Letztes Update am Mi, 12.02.2014 12:03

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mehr als nur Unterwäsche

Happy Birthday, Büstenhalter! Der moderne BH wird 100 Jahre alt

Ein Büstenhalter, sagen die Amerikanerinnen, ist wie ein guter Freund: Er hilft, er stützt, und er ist immer ganz nah am Herzen. Der BH wird jeden Tag von Hunderten Millionen Frauen getragen. Jetzt hat er einen runden Geburtstag.



New York – Vielleicht wäre heute alles ganz anders, wenn Mary Phelps Jacob vor 100 Jahren nicht so große Brüste gehabt hätte. Und wenn nicht 1914 der Erste Weltkrieg ausgebrochen wäre. Doch diese beiden ziemlich unterschiedlichen Faktoren trugen dazu bei, dass eine am 12. Februar 1914 zum Patent angemeldete Erfindung das ganze 20. Jahrhundert prägte und noch heute nahezu alle Frauen und Männer beschäftigt: Der moderne Büstenhalter wird an diesem Mittwoch 100 Jahre alt.

Als Mary Phelps Jacob 1891 bei New York geboren wurde, bastelten deutsche Erfinder zwar schon an „Bruststützen ohne Unterteil“. Auch erste Patente auf solche Kleidungsstücke gab es Ende des 19. Jahrhunderts in Europa und den USA. Doch viele Frauen trugen seit Jahrhunderten an einer Stelle das gleiche: Korsetts. Die sorgten für Halt und schlanke Taillen und schienen ihnen alternativlos.

Patent um 1500 Dollar verkauft

Jacob jedoch störten die Walknochen, die das Gerüst des Korsetts bildeten, weil die drückten und zudem unter dem Kleid zu sehen waren. Also schnitt die gerade 19-Jährige das Korsett einfach unter der Brust ab und versah den Rest mit ein paar Trägern, die sich seitdem nicht wesentlich verändert haben. Was Jacob vier Jahre später zum Patent anmeldete, war der moderne Büstenhalter.

Großen Erfolg hatte sie selbst nicht damit - wohl aber als Schriftstellerin und Feministin unter dem Namen Caresse Crosby. Sie verkaufte das Patent um 1500 Dollar. Dann sorgte der Krieg in Europa für einen Aufschwung des Kleidungsstückes: Weil alles knapp wurde, sollten amerikanische Frauen doch lieber sparsame Büstenhalter statt Mieder tragen, hieß es. War es Patriotismus? Oder einfach die Überzeugung, dass das neue Ding viel bequemer als die Korsetts war? Der BH setzte sich rasend schnell durch.

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Brennende BHs als Zeichen der Emanzipation

Ein halbes Jahrhundert später war für einige aus dem Symbol der Befreiung eines der Unterdrückung geworden. Feministinnen lehnten den von einer Feministin erfundenen BH ab und verbrannten ihn öffentlich. „Bei mir brauchte die Feuerwehr drei Tage fürs Löschen“, scherzte die großbusige Countrysängerin Dolly Parton.

Nicht wenige Frauen mit großen Brüsten tragen heute „Minimizer“, um einfach nicht angestarrt zu werden. Andere wiederum helfen mit „Wonderbra“ und anderen Tricks nach, um mehr vorzugaukeln, als eigentlich drin ist. Denn nach wie vor gilt ein volles Dekollete für viele als attraktiv. Wer es lieber teuer will: Eine Modekette, die fast nur vom Verkauf von Büstenhaltern lebt, bringt regelmäßig diamantbesetzte Modelle auf den Markt. Der vorerst teuerste kostet 15 Millionen Dollar, rund elf Millionen Euro. Anzahl der bisher verkauften Exemplare: Null.

Zweckentfremdete Büstenhalter

Aber für was war der BH nicht alles gut? In Kanada schmuggelten eine Mutter und ihre Tochter 59.000 Dollar in den vier Körbchen über die Grenze. In Uganda wurden Polizistinnen angehalten, Frauen an die Brüste zu greifen auf der Suche nach BH-Bomben.

Ein britisches Schlachtschiff hisste einen drei Meter großen BH, um für Brustkrebsvorsorge zu werben. Belgiens Armee bekam hingegen Ärger, weil sie den Büstenhalterzuschlag für Soldatinnen abschaffte. Fernsehstar Rudi Carrell sorgte gar für diplomatische Verwicklungen, als er Irans Ajatollah Khomeini per Filmmontage in Büstenhaltern wühlen ließ. (dpa)