Letztes Update am Mo, 08.10.2018 12:17

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Lifestyle

Jetzt trägt auch Mann Rouge und Puder auf

Mit Chanel wagt sich ein weiterer großer Konzern an ein lange verpöntes Thema: eine eigene Make-up-Linie für Männer. Tipps von einer Tiroler Visagistin und worum es bei Männer-Schminke geht.

© iStock(Symbolfoto)



Von Philipp Schwartze

David Bowie, Michael Jackson, David Beckham – es gab in der Vergangenheit immer wieder Berühmheiten, die sich durch Schminke und Make-up hervortaten, ihren Star-Status unterstrichen. Heute ist Männer-Make-up zumindest im Internet auch in der breiten Masse angekommen – auf vielen Blogs und in Tutorial-Videos werden Tipps für „die perfekte Schminke für echte Männer“ preisgegeben – auch wenn Concealer, Bronzer oder Mascara für viele Männer noch große Unbekannte sein dürften.

Chanel wagt jetzt den nächsten Schritt und geht mit „Boy de Chanel“, einer eigenen Make-up-Linie für Männer, auf den Markt. Nicht länger müssen die auf die Produkte für Frauen zurückgreifen. Zuvor hatte als einer der Ersten bereits Tom Ford eine eigene Männerlinie vermarktet.

Ein vielversprechender Markt scheint gefunden. „Ich glaube, dass diese Marktlücke mit Männer-Make-up großes Potenzial hat“, sagt Anna Unterkircher, Visagistin und Fachverkäuferin aus der Parfümerie Weigand in Innsbruck. Immer mehr Männer würden aufs Äußere schauen und sich mit guten Produkten pflegen wollen. Und das nicht länger nur im Theater oder im Fernsehen. „Noch wird das Make-up für Männer aber schüchtern angenommen“, glaubt Unterkicher.

Mann in Make-up-Werbung

Für Aufsehen sorgte 2016 Gary „The Plastic Boy“, ein britischer Fashion-Blogger und Make-up-Artist. Er wurde zum ersten Mann, der in einer Make-up-Werbung von L’Oreal zu sehen war.

Sollen jetzt auch Männer mit Rouge, Gesichtspuder, Kajal und betonten Augenbrauen durch die Straßen gehen, fragen sich viele Kritiker im Internet. Doch beim neuen Männer-Make-up soll es nicht um bunte Schminke gehen, sondern um das Vertuschen von Augenringen oder Hautunreinheiten, um ein frisches Gesicht und dennoch Männlichkeit zu zeigen. „Wichtig finde ich, dass es bei einem Mann sehr sparsam aufgetragen wird“, meint etwa Unterkicher. Sie plädiert für wenige Produkte, ganz nach dem Motto „weniger ist mehr“. Zu viel Concealer – für all jene, die es noch nicht wissen, eine Art Abdeckstift – sowie Make-up wirke sehr unnatürlich. Leichtes Kaschieren statt übertriebene Maskerade.

Den Ansatz, dass Männer-Make-up nicht zwingend etwas mit Metrosexualität oder Dragqueens zu tun hat, vertritt auch US-Mode-Guru Tom Ford. Bereits 2013 bekannte er sich – natürlich auch aus Marketinggründen – dazu, Gesichtspflege-Produkte und Bronzer aufzutragen und trotzdem maskulin auszusehen. „Ich kenne so viele Männer – schwul, hetero, oder was auch immer –, die Concealer von Frauen stehlen und einen kleinen Finger nehmen, wenn niemand hinsieht“, sagte er damals einer britischen Zeitung.

Doch zurück ins Hier und Jetzt und zu den Männern zuhause vor ihrem Badezimmerspiegel. „Egal, ob nachgezogene Augenbrauen mit einem transparenten Styling-Gel, ein gut geschnittener Bart oder abgedeckte Augenringe, Männern wollen auch im privaten Leben gut aussehen. Die Männerpflege kommt immer mehr auf den Markt und wird gut angenommen“, sagt Unterkircher. Richtiges Aftershave, gute Augenpflege und ausgleichende Produkte für das Make-up sollten dabei auf keinen Fall fehlen, ergänzt durch einen Pinsel oder Schwämmchen. „Man braucht das richtige Werkzeug, damit man es noch präziser auftragen kann“, erklärt Unterkircher.

Häufige Fehler bei der Farbwahl

Besonders häufige Fehler: „Zu viele Produkte aufgetragen oder falsche Farbauswahl, also zu hell oder zu dunkel“, berichtet die Tiroler Visagistin. Wichtig sei es besonders bei Männern, den natürlich wirkenden Farbton zu finden. „Deshalb immer in einem Fachgeschäft auf der Haut direkt ausprobieren, damit kann man häufige Farb-Falschkäufe verhindern.“

Kritiker des Männer-Make-ups gibt es im Netz natürlich auch. Am Ende ist das Fazit aber simpel: Über Geschmack lässt sich streiten, wichtig ist das eigene Wohlbefinden. Und es ist ein neues Angebot, kein Zwang.




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