den Reihen der Begleiterinnen wird es plötzlich still, dann ertönt einstimmig ein begeistertes „Wow!“. Mama Margit und zwei Freundinnen helfen beim Aussuchen des „ganz besonderen Kleides für den ganz besonderen Tag“: Auf einem Schiff am Achensee wird die 34-Jährige gemeinsam mit ihrem zukünftigen Mann nämlich nicht nur sprichwörtlich in der Hafen der Ehe einfahren.

Bei der Anprobe im Geschäft darf auch Töchterchen Elisa nicht fehlen. Angetan von der langen, mit Spitzen besetzten Schleppe hängt sich die Einjährige mutig an Mamas Rockzipfel. Tipps kann sie freilich noch keine geben, das übernimmt die Expertin.

Von schlicht bis pompös

„Die Wahl des perfekten Kleides ist immer eine ganz persönliche Entscheidung“, erklärt Geschäftsinhaberin Nadja Tonini. „So unterschiedlich wie die Bräute sind auch die Wünsche. Manche bevorzugen pompöse Roben, andere mögen es lieber schlicht. Aber auch ganz klassische A-Linien sind gefragt.“

Für diesen Frühling und Sommer sieht die Schwazer Brautmodenexpertin einen klaren Trend in Richtung Farbe: „Unterschichten in zarten Pastelltönen sind beliebt.“ Weiß bleibt – wie sollte es anders sein – auch heuer die alles bestimmende Farbe. Bei den verschiedenen Tönen empfiehlt Tonini den Griff zu einer „abgesofteten Variante“. Gemeint ist damit ein gebrochenes Weiß, das nicht so hell und rein ist wie etwa ein Blatt Papier. Diese Töne schmeicheln dem Hautton.

Das kann der Innsbrucker Brautmodenexperte Franc Convalexius nur bestätigen. „Wir haben gar keine reinweißen Kleider mehr. Diese wirken wie hartes Neonlicht und das schmeichelt niemandem“, meint er. Außer der Farbe ist alles erlaubt, was gefällt. Die Preise für Kleider reichen dabei ab 500 Euro aufwärts, mehrere tausend Euro sind keine Seltenheit. Schließlich heiratet frau – im besten, romantisierten Fall – nur einmal. Da darf es gerne ein wenig mehr sein, auch vom Prinzessinnengefühl. Seit rund zwei Jahren sei Spitze deshalb der Stoff, aus dem die meisten Brautträume sind. Viel Glitzer und Tüll dürfen nicht fehlen. Anleihen kommen dabei aus den USA, weiß Convalexius. „Dorther kommt auch das blaue Strumpfband, das bei uns nicht Tradition ist. Immer mehr Bräute fragen aber danach.“

Der klassische Schleier wird heuer wieder gerne an den Kopf gesteckt. Verhüllen ist das eine, herzeigen das andere. Heuer darf wieder mehr Dekolleté gezeigt werden, vorbei sind biedere, hochgeschlossene Zeiten. Und auch ein tiefer Rückenausschnitt könne entzücken, finden die Experten. Sorge um eine vor Kälte erstarrte Braut müsse man sich auch mit nacktem Rücken nicht machen.

Warm wie ein Skianzug

„Brautkleider haben durchschnittlich sieben Lagen, es gibt auch welche mit zehn. Das ist so warm wie ein Skianzug“, weiß Convalexius. Noch spürt Peer davon nichts, als sie sich in ein weiteres Kleid hüllt.

„Es ist ein Wahnsinnsgefühl und fein zu tragen“, ist sie selbst überrascht. Der Anprobe-Marathon wird durch die Traumroben erträglich – und durch ein Gläschen Prosecco. Seit der beliebten Sendung „Zwischen Tüll und Tränen“ eines deutschen Senders ist das Gläschen auch in Tirol obligatorisch.

Auf das richtige Brautkleid wird einige Zeit später natürlich auch noch angestoßen. Welches es geworden ist, wird aber von den zukünftigen Bräuten nicht verraten. Das Hochzeitskleid soll ein gut gehütetes Geheimnis bleiben. Der Bräutigam darf es keinesfalls sehen, schon gar nicht in der Zeitung.

So viel sei aber verraten: Die Naviserin hat sich letztlich für das letzte von zehn Modellen, ein „schlichtes, aber elegantes“ Kleid, entschieden. „Das Gefühl hat einfach gepasst.“ Auch Romeo ist in Schwaz fündig geworden. Bis zu ihrem großen Auftritt erhalten die Kleider nun den letzten Feinschliff und werden an die Größe der Bräute angepasst. Dem Hochzeitsglück steht damit (fast) nichts mehr im Weg.

Die fünf wichtigsten Trends der heurigen Brautmode:

Tattoos , die unterm Brautkleid hervorlugen, sind keine Seltenheit mehr. Richtig angesagt ist allerdings so genannte Tattoospitze mit hautfarbenen und verspielten Einsätzen.

Das Dekolleté

wird diese Saison mit einem tiefen Ausschnitt in den Mittelpunkt gerückt. Perlenbestickung, Spitze oder viel Glitzer bringen den Brustbereich noch besser zur Geltung.

Spitze

fehlt bei fast keinem Brautkleid mehr. Lediglich die ganz schlichten Varianten verzichten darauf. Der Schleier ist auch wieder zurück und enthält viel Spitze.

Strass und Glitzer

dürfen als Blickfang natürlich nie fehlen. Heuer sind sie besonders beliebt. Schlichte Kleider können zum Beispiel mit einem strassbesetzten Gürtel veredelt werden.

Schuhe

sind im Gegensatz zum Kleid zurückhaltend. Satinbespannungen und geschlossene Varianten dominieren. Der Absatz ist niedrig gehalten, die Braut soll sich schließlich den ganzen Hochzeitstag wohl fühlen.




Kommentieren


Schlagworte