Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 29.12.2018


Lifestyle

„Legen Sie Wert auf sich“

Die Imageberaterin Eva Köck-Eripek verhilft seit 30 Jahren Menschen weltweit zu Stil. Über die Schwierigkeit, alleine einzukaufen, und die Wirkung schlechter Kleidung.

Stilikone Eva Köck-Eripek.

© Foto TT / Rudy De MoorStilikone Eva Köck-Eripek.



Von Theresa Mair

Innsbruck – Eva Köck-Eripek redet nicht lange um den heißen Brei herum. Es ist ein Mittwoch gegen 17 Uhr und die großgewachsene Stil- und Imageberaterin schaut selbstbewusst und frisch nach einem langen Seminartag in Landeck für einen Zwischenstopp in Innsbruck herein. Von Müdigkeit keine Spur, legt die 50-Jährige – durchaus charmant – gleich los. Denn die ORF-Styling-Expertin – wöchentlich im „heute leben“-Magazin zu sehen – muss am Abend noch weiter nach Purkersdorf bei Wien. Warme Töne, eine Bitterschokoladenfarbe oder Dunkelblau würden der Redakteurin gut zu Gesicht stehen. Das mit der Frisur steht auf einem anderen Blatt – ein anderer Haarschnitt wird empfohlen.

Seit 30 Jahren trainiert und coacht Köck-Eripek als eine von 15 „Certified Image Masters“ weltweit Menschen, ihren Stil zu finden, und schult Imageberater rund um den Globus – vor allem in den USA. „Stil ist universell. Die Lehre der Proportionen und Farben ist überall gleich. Die Nationalitäten kombinieren nur etwas unterschiedlich“, sagt Köck-Eripek. Doch wie definiert sie Stil? Es sei der Gleichklang von allen Elementen. „Bei einer Person ist Stil, wenn die innere Persönlichkeit, der Charakter, mit dem Außen – Körpersprache, Stimme und Wirkungswunsch – übereinstimmt.“

In Zeiten wie diesen werde das immer wichtiger. Während früher die verbale Kommunikation noch einen wichtigeren Stellenwert hatte, laufe jetzt fast alles über die Augen. Bevor man jemanden trifft, googelt man, wie derjenige aussieht. „Heute fragt man sich: ,Wie verkaufe ich mich visuell?‘ Da kommen wir leider alle nicht aus. Vor 20, 30 Jahren war das noch nicht so.“ Sich selbst zu optimieren, immer noch das Bessere aus sich herauszuholen, sei ein menschliches Grundbedürfnis, findet die Imageberaterin. „Wer sich nicht gefällt, ist nicht glücklich.“ In diesem Sinne könne eine Stilberatung bis zu einem gewissen Punkt einen Psychotherapeuten ersetzen.

Vor allem Frauen, egal welchen Alters, kommen in Veränderungsphasen – nach einer Trennung, Schwangerschaft oder dem Jobwechsel – zur Einzelberatung. „Es kommt auf den Wirkungswunsch an. Wenn man das Äußere verändert, zieht das Innere nach. Eine schüchterne Person, die dann Komplimente erhält, wird selbstbewusster.“

Köck-Eripek geht mit ihren Kunden einkaufen, um neue Styling-Möglichkeiten aufzuzeigen. In die Tasche komme dabei aber nur, was 100-prozentig gefällt. „Wenn jemand ,ja, aber‘ sagt, dann heißt das: hängen lassen.“ Allein im Geschäft oder bei Online-Käufen sei man jedoch oft aufgeschmissen, greife immer zum Gleichen. Geschulte Verkäuferinnen gebe es ja kaum noch.

Für junge Mädchen sei es oft schwierig, ihren Stil zu finden. „Die haben kein Vorbild mehr.“ Bei Influencern werde man nicht fündig. „Die sind so extrem überzeichnet, damit sie überhaupt jemand anschaut. Die sind teilweise furchtbar schrill gekleidet, oder so, dass es sich keiner leisten kann.“

Der Fokus sollte man selbst sein. Gewand, das die Persönlichkeit nicht unterstreicht, sondern davon ablenkt, sei ein absolutes No-Go. „Wenn ich nicht gut gelaunt bin, dann ziehe ich auffällige Schuhe an. Dann schaut mir keiner mehr ins Gesicht.“

Köck-Eripek hat ausgerechnet, dass drei Jacken, drei Röcke, drei Hosen, drei Shirts, drei Blusen und drei dünne Pullover, die alle miteinander kombinierbar sind, plus Accessoires wie Gürtel und Schals reichen, um im Büroalltag gut angezogen zu sein. Dazu kommt noch anlassbezogene Kleidung, wie Sport-Outfit und Ballkleid.

Viel hilft also nicht immer viel, wobei underdressed trotzdem schlimmer als overdressed sei. Wer sich schlecht anzieht, gebe ein schlechtes Bild von sich ab. Damit strahle man aus: 1. Ich hab’s nicht nötig (Überheblichkeit). 2. Ich will zeigen, dass ich jung/schlank/fesch bin, und gehe als Mitdreißigerin z. B. bauchfrei ins Büro. 3. Ich will provozieren. 4. Es ist mir egal, wie ich aussehe, und ich lege keinen Wert auf Bügeln, Frisur und Co. Oder 5. Ich habe keine Ahnung.

Im Bad sollte man so viel Zeit verbringen, dass man noch authentisch ist und sich sagen kann: Ich bin schön. Ein bisserl Make-up und eine gescheite Frisur mache jede Frau attraktiver. „Jeder kann etwas aus sich machen. Legen Sie Wert auf sich, sonst legt keiner Wert auf Sie.“

Buch-Tipp: „Heute schöner – Die besten Tricks und Tipps der TV-Styling-Expertin“ von Eva Köck-Eripek, 110 S., Überreuter, 12,99 Euro.