Letztes Update am Sa, 23.02.2019 11:41

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Nadja Swarovski: „Im Herzen bin ich ein Tiroler Mädel“

Schon vor vielen Jahren ist es Nadja Swarovksi gelungen, namhafte Designer für die funkelnden Swarovski-Kristalle zu begeistern. Ein Gespräch mit einer Frau, die sich beharrlich für Geschlechtergerechtigkeit und Nachhaltigkeit einsetzt.

Nadja Swarovski kooperiert seit vielen Jahren mit führenden Modedesignern.

© ImagoNadja Swarovski kooperiert seit vielen Jahren mit führenden Modedesignern.



Von Gerlinde Tamerl

Donatella Versace hat von Ihnen den Auftrag erhalten, die Tiara für den diesjährigen Wiener Opernball zu gestalten. Warum ist Ihre Wahl auf diese Designerin gefallen?

Nadja Swarovski: Donatella Versace ist eine großartige Designerin. Ich finde ihre Kreation sehr gelungen: Die mit 380 Kristallen besetzte Krone bringt die jungen Debütantinnen zum Strahlen. Außerdem greift sie die Geschichte der Wagner-Oper „Ring des Nibelungen“ auf, in der ein Sonnenstrahl die Tiefe des Rheins durchdringt, um das Gold zu enthüllen, das von den drei Rheintöchtern beschützt wird. Die Tiara vereint damit Traditionelles mit modernem Zeitgeist.

Welche künstlerischen Freiheiten hatte Donatella Versace?

Swarovski: Designer legen ihre ganze Persönlichkeit in ihre Kreationen, deshalb würden wir da nie eingreifen. Wenn es Vorgaben gibt, dann nur hinsichtlich der Produktion: Die Krone muss gut sitzen und darf nicht zu hoch sein, sonst können sich die Debütantinnen nicht drehen.

Werden Sie auch zum Opernball kommen?

Swarovski: Ja, ich schätze den Wiener Opernball sehr, und ich bin jedes Mal hingerissen, wenn ich die funkelnden Kronen auf den Köpfen der Debütantinnen sehe. Ich lebe seit über 30 Jahren nicht mehr in Öster­reich, und deshalb ist der Opernball für mich in gewisser Weise auch ein kleines Familientreffen, weil ich einige meiner Verwandten wiedersehe.

Sie arbeiten häufig mit prominenten Designern wie etwa (dem verstorbenen, Anm.)Karl Lagerfeld und Jean Paul Gaultier zusammen. Bieten Sie auch New­comern eine Plattform?

Swarovski: Ja, die Zusammenarbeit mit jungen Designern ist ein wesentlicher Aspekt unserer Modestrategie, denn sie sind es, die den Puls der Zeit einfangen. Ich habe diese Aktivitäten schon 1997 in New York begonnen. Alexander McQueen war zum Beispiel damals ein aufstrebender Designer mit einer großen Begabung. Er ist heute weltbekannt und hat gezeigt, wie fantastisch man unsere Kristalle in der Mode einsetzen kann.

Arbeiten Sie auch mit Tiroler Designern zusammen?

Swarovski: Ja, zum Beispiel mit Peter Pilotto, der ursprünglich aus Wörgl kommt. Er hat eine Schmuckkreation für Atelier Swarovski und eine Home Décor Kollektion kreiert, die im September auf den Markt kommt.

Halten Sie es für realistisch, dass Mode für die Masse künftig auch nachhaltig produziert wird?

Swarovski: Wenn der Mensch es schafft, auf den Mond zu fliegen, dann muss auch das möglich sein. (lacht) Ein gewissenloser Umgang mit der Umwelt ist inakzeptabel. Wir haben es zum Beispiel dank unserer Ingenieure geschafft, schädliche Stoffe aus den Steinen zu bringen. Das geht nicht ohne Investitionen. Modekonzerne müssen umdenken, weil ihre Kunden nachhaltige Produkte fordern.

Sogar die Bühne der Oscars wird dank der Swarovski-Kristalle funkeln. Wie kam diese Kooperation zustande?

Swarovski: Wir arbeiten schon seit zwölf Jahren mit der Academy zusammen. Direktor Seligman hat mich kürzlich wieder angerufen und gemeint: „We need some Tyrolian sparkle.“ Das ist natürlich für uns eine große Ehre.

Welche Beziehung haben Sie zu Tirol?

Swarovski: Im Herzen bin ich ein Tiroler Mädel. (lacht) Ich brauche die Natur. Ab und zu umarme ich sogar Bäume. (lacht) Mein Vater hat uns oft auf den Berg mitgenommen. Auf die Hinterhornalm etwa, da hatte er einen Blick hinunter auf die Firma. Am Wochenende durften meine Schwester und ich ihn in die Firma begleiten, um die neuen Maschinen anzuschauen. Das hat mich sehr geprägt.

Sie waren als Business-Frau viel unterwegs, haben aber auch drei Kinder. Welche Erfahrungen haben Sie als Working Mum gemacht?

Swarovski: Es war schwer. Ich erinnere mich noch gut daran, als ich meinen Sohn zum ersten Mal wegen einer Dienstreise abgeben musste. Diesen Abschiedsschmerz empfinde ich noch heute oft, obwohl meine Kinder schon viel größer sind. Mein Mann unterstützt mich aber sehr.

Wie werden Sie von Ihren Kindern wahrgenommen?

Swarovski: Meine Tochter musste kürzlich in der Schule folgende Frage beantworten: „Wer inspiriert dich am meisten?“ Sie antwortete: „Meine Mami, weil sie so hart arbeitet.“ Ich habe jetzt noch Tränen in den Augen, wenn ich an diesen Satz denke. Berufstätige Frauen haben ein anstrengendes Leben. Firmen sollten daher Familien unbedingt mehr unterstützen. Leider gibt es noch zu viel Ungerechtigkeit. Frauen müssen einfach härter arbeiten als Männer.

Welchen Rat würden Sie jungen Frauen geben?

Swarovski: Frauen dürfen sich nicht davon abhalten lassen, ihre Ideen umzusetzen, und sie müssen die Scheu ablegen, auch einmal in Konkurrenz mit anderen zu treten. Dafür brauchen sie aber ein Umfeld, das sie stärkt. Man darf nicht aufgeben und sollte dem Credo folgen: „Du bist mutiger, smarter und stärker, als du glaubst.“