Letztes Update am So, 28.10.2018 07:44

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Lifestyle

Aufstieg für den Tiroler Rucksack

Nachhaltig geht es zu, wenn in Tirol der Rucksack neu erfunden wird. Vier zeitgenössische Interpretationen – von Lkw-Planen bis zu Lodenstoffen – werden zu einem unsterblichen Gepäckstück.

© Aus Lkw-Planen besteht "Akoni" (159 Euro) von Verena Bellutti.



Wer weiß, was ein „Schnårfer“ ist? Na? Richtig! Ein Rucksack. Man muss aber nicht Tirolerisch sprechen, um den Rucksack von Sylvia Dingsleder aus Imst als solchen zu erkennen. Zumindest auf den ersten Blick kommt er klassisch daher. Innen ist er jedoch ein modernes Stauraumwunder mit Laptopfach, Notsignalpfeife und Geheimfach. Die Idee hat auf der heurigen Herbstmesse so sehr überzeugt, dass der „Schnårfer“ mit dem Modedesign-Preis ausgezeichnet wurde. Ein Erlebnis, das Dingsleder gut in Erinnerung hat: „Der Rucksack hat lange in meinem Bauch geschlummert. Wenn ich daran denke, dass ich dafür jetzt den Preis gewonne habe, bekomme ich immer noch Gänsehaut.“ Die Materialien, die Dingsleder verarbeitet, stammen, wie zum Beispiel der Tiroler Lodenstoff, alle aus der Region. Ausnahme macht der Kork aus Portugal. Durch sein schnelles Nachwachsen gilt die Korkeiche aber als extrem nachhaltig.

Einen anderen Weg geht Verena Bellutti. Die Innsbruckerin hat es sich mit ihrem Upcycling-Projekt zur Aufgabe gemacht, Lkw-Planen neues Leben einzuhauchen. Das Material stammt teils aus dem familieneigenen Betrieb, teils wird angekauft. „Wir achten sehr darauf, dass es von europäischen Märkten kommt“, sagt Bellutti. Mit ihren Designs erlebt so jede Plane eine Renaissance. Eine Idee, mit der ursprünglich die Schweizer Freitag-Brüder weltberühmt wurden und die international viele Nachahmer fand. Es gibt eben noch viele Planen auf dieser Welt zu verarbeiten.

Einen komplett neuen Stoff ungewöhnlicher Herkunft hat man bei Qwstion, dem Schweizer Taschenhersteller, der seinen Sitz in Seefeld in Tirol hat, mit Bananatex erfunden. Es ist weltweit das erste technische Gewebe aus Fasern der Bananenpflanze, welche im philippinischen Hochland biologisch kultiviert wird. Drei Jahre hat das Unternehmen in Forschung und Tests investiert, um ein nachhaltiges Material zu schaffen. „Die große Herausforderung war, ein widerstandsfähiges und biologisch abbaubares Material zu entwickeln“, meint dazu Marketing-Leiterin Sonja Mayrhofer. Die Material-Idee wird übrigens als Open-Source-Projekt gesehen, also als ein Konzept, das auch andere Unternehmen nutzen dürfen und sollen.

Ausnahmslos Unikate bietet Mirjam Samweber an. Die Innsbruckerin schneidert in ihrem Ein-Frau-Unternehmen Glüxwerk Einzelstücke, die unvergleichlich sind. Ihr „Ranzen 1.0“ wird mit echten Kletterseilen zugeschnürt, das Leder kommt aus dem bayerischen Raum. Nachhaltig ist bei Samweber die komplette Produktionskette und sogar die Lieferung, denn „jede Taschenlieferung in Innsbruck wird mit dem Fahrrad gemacht“. (Andrea Wieser)