Letztes Update am Mi, 02.05.2018 12:27

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Tiroler Designerin: Ein Mantel so sicher wie ein Schutzhaus

Zuerst studierte Teresa Mair (27) Architektur, dann spezialisierte sich die Absamerin auf Mäntel. In Innsbruck hat sie nun nach Abstechern in Helsinki und Wien ihr erstes eigenes Atelier eröffnet.

© Rudy De MoorDesignerin Teresa Mair mit ihren Modellen.



Vier Stufen hinauf, in einem Innsbrucker Hinterhof im Stadtteil Wilten, hat sich eine umtriebige Künstlerin niedergelassen. Teresa Mair (27), eigentlich studierte Architektin, schneidert hier seit Kurzem an ihren Mantelkollektionen. Das Studio in der Müllerstraße 9 riecht nach frischer Farbe und einem Zitronenbaum, der gerade in voller Blüte steht. Die Mischung ist köstlich. Es duftet nach Neubeginn und Frühling, der Raum wirkt wie ein Schutzplatz im Stadtrummel.

Studium an Alvar Aaltos Uni

Die junge Absamerin wagt hier in Innsbruck einen Start als Modedesignerin, der so nicht abzusehen war. Zuerst war die Architektur eigentlich ihr Weg. Sie studierte in Innsbruck und später an der Aalto University in Helsinki. Einem Ort, der von Architektenlegende Alvar Aalto gestaltet wurde. „Dort habe ich auch letztes Jahr meine Masterarbeit präsentiert“, erinnert sich Mair. Es war Juni, die Zeit, in der in Finnland die Sonne niemals untergeht, wenn das Licht unendlich und milchig ist.

Ärmellos: Teresa Mairs Mäntel sind auch Kleidung für warme Sommertage.
- Rudy De Moor

Für Mair ein ganz besonderer Moment, nicht zuletzt, weil ihr der große finnische Architekt ein Vorbild ist. Ein Stuhl des Meisters kam dann auch mit nach Innsbruck. Als Souvenir und als Kunststück. Heute steht er im Atelier. Mair sitzt darauf, wenn sie die Nähmaschine bedient.

Inhaltlich hat sie sich mit ihren Designs hauptsächlich dem Thema Mantel gewidmet. Jedes Kleidungsstück soll quasi eine Art transportables Haus sein. „Ich will Kleidung schaffen, die Schutz bietet“, meint Mair. Man merkt: Hier schneidert eine Architektin.

Dass es aber nun das Mantelnähen und nicht das Hausbauen geworden ist, hat naheliegende Gründe. „Meine Ideen sind oft sehr ausgefallen“, meint Mair. Die hätten statisch schwer realisiert werden können. Und dann war da noch ein Aspekt: die Zeit. „Wer ein Haus baut, braucht Geduld.“ Die Prozesse sind komplex und langwierig. Ihre textilen Ideen kann Mair schneller umsetzen, und das alleine. Das gefällt ihr.

Peter Zumthor inspiriert

Wie sehr sie das Geschichtenerzählen aus der Architektur übernommen hat, merkt man an jedem Detail. „Aus diesem Rucksack sprühen die Gefühle der Menschen“, sagt sie und deutet auf ihre Taschenentwürfe. Hinweise auf die Botschaft, die jedem Kleidungsstück innewohnen soll, liefert Mair mit aufgenähten Schriftstücken: „Sense“ ist zu lesen, oder „Show emotions“. Gefühlvolle Aufforderungen an die Kundinnen und Kunden. Mair schneidert nämlich für beide, Männer und Frauen.

Skizzen: An der Wand hängen neue Entwürfe.
- Rudy De Moor

Dass das Gefühlvolle bei Mair nicht zu kurz kommt, hat vielleicht auch mit einem anderen großen Kreativen zu tun. Peter Zumthor, der international bekannte Schweizer Architekt, ist einer ihrer größten Inspiratoren. Er formulierte den kritischen Gedanken, dass in der heutigen Gesellschaft Menschen eigentlich nur noch visuell stimuliert werden. Mair will mit ihren geschneiderten Körperhüllen ein Erlebnis entgegensetzen, das man nicht nur sehen, sondern eben auch erfühlen kann. Die Stoffe dafür sind liebevoll ausgesucht. Das Leinen, ihr Hauptmaterial, kommt aus Oberösterreich. In Innsbruck wird es vernäht – noch von Teresa Mair selbst. Vielleicht bald von einem ganzen Team. (Andrea Wieser)