Letztes Update am Di, 10.07.2018 12:20

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Swarovski Kristallwelten

Ein kreativer Kopf mit vielen bunten Hüten

Blumenkronen, opulente Shows und mystische Welten: Der britische Set-Designer Simon Costin ist ein Meister der dramatischen Inszenierung. In Wattens zeigt er jetzt die ganze Bandbreite seiner Kunst.

© Rudy De MoorFotogen: In den Kristallwelten inszenierte Simon Costin Blütentürme als Hüte.



Von Andrea Wieser

Eine Blume im Revers zu tragen, ist ein gewohnter Brauch. Simon Costin ist das zu wenig, er gönnt sich lieber einen ganzen Strauß. Als wäre der britische Künstler eins geworden mit seiner Arbeit, die er gerade für die Swarovski Kristallwelten in Wattens realisierte. Der 55-jährige Set-Designer, der schon Inszenierungen für Hermès, Gucci, Bulgari oder Philipp Plein gestaltete, hat für das Sommerprogramm den Garten und den Riesen mit opulenten Blumenwelten bespielt. Neben der offensichtlichen floralen Schönheit ist die Symbolik sein Thema. „Jede Kultur dieser Welt nutzt Blumen, oft mit sehr ähnlichen Zuschreibungen“, meint der Brite. Darüber hinaus sei der kunsthis­torische Kontext spannend. Die niederländischen Stillleben-Malereien waren eine seiner geis­tigen Quellen, das Kunsthistorische Museum in Wien der Ort, den er dafür oft aufsuchte.

Große Bühnen für die Mode

Beruflich lässt sich Costin schwer fassen. „Ich bin ein kreativer Kopf, dem viele Hüte passen“, sagt er über sich. Da sind einerseits die Set-Designs für Modemagazine wie die Vogue, die Arbeit als Künstler – seine Schmuckstücke finden sich im Metropolitan Museum in New York ebenso wie im Institute of Contemporary Art in London. Und da sind die Shows. Seine Fähigkeit, Räume in theatrale Ereignisse zu verwandeln, konnte er schon früh zum Besten geben. Designer Alexander McQueen engagierte ihn, als er Theaterdesign und Kunst­geschichte an der School of Art in Wimbledon studierte, direkt von der Uni weg. Es war Costins erster Schritt in die schillernde Modewelt. „Er war bei all seinem Talent ein sehr bescheidener, demütiger Mensch“, erinnert sich der Set-Designer an McQueen, der 2010 starb.

Costin ist viel unterwegs. Vor seiner Präsentation in Wattens war er gerade in New York, um dort für Tiffany die neue Kollektion zu präsentieren und kurzerhand die Fifth Avenue abzusperren. Er lächelt bei dem Gedanken an den Tumult, den er damit auslöste. Inspirationsquelle ist ihm neben der Schönheit der Natur gerne die Mythologie, die Märchenwelt und die Magie. „Ich bin fasziniert von diesen Welten, von der Grenze zwischen Realität und Jenseits, wenn man einen Hauch des Göttlichen spürt.“

Zwischen Mystik und Glück

Mythologie ist auch sein Thema für ein zukünftiges Projekt. Er arbeitet gerade an einer Ausstellung über Isobel Gowdie, eine Schottin, die im 17. Jahrhundert als bekennende Hexe berühmt wurde. Auf das sonnige Gemüt von Simon Costin scheint das Studium der dunkleren Tage der Menschheit keinen negativen Einfluss zu haben. „Ich habe mir eine kindliche Seele bewahrt und liebe es, immer wieder aufs Neue zu staunen“, meint Costin. Dass es in seinem Fall besonders viel zu bewahren gab, hat er sogar schriftlich. In seinem Zeugnis als zehnjähriger Schüler stand über seinen Gemütszustand, er sei ein „schonungslos fröhliches Kind“.