Letztes Update am Fr, 10.08.2018 14:14

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mode

Michalsky: „Neugierde war schon immer mein Antrieb“

Als Modeschöpfer ist Michael Michalsky etabliert. Als Juror ist er in Heidi Klums Model-Casting-Show Teil des Teams. Jetzt hat er als Stil-Papst seine Gedanken zu Papier gebracht.

© MichalskyMichalsky hat das Buch "Lass uns über Style reden" veröffentlicht.



Herr Michalsky, Sie machen Mode, designen Möbel und kreieren Parfums. Wie kamen Sie auf die Idee, jetzt noch ein Buch zu schreiben?

Ein Design-Professor kam auf einem Event auf mich zu und meinte: „Herr Michalsky, Sie designen die unterschiedlichsten Produkte, aber Ihre Design-Sprache ist in jedem einzelnen Produkt klar zu erkennen. Sie haben Ihren Stil gefunden. Sie sollten ein Buch darüber schreiben.“ Vorher hatte ich mir dazu keine Gedanken gemacht. Am nächs­ten Tag habe ich mich direkt an den Schreibtisch gesetzt und meine ers­ten Ideen zum Thema skizziert.

Stil hat man oder nicht, heißt es. Stimmen Sie dem zu?

Stil ist eine Haltung, eine Einstellung, die sich mit allen Bereichen des Lebens beschäftigt. Solange man seine eigene Haltung hinterfragt und kritisch bleibt, kann man sich einiges antrainieren. Gute Umgangsformen kann man lernen. Genauso verhält es sich mit Kunst und Kultur. Meine These lautet: Wenn alle ein wenig stylisher wären, würde es auf der Welt netter zugehen.

Was ist guter Stil?

Guter Stil bedeutet neugierig, tolerant und authentisch zu sein. Welche Kleidung wir tragen, ist zwar eine wichtige Ausdrucksform, aber nur ein kleiner Teilaspekt von Style.

Michalsky (l.) ist bei "Germany’s Next Topmodel" neben Heidi Klum und Thomas Hayo in der Jury Mitglied.
- ProSieben

Was ist kein guter Stil?

Schlechte Umgangsformen, Intoleranz und Engstirnigkeit.

Wie haben Sie Ihren eigenen Stil gefunden?

Neugierde war schon immer mein Antrieb. Ich habe mich konstant ausprobiert und somit meinen eigenen Stil gefunden. Es hat auch geholfen, dass ich liberale Eltern hatte, die mich in allem unterstützt und bestärkt haben.

Als Kind wuchsen Sie in der norddeutschen Provinz auf. Haben Sie sich dort verstanden gefühlt?

Nein. In meinem Umfeld gab es keine Stylingvorbilder. Ich habe praktisch voll und ganz in der Fantasiewelt der Magazine gelebt. Ich fand aber damals schon, dass Anders das neue Normal ist. Ich wollte auffallen und provozieren. Wenn da komische Blicke kamen, hat mich das bestärkt. Ich wusste ja, dass die­se Leute in zwei Jahren das Gleiche tragen werden.

Es wird derzeit viel über die Stadtflucht diskutiert, also darüber, dass Menschen aus den Metropolen wieder zurück aufs Land gehen. Sie sind in Berlin zu Hause. Für immer?

Das klingt ja fast so, als würde ich morgen sterben (lacht). Ich bin da zu Hause, wo ich emotionale Bindungen habe. Das kann Berlin, London oder LA sein.

Was sagen Sie jungen Menschen, die noch ihren Stil suchen?

Bleibt neugierig und mutig!

Zur Person:

Michalsky wuchs in Norddeutschland in dem kleinen Dorf Rümpel auf. Seine Ausbildung absolvierte er am London College of Fashion.

Seine ersten beruflichen Erfolge feierte er bei Adidas, wo er mitverantwortlich für den Imagewandel hin zur Lifestylemarke war.

Michalsky hat sein eigenes Mode-Label, er organisiert die StyleNite bei der Berliner Fashion Week, ist als TV-Juror (ProSieben) bekannt und hat das Buch „Lass uns über Style reden“ (Edel Books, 219 Seiten) veröffentlicht.

In der TV-Sendung „Germany’s Next Topmodel“ sind Sie als Juror mit dabei. Können Sie sich dort mit Ihrer Idee von Stil durchsetzen?

Bei einem guten Model geht es nicht nur ums Aussehen. Es geht vielmehr darum, wie das Model sich verkauft, welche Attitude sie oder er an den Tag legt. Erst dann kann man Designer, Fotografen und Kunden von sich überzeugen. In meinem Team „Diversity“ gab es kaum Zickereien. Eine positive Attitude ist mir wichtig.

Die TV-Show wird immer wieder für das Fördern von falschen, ungesunden Schönheitsidealen kritisiert. Was halten Sie solchen Argumenten entgegen?

Für meine eigenen Fashion Shows caste ich seit Jahren die unterschiedlichsten Models. Mario Galla, der mit einem verkürzten Bein geboren wurde, ist für mich gelaufen. Oder auch die Schauspielerin Evelin Hall, die erst mit weit über 60 ihre Karriere bei mir begonnen hat. Für mich kommt Schönheit in unterschiedlichen Nuancen. Ich glaube, dass ich diese Sicht mit in die TV-Show gebracht habe und dazu beitragen konnte, dass man Models mit anderen Augen sieht.

Sie kommentieren als Mode-Experte seit 2016 die Oscar-TV-Übertragung auf ProSieben. Wie stilvoll, finden Sie, ist die Veranstaltung?

Ich finde die Oscars toll. Die gesamte Welt versammelt sich vor dem Fernseher und schaut den Stars zu. Manche behaupten ja, dass es bei den Oscars um Filme geht. Es sind aber die Designer-Roben, die die meiste Aufmerksamkeit bekommen. Mir gefällt das natürlich.

Was kommt für Sie als Nächstes? Oder anders gefragt: Was haben Sie bisher noch nicht gemacht, steht aber noch auf Ihrer Liste?

Mein Traum ist es, ein eigenes Michalsky-Kaufhaus zu eröffnen. Dafür fehlen mir aber derzeit noch einige Produkte. Eine Kollektion für Kinder fände ich zum Beispiel sehr spannend. Im Herbst erscheint dann aber erst mal mein neues Parfum – mehr verrate ich aber nicht.

Das Interview führte Andrea Wieser




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