Letztes Update am Sa, 24.11.2018 11:11

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Lifestyle

Harald Glööckler: „Ich liebe Prunk und Schnörkel“

Der Modeschöpfer Harald Glööckler hat sich vor wenigen Jahren dazu entschieden, Berlin für immer den Rücken zu kehren. Nun lebt der „Prince of Pompöös“ im pfälzischen Kirchheim an der Weinstraße. Die TT hat ihn in seinem märchenhaften Anwesen, dem „Chateau Pompöös“, besucht.

© TamerlSo lebt der deutsche Mode-Zar Harald Glööckler.
Das Ölgemälde in seinem Wohnzimmer zeigt ihn als
barocken Fürsten.



Von Gerlinde Tamerl

Ein Herbsttag im pfälzischen Kirchheim an der Weinstraße. Die Landschaft erinnert in ihrer Lieblichkeit an die Toskana. Der kleine Ort Kirchheim liegt im größten Weinanbaugebiet Deutschlands, unweit der Finanzmetropole Frankfurt am Main. Hier wohnt Modeschöpfer Harald Glööckler in seinem „Chateau Pompöös“. Es fühlt sich an, als würde man an der Pforte zum Paradies stehen. Das Gartentor von Harald Glööckler ist mindes­tens genauso fest verschlossen. Eine meterhohe Hainbuchenhecke umgibt sein Grundstück. Dadurch ist es schier unmöglich, einen Blick auf das Anwesen zu erhaschen.

Auf der Dorfstraße ist kein Mensch zu sehen. Nun heißt es geduldig zu warten, denn der TT wurde heute Einlass in dieses Paradies versprochen. Und tatsächlich. Das Gartentor öffnet sich. Anstatt vom Himmelspförtner werden wir von Harald Glööckler höchstpersönlich empfangen. Er wirkt zierlich, sein schwarzes Outfit sitzt perfekt. Der 53-Jährige trägt sehr große Ringe an beinahe allen Fingern, die langen Fingernägel sind schwarz lackiert. Er grüßt zurückhaltend. Wie ein Prinz aus einem Märchen heißt er uns mit einer verneigenden Geste willkommen.

Der Blick vom Garten auf das "Chateau Pompöös".
- Tamerl

Herr Glööckler, warum haben Sie sich dazu entschieden, von Berlin hierher aufs Land zu ziehen?

Harald Glööckler: Ich habe fünfzehn Jahre lang in Berlin gelebt. Das war sehr schön, aber meine Seele hat mehr Natur gebraucht. In Berlin konnte ich nie das Haus verlassen, ohne fotografiert zu werden. Ich war praktisch Tag und Nacht von Menschen umgeben. Wissen Sie, ich bin eigentlich ein sehr scheuer Mensch und habe gerne meine Ruhe. Gleichzeitig ist es natürlich Teil meines Deals, dass ich mich der Öffentlichkeit zeige. Ich bin nach wie vor viel unterwegs, aber hier kann ich mich erholen, an meinen Büchern schreiben und durchatmen. Das tut mir gut.

Ihr Garten ist aufwändig gestaltet. Überall stehen Statuen. Ihre Buchshecken sind so akkurat geschnitten, als hätte sie „Edward mit den Scherenhänden“ zurechtgestutzt.

Glööckler: Ja, ich habe mir hier eine kunstvolle Wohlfühloase geschaffen. Die Gartengestaltung war mir dabei wichtig. Ich mag das Barocke. In dieser Epoche gab es auch prächtige Gärten.

Das Porzellan im Esszimmer hat Harald Glööckler selbst entworfen.
- Tamerl

Ihr Haus sieht aus, als wäre Dornröschen genau hier in seinen hundertjährigen Schlaf gesunken.

Glööckler: Ich habe diese zauberhafte Immobilie zufällig entdeckt. Mein Lebensgefährte und ich, wir wollten das Gebäude zunächst als Ferienhaus nutzen. Dann haben wir uns aber so sehr in dieses Haus verliebt, dass wir uns dazu entschieden haben, gleich ganz hierherzuziehen.

Sandelholz, Vanille und Maiglöckchen? Ein betörender Duft steigt einem in die Nase, wenn man das Haus von Harald Glööckler betritt. Der üppige Blumenschmuck fällt sofort ins Auge. Eine beträchtliche Zahl von Kunstgegenständen zieren sein kleines Wohnschlösschen. Darunter befinden sich viele Gemälde, die Glööckler selbst gemalt hat. Beim Spaziergang durch seine Wohnräume entdeckt man viele Selbstporträts, nicht nur auf den Bildern, sondern auch auf dem von ihm entworfenen Porzellan im Esszimmer.

