Letztes Update am Mo, 06.08.2018 12:22

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Lifestyle

Brusthaare: Zum Kraulen oder doch zum Grausen

Der Mann, der jedem Styling-Trend folgt, muss eine Etage tiefer nachjustieren. Nach dem Bart feiert heuer das Brusthaar ein Comeback. Die interne Blitzumfrage zeigt: Frauen hassen oder lieben es.

© istockSommer 2018, das Brusthaar ist zurück.



Von Matthias Christler

Muss das wirklich sein?“, fragt eine junge Kollegin bei der Themenbesprechung für dieses Magazin. Ja, Brusthaare sind eben diesen Sommer wieder in Mode gekommen. Eine zweite verdreht die Augen, so als erinnere sie sich gerade an eine Begegnung der haarigen Art. Vielleicht an die versehentliche Berührung im voll besetzen Freibad – Haut an Haut mit einem Bär von einem Mann. Wäre es Bradley Cooper gewesen, der von der Zeitschrift GQ als Mann mit dem aktuell schönsten Brusthaar gekürt wurde, hätte sie womöglich eine andere Meinung zu dem Thema.

Ok, dann schreibt die Geschichte eben der Mann in der Runde. Von einer stylischen 80er-Jahre-Vollbehaarung wie bei „Magnum“ Tom Selleck ist man zwar weit entfernt, aber die Brust hat schon viele Phasen durchgemacht. Mit 20 Jahren sprießen sie. Um die 30 geht es richtig los und es werden verschiedene Rasur-Methoden getestet. Und jetzt (aber bitteschön, bevor Styling-Experten das Comeback ausrufen) lässt man es wieder wachsen. Aber eher aus Bequemlichkeit.

Vom Hipster zum Hippie

Erst diese aalglatte David-Beckham-Phase, dann der geschniegelte Cristiano-Ronaldo-Look, wie anstrengend. Dagegen rebellierten die Hipster und ihnen springen nun die Hippie-Typen bei. Blumen-Ästhetik der 70er hier, Brusthaar dort. Nur gut, dass Männer, wenn sich ihre Frauen und Freundinnen vor Grausen abwenden, auf tiefsinnige Rückenhilfe vertrauen können. Die deutsche Psychologin Ada Borkenhagen gibt interessante Gründe an, warum nicht mehr so oft rasiert wird. In einer auf Hochglanz polierten Welt voller Touchscreens würden sich viele wieder nach dem Rauen und Ungeschliffenen sehnen. Und wenig ist an einem Mann rauer als eine unrasierte Brust.

Doch das ist nicht die ganze haarige Wahrheit. Holzfäller-Style ja, aber bitte mit Pflege. Experten empfehlen, die Brustwarzen sowie die Schultern freizuhalten und die Haare nicht länger als zwei Zentimeter wachsen zu lassen. Vor allem kommt es darauf an, wie man sich und den Magnum-Style präsentiert. Der Tiroler Mode-Experte Günter Vettori gibt einige Tipps (siehe unten) und sagt, was gar nicht geht: zum Beispiel weiße Ruderleibchen. „Ärmellos ist ein No-Go!“

Schon ein neuer Trend?

Nun noch zu Teil drei der Blitzumfrage. Eine andere Kollegin schaut, während diese Geschichte entsteht, auf den Bildschirm, sieht das Model links auf der Seite und schaut ihm tief in die Brusthaare. Ja, das gefalle ihr. „Ich finde es sogar am Rücken schön“, gibt sie zu.

Und schon hätten wir den Sommertrend 2019. Mann trägt dann mit Stolz Rückenhaar. Liebe Kolleginnen, wer will bald diese Geschichte schreiben?

So wird das Brusthaar richtig präsentiert

Günter Vettori, Inhaber einer Mode-Boutiqe in der Haller Altstadt (und selbst Brusthaar-Träger), erklärt, wie Männer sich und ihre haarige Pracht stolz und nicht zu prollig herzeigen.

1. Das Wichtigste: Nicht zu jedem Typ passt das offen getragene Brusthaar. „Bei Männern mit sehr heller Haut ist es schwierig. Bei einem eher dunkleren Typen mit dunklen Haaren oder bei gut gebräunter Haut schaut Brusthaar besser aus“, sagt Vettori. Mit der richtigen Kleidung könne der Mann so etwas Verruchtes ausstrahlen.

2. Gut verpackt sieht auch dichtes Brusthaar gut aus: Aber Achtung, „wenn zu viel Brusthaar bei einem weiten Ausschnitt unmotiviert herausschaut, ist das ein No-Go“, warnt Vettori. Wer kennt sie nicht, die weißen Ruderleibchen? Das allein wirkt bei manchen Trägern schon unvorteilhaft, in Verbindung mit Haaren an allen möglichen und unmöglichen Stellen kann es auch billig aussehen. Nichts falsch könne man bei geöffneten Knopfleisten-Shirts machen. „Dann sieht das dezent und trotzdem cool aus.“

3. Kontraste können den Look entscheidend prägen. Schön geschniegelt und locker-lässig schließen sich inzwischen nicht mehr aus. „Ein schöner Schuh, dazu eine ausgewaschene Jeans oder eine ausgefallenere Stoffhose, ein sauberes Hemd, bei dem man oben das Brusthaar präsentiert. Das sieht lässig aus“, ist sich Günter Vettori sicher. Er selbst trägt übrigens Brusthaar, wie er verrät. Er kenne aber auch Kollegen, die immer noch aufs Rasieren schwören. Die Kunden würden aber immer öfters danach fragen und dem Trend des Sommers folgen. Und was hält Vettoris Frau von seiner haarigen Pracht: „Sie liebt es“, lacht er.




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