Letztes Update am So, 28.08.2016 06:15

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Reise

Eggental: Jenseits von lauter Hektik

Oberhalb von Bozen, nahe am prächtigen Bergmassiv des Latemar, liegt das Eggental. Weniger prominent als der Felsgarten des Rosengarten-Massivs in den Dolomiten, gibt es hier für Familien ein kleines Stück alpines Paradies mit einer Art von Tourismus, die fast vergessen scheint.

Teil des Unesco-Welterbe Dolomiten: der Latemar-Gebirgsstock.

© Eggental TourismusTeil des Unesco-Welterbe Dolomiten: der Latemar-Gebirgsstock.



Es sind viele Kurven, die ans Ziel führen. Angekommen ist es hier auf knapp 1500 Metern spürbar kühler und damit angenehmer als unten im aufgeheizten Tal, nahe Bozen. Zusammengewürfelt auf einem kleinen Fleck prangen ein paar Hotels und mehrere Bauernhäuser unterhalb des Latemar, der schön aufgefädelt wie eine Toblerone über dem Dorf Obereggen thront. Schon unten bei der nahen Liftstation des Latemar-Gebirgsstocks, der zum Unesco-Welterbe der Dolomiten gehört, weisen mehrere Tafeln auf das „Erlebnisreich Latemarium“ hin.

Vorbei an Berggiganten zur Latemar-Hütte.
Vorbei an Berggiganten zur Latemar-Hütte.
- Eggental Tourismus

Uralte Wälder mit viel Kunst

Acht alpine Themenstrecken mit allen Schwierigkeitsgraden sind hier in den letzten Jahren entstanden. Was sportlich klingt, entpuppt sich in luftiger Höhe als familiäres Allround-Programm für alle Altersklassen mit zig Schwierigkeitsstufen. Wer mit Kindern unterwegs ist, die noch mehr im Wagerl sitzen als laufen, kommt beispielsweise auf dem „latemar.alp“ auf seine Rechnung. Auf sanften Wegen schlängelt sich hier eine Thementour durch uralte Wälder, die mit Schautafeln, Skulpturen und interaktiven Stationen zum Anfassen und Ausprobieren einladen. Viel Kunst in die Dolomitenwelt holt die Route „latemar.art“, die an Werken internationaler Künstler vorbei bis auf über 2000 Meter hinaufführt. Damit ist sie eine der am höchsten gelegenen Ausstellungsstätten der Welt, in der man mitten in der Natur Skulpturen und Installationen bewundern kann – beispielsweise vom zeitgenössischen Künstler Hidetoshi Nagasawa oder von den Holzbildhauern Thorsten Schütt aus Deutschland und Gordon Dick aus Kanada.

Zum Angreifen sind die acht Themenwege.
Zum Angreifen sind die acht Themenwege.
- Pircher

Wer im nahen Rosengarten-Massiv mit sportlichen Kindern angesichts der dort anzutreffenden Massen nicht Schlange stehen will, findet auf 2671 Metern Seehöhe Richtung Latemar-Hütte vorbei an schroffen, sich majestätisch erhebenden Berggiganten, inklusive Fernblick auf die Marmolada, eine wunderschöne, nicht minder attraktive Alternative. Angetan von so viel Schönheit und Klettererlebnis vergessen sogar Kinder müde Beine.

Verstecktes Kleinod inmitten satten Almwiesen: die Isi-Hütte.
Verstecktes Kleinod inmitten satten Almwiesen: die Isi-Hütte.
- Pircher

Ein anderer Ort, der den Namen „magisch“ verdient, befindet sich ein paar hundert Meter darunter, nämlich auf 1850 Metern, am Fuße des Schwarzhorns – das man übrigens unbedingt vorher besteigen muss. Hier steht die Isi-Hütte, die vor allem für eines steht: Ruhe und Authentizität. Wenn man irgendwo ein tiefes Gefühl zur Natur und zum Einklang mit dem Menschen verspürt, dann an diesem Ort: Inmitten von herrlichen Bergwiesen hat sich hier ein Wirtspaar niedergelassen, das sich aus tiefster Überzeugung einem unverfälschten Lebensstil und damit auch einer biologischen Küche verschrieben hat. Eine Cola sucht man hier auf der Speisekarte vergebens, dafür serviert der Kellner und Hausherr selbstgemachten Zitronen-Melissen- und Himbeersaft. Die auf Südtirols Almen obligate „Plentn“ gibt’s sowieso.

Kunst am Berg, eine Strecke mit internationalen Werken.
Kunst am Berg, eine Strecke mit internationalen Werken.
- Eggental Tourismus

Wenn man das Latemar-Wandergebiet rund um Obereggen auf einen Punkt bringen müsste, dann wäre es hier. Was sich auf der Isi-Hütte gefühlstechnisch verstärkt, begleitet einen an allen Urlaubstagen im Eggental: eine gewisse Art von Ruhe und Kraft, weit weg von einem aufgebrezelten, modernen Almen-Rausch. Es ist fast so, als befände man sich um zwanzig Jahre zurückversetzt. Alles hier scheint eine Spur langsamer, gemächlicher und natürlicher zu laufen als anderswo.

Alpines Juwel für sanften Tourismus

Vielleicht liegt es daran, dass sich das Gebiet Obereggen mit der Gemeinde Deutschnofen schon vor Jahren den „Alpine Pearls” angeschlossen hat: Das sind Urlaubsorte, die für sanften Tourismus stehen. Würden einen nicht top bestückte Biker aus der Idylle reißen, könnte man hier wirklich das ach so moderne Leben fast vergessen. Apropos Radeln: Glaubt man den Erzählungen vorbeiradelnder Menschen, soll sich auch hier das Eggental als absolutes Paradies zwischen lauschigen Waldwegen und knackigen Trails erweisen. Auch das müsste man im nächsten Urlaub ausprobieren. (Liane Pircher)

Infos zum Eggental

Anreise: Von der Ausfahrt Bozen Nord/Eggental erreicht man das Eggental mit seinen fünf Ortschaften in 20 Minuten. Informationen zur Region: www.eggental.com

Wohnen: Speziell auf Familien mit Kindern ausgerichtet ist das Familotel Obereggen der Familie Weger, wo es auch Reitmöglichkeiten für Pferdebegeisterte gibt. Informationen: www.hotel-obereggen.it