Zur Wahl der "Miss Germany 2018" gestaltete Glööckler die Siegerkrone.

- Tamerl

Warum mögen Sie denn das Üppige, das Barocke so gerne?

Glööckler: Das Barocke hat mich schon als Kind begeistert. Eine Freundin meiner Mutter wohnte in einer schönen Villa mit Antiquitäten. Sie besaß eine barocke Konsole. Darauf hing ein roter Stöckelschuh. Das hat mich total fasziniert. Ich liebe Prunk und Schnörkel. Von der Farbe Gold fühle ich mich magisch angezogen. Am Barockstil beeindrucken mich auch das handwerkliche Können und die Liebe zum Detail. Warum sollte ich mir ein modernes Haus aus nacktem Beton bauen lassen, wenn ich zum selben Preis ein barockes bekommen kann? Ich finde nämlich nicht, dass das Edle unbedingt schlicht sein muss.

Deshalb besitzen Sie ein barockes Märchenschloss.

Glööckler: Wissen Sie, ich hatte keine schöne Kindheit. Mein Vater hat meine Mutter schlecht behandelt, und darunter habe ich sehr gelitten. Mit sechs Jahren beschloss ich, mir eine schönere Welt zu kreieren, in der ich ein Modeprinz bin, der alle Frauen zu Prinzessinnen macht. Ich glaube, das ist meine Lebensaufgabe geworden. Vielleicht ist das auch der Grund, warum mich viele Frauen mögen. Ich bringe Schönheit in ihr Leben und mache ihnen mit meiner Mode Mut. Mit Mode kann man sich jeden Tag neu entdecken, immer wieder in andere Rollen schlüpfen.

Seit einigen Jahren widmet sich der Deutsche der abstrakten Malerei, er schreibt auch Bücher.
- Tamerl

Sie sind jedes Jahr am Wiener Opernball. Was fasziniert Sie an diesem Großereignis?

Glööckler: Die Wiener haben Sinn für Exzentrik und Glamour. Das gefällt mir. Als ich zum ersten Mal beim Opernball eingeladen war, habe ich mir etwas Besonderes ausgedacht. Da bin ich mit einer sechsspännigen Kutsche vorgefahren. Begleitet wurde ich von „Prinzessin von Sachsen, Herzogin zu Sachsen“. Ich habe sie als Kaiserin Sissi verkleidet.

Sie kreieren aber nicht nur Mode für Menschen.

Glööckler: Nein, ich entwerfe auch Dog Couture. Mein Hund Billy King hat mich dazu inspiriert. Aber der Hund muss Hund bleiben dürfen. Meine Kreationen sind auf die Bedürfnisse der Vierbeiner ausgerichtet.

Im Garten mit
 Hündchen Billy King.
- Tamerl

Wenn man sich hier umsieht, dann hat man den Eindruck, dass Sie ein Perfektionist sind. Wie geht es Ihnen, wenn Sie morgens in den Spiegel schauen?

Glööckler: Natürlich bin ich sehr kritisch. Das Schwierigste ist, sich selbst anzunehmen. Man sieht sich natürlich auch so, wie man sich sehen will, und wenn das Spiegelbild dann nicht dazu passt, wird es schwierig. Bis 30 ist das kein Problem, aber ab 50 hat man manchmal das Gefühl, jeden Tag sieht wer anderer aus dem Spiegel (lacht). Ich habe das aber gut hingekriegt. Ich stehe zu meinen Schönheitsoperationen. Mich schaut jeden Morgen nahezu dieselbe Person an. Das ist schon mal beruhigend (lacht).

Prince of Pompöös

Harald Glööckler, geb. 1965, ist ein deutscher Modedesigner. Er arbeitete zunächst in der Herrenabteilung eines Modehauses. 1987 eröffnete er zusammen mit seinem Lebenspartner und Manager, dem Herrenausstatter Dieter Schroth, das Modegeschäft „Jeans Garden“ in Stuttgart. Anfangs verkauften sie dort von Glööckler gestaltete Jeans und Hemden. 1990 gründeten sie das heutige Modelabel „Pompöös“. Glööckler gestaltet nicht nur Mode, sondern auch Porzellan und Interieur.

Auf der Frankfurter Buchmesse präsentierte Glööckler seinen aktuellen Fotobildband „Harald Glööckler – Myth of an Icon“ Joy Edition, 154 Seiten, 39 Euro.