Letztes Update am Mo, 02.09.2019 14:17

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Serena Williams hat keine Lust auf den strengen Kleider-Knigge

Serena Williams ist der schillerndste Star im Damentennis. Sie trägt ihre Mode mit einer gehörigen Portion Lust an der Provokation. Dass sie damit nicht jedem gefällt, nimmt sie in Kauf. Ein Match gegen die starren Dogmen des Frauseins.

2016 war sie in Neongelb auf dem Center Court der Australian Open erfolgreich.

© 2016 war sie in Neongelb auf dem Center Court der Australian Open erfolgreich.



Von Andrea Wieser

Niemand hat mehr dafür getan, die Tennis-Uniform zu modernisieren, als Serena Williams“, schreibt die Vogue. Ein Blick auf die Bildergalerie reicht, um das zu bestätigen. Diese Frau hat wenig gemeinsam mit dem Klischee einer Tennis-Dame im weißen Tennisröckchen. Serena Williams, die selbst ihre eigene Modekollektion vertreibt, mag es lieber auffälliger, wie sie gerade bei den US Open beweist.

Im Tutu setzte Serena Williams bei den US Open in New York 2018 neue Maßstäbe.
Im Tutu setzte Serena Williams bei den US Open in New York 2018 neue Maßstäbe.
- AFP

Catsuit statt Tennisrock

Mode hin oder her, die 37-Jährige US-Amerikanerin ist eine der erfolgreichsten Tennisspielerinnen aller Zeiten. Sie gewann in ihrer Karriere bisher 23 Grand-Slam-Turniere im Einzel. Gemeinsam mit ihrer Schwester Venus, ebenfalls Spitzentennisspielerin, machte sie mehrmals Gold. Die Kleidung der Williams-Schwestern steht seit Jahren unter der Ägide des Sportartiklers Nike. Aber nicht ohne Expertise von außen. Kein Geringerer als Designer Virgil Abloh, eigentlich künstlerischer Leiter bei Louis Vuitton, entwarf in Kooperation mit Nike das Tutu-Kleid, das sie vor einem Jahr bei den US Open in New York trug. Es war eine Sensation und eine von vielen guten Überraschungen, die Serena Williams modisch auf den Tennisplatz bringt. Ihre Kleidung blieb natürlich von Anfang an nicht unkommentiert. Sie würde den Sport nicht achten, hieß es früh, als sie bauchfrei mit Nieten und Nabelpiercing Turniere gewann.

or einem Jahr schlug sie in Paris im Catsuit auf.
or einem Jahr schlug sie in Paris im Catsuit auf.
- AFP

Als sie im Sommer 2018 in Paris den Center Court von Roland Garros in einem knallengen Catsuit betrat, erreichte die hitzige Debatte ihren Höhepunkt. „Wo ist der Rock?“, fragten sich Kritiker. Im Netz wurde sie aber auch vertei­digt. „Rassismus als Dresscode verkleidet“ oder „die Überwachung des Frauenkörpers muss aufhören“, hieß es da. Ex-Tennis-Star Billie Jean King meinte empört: „Williams für das zu kritisieren, was sie zur Arbeit trägt, ist wahre Respektlosigkeit.“

Kämpferin, Königin und mehr

Der eigentliche Grund fürs enge Outfit soll aber gar nicht modischer Natur gewesen sein. Seit der Geburt ihrer Tochter leide Williams an Durchblutungsstörungen, der Anzug helfe ihr dagegen, meinte sie. Dass das Kleider-Reglement in Paris nach ihrem Auftritt geändert wurde, um solche Kostümierungen in Zukunft auszuschließen, ließ sie kalt.

Sie kommentierte das lässig mit dem Statement, dass sie sich modisch sowieso nicht wiederholen wolle. Sie hielt ihr Versprechen. Heuer legte sie in Paris mit einem Outfit mit Netz-Applikationen nach. Auf der Jacke, die sie beim Einspielen trug, stand auf Französisch: „Mutter, Kämpferin, Königin, Göttin.“ Sie ist Serena Williams, sie kann das tragen.

Ihre Lust an Knallfarben zeigte sie heuer schon in Paris.
Ihre Lust an Knallfarben zeigte sie heuer schon in Paris.
- Reuters