Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 18.04.2018


Lifestyle

Vom über 600 Jahre alten Horrorhaus zur Galerie

Mehrere Jahre lang wurde das über 600 Jahre alte Winklhaus restauriert. Vor wenigen Tagen wurde darin ein neues Kulturzentrum eröffnet.

© ReichleDas Winklhaus wurde liebevoll hergerichtet.



Von Matthias Reichle

Prutz – Seine Zukunft hing an einem seidenen Faden. Und fast wäre dieser auch durchtrennt worden, als 2010 im Prutzer Winklhaus ein Feuer ausbrach. Dem schnellen Eingreifen der Feuerwehr verdankte es seine glückliche Rettung. Seine Erhaltung tüchtigen Restauratoren. Denn auch der Zustand des Baus war besorgniserregend. „Überall rieselte der Putz herunter“, erinnert Restaurator und Vergolder Manfred Mitterer an ein Gewölbe, das kurz vor dem Einsturz stand. Gemeinsam mit Andreas Preisenhammer, Mario Wehinger und Helmut Hafele hat er dem Gebäude im Gemeindebesitz in den letzten zwei Jahren wieder Leben eingehaucht.

Am Wochenende wurde es nun – frisch restauriert – der Öffentlichkeit präsentiert. „Es gab alle möglichen und unmöglichen Ideen zur Nutzung“, betont Bürgermeister Heinz Kofler – vom betreuten Wohnen über ein Heimatmuseum bis hin zum Gemeindearchiv. Entstanden ist eine Galerie oder Ausstellungsfläche. Das „Kulturzentrum im Winkl“ wurde nun mit einer Schau von Werken des Künstlers Martin Stecher eröffnet.

Stolz ist man auf die Deckenmalereien.
- Reichle

Dabei ist das Haus selbst ein Museum – mit unzähligen Geschichten, erzählt Restaurator Mitterer. Fans von Horrorfilmen können sich erinnern, dass dort 2006 der Thriller „In 3 Tagen bist du tot“ gedreht wurde. Der Kern des Gebäudes ist aber über 600 Jahre alt.

Bewusst hat man darauf verzichtet, die vielen Bauphasen zu „verstecken“: Fassaden wurden im Lauf der Jahre zu Innenwänden, Fenster zugemauert, das Gebäude aufgestockt, abgerissen und zugebaut. So verschachtelt sieht es heute auch aus. Das kann man an den Wänden sehen, wo nebeneinander Oberflächen verschiedener Dekaden erhalten geblieben sind – Barockes neben Tapeten des Horrorfilms.

Unter anderem wurde eine Stube restauriert.
- Reichle

Besonders stolz ist man auf frühbarocke Deckenmalereien im Aufgang, die im Zuge der Restaurierungen freigelegt werden konnten. Dabei sind auch Rötel- und Bleistiftzeichnungen aufgetaucht. Darüber hinaus wurden die einst verschachtelten Räume, die bis vor wenigen Jahren noch bewohnt waren, wieder geöffnet. Der „blaue Salon“ stammt aus dem 19. Jh.

Im ersten Obergeschoß wurde eine alte Stube rekonstruiert und daneben in die alte Rauchküche, in der noch der Geruch vieler Jahrhunderte hängt, eine moderne Küche implementiert.

Fertig ist das Winklhaus unterdessen noch nicht. Offen bleibt, was mit dem Keller geschieht, so Bürgermeister Kofler.

Die Rauchküche.
- Reichle



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