Letztes Update am Mi, 25.07.2018 12:17

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Lifestyle

Angelina Kirsch: „Ich ziehe nicht den Bauch ein“

Model, Moderatorin, Körperaktivistin: Angelina Kirsch hat uns verraten, warum sie sogar ihren kleinen Kartoffel-Zeh liebt und welches falsche Frauenbild sie auf die Palme bringt.

© FRANK ZAURITZCurvy-Model Angelina Kirsch.



Von Kathrin Siller

Angelina Kirsch ist das curvy Model der Stunde. Die Deutsche mit den Maßen 105-76-113 ist aber nicht nur bildhübsch, sondern hat auch einen Bachelor in Musik- und Sprachwissenschaften und arbeitet als Moderatorin: Die RTL-II-Castingshow „Curvy Supermodel“ startete eben in die dritte Staffel. Soeben ist ihr neuer Ratgeber erschienen.

Frau Kirsch, eigentlich wollten Sie ja gar nie Model werden. Sie wurden im Urlaub entdeckt ...

Ja, 2012 saß ich nach einem klassischen Sightseeing-Tag in einem Eiscafé in Rom, als mich ein deutscher Modelagent ansprach. Ich habe sofort abgelehnt, weil ich dachte: Die wollen nur, dass ich abnehme. Wir haben aber Kontakte ausgetauscht. Ein halbes Jahr lang schrieb er mir und ich bin dann nur in die Agentur gegangen, um persönlich abzusagen. Er hat aber gemeint, er wolle mich als curvy Model unter Vertrag nehmen.

Model mit Message

Angelina Kirsch (1988 in Neumünster geboren) ist 2012 als Model durchgestartet. Sie modelt etwa für Adler, Ulla Popken, C&A und Lovcosmetics. In ihrem Buch „Rock your curves“ (Verlag GU, 160 S., 17,50 €) möchte sie kurvigen Frauen zu mehr Modemut und Selbstwertgefühl verhelfen.

Sie schrieben zu dieser Zeit gerade an Ihrer Bachelorarbeit. Was würden Sie heute wohl arbeiten, wäre der Agent nicht so hartnäckig geblieben?

Ich habe damals überlegt, ob ich ins Ausland gehen oder einen Master machen soll. Da ich mehr Zeit hatte, habe ich erst einmal jeden Tag gemodelt und meine Bachelorarbeit im Hotel fertig geschrieben. Was ich heute tun würde? Ich mag es, mit Menschen in Kontakt zu sein. Ich habe früher mal als Verkäuferin gejobbt, das lag mir. Vielleicht wäre ich heute Verkaufs- oder Motivationstrainerin.

Haben Sie es irgendwann als Problem empfunden, etwas kurviger zu sein?

Nein. Aber ich muss sechs oder sieben gewesen sein, als meine Oma zum ersten Mal meinte, meine Zwillingsschwester und ich wären zu dick. Das war erschütternd. Meine Eltern haben mir zum Glück geholfen. Meine Mutter sagte: „Seid dankbar für euren gesunden Körper und gut zu ihm.“ Mein Vater hat uns immer versichert, dass wir mehr seien als eine Hülle und dass wir uns über etwas ganz anderes definieren können. Mein Job gab mir dann noch mehr Selbstbewusstsein. Ich habe für mich jedesfalls festgestellt, dass ich tun kann, was ich will: Mein Körper verändert sich nicht.

Müssen Sie als kurviges Model auch auf Ihre Figur achten?

Ich muss natürlich meine Maße halten. Deswegen mache ich meine Standardübungen, ich liebe Yoga, gehe zum Tanztraining und bin sehr aktiv im Alltag. Ich habe ein gutes Gefühl dafür, was mein Körper braucht, aber es gibt auch Wochen, in denen ich gar keinen Sport mache, oder Tage, an denen ich nur Süßes esse. Ohne Scho-kolade könnte ich nicht leben.

Bei der RTL-Tanzshow „Let’s Dance“ sind Sie 2017 Dritte geworden. Tanzen Sie immer noch?

Leidenschaftlich! Als die Show vorbei war, war das fast wie Liebeskummer. Wir haben ja täglich trainiert und ich habe richtig Blut geleckt. Mit meinem Tanzpartner mache ich jetzt Showtanz, wir hatten gerade wieder einen Tango-Auftritt in Hamburg.

Was finden Sie schön an sich?

Eigentlich alles, vor allem meine Sanduhr-Silhouette, also die schmale Taille und den großen Po. Ich liebe sogar meinen kleinen Zeh, der aussieht wie ein Kartöffelchen.

Auf Ihrer Instagram-Seite bezeichnen Sie sich auch als Body-Aktivistin. Was bedeutet dieser Begriff für Sie?

Es nervt mich, dass kurvige Frauen entweder als laszive Lustweiber dargestellt werden oder in schwarzen Walla-Walla-Gewändern stecken. Erst langsam bekommen kurvige Frauen jene Lobby, die sie sich verdient haben. Ich ziehe nicht den Bauch ein oder lasse die Cellulite wegretuschieren. Ich genieße das Leben ohne Perfektionswahnmühle. Deswegen schreiben mir viele Frauen, dass sie sich durch mein Vorbild endlich „offiziell schön fühlen dürfen“. Viele fragen mich auch, wo ich mein Selbstwertgefühl herkriege. Das war auch der Grund, warum ich das Buch geschrieben habe.

Ihrer Sendung „Curvy Supermodel“ wird unter anderem vorgeworfen, Übergewicht zu verherrlichen. Ist da was dran?

Die Gefahr an Medien, ist, dass Dinge schnell extrem werden. Man sollte weder die ganz dünnen Models noch die Plas­tikpuppen oder übergewichtige Models wie Tess Holiday unkommentiert lassen.

Wir zeigen in unserer Sendung aber keine ungesunden Körper, sondern Figuren, die den Durchschnittsfiguren der meisten Frauen entsprechen.

Wie sieht denn eigentlich Ihr perfekter Urlaub aus?

Strand, Sonne, Palmen, ein gutes Buch und meine ganze Familie um mich. Mal sehen, ob wir es in diesem Jahr noch schaffen.