Letztes Update am Fr, 13.10.2017 08:57

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Thailand

Reise nach Bangkok: Und überall ist Bhumipol

Getrauert wird um König Bhumipol in Bangkok immer noch. Dennoch ist die Stadt aufgeweckt und voller Geschäftigkeit sowie Glückseligkeit.

© Philipp SchwartzeIn den Hallen des Blumenmarkts werden Kränze gebunden.



Unzählige Menschen schieben sich, so weit das Auge reicht, über den Teil der Straße, der mit kleinen Gitterzäunen von den rasenden Tuk-Tuks und Autos abgetrennt ist. Gruppen werden vom Menschenstrom auseinandergerissen, die Masse bewegt sich undefinierbar gleichzeitig in alle möglichen Richtungen und scheint fast nicht voranzukommen.

Nur vor den Garküchen, an denen am Straßenrand Fisch, Fleisch, Nudeln, Reis oder die scharfen Suppen verteilt werden, ordnen sich die Menschen zu Schlangen. Glücklicherweise lässt sich die Masse bereits als mittelgroß gewachsener Europäer gut überblicken. Selbst am Horizont ist noch gleich viel los.

Vor dem Wat Arun Tempel in Bangkok wird König Bhumipol gedacht.
- iStock

Es ist Abend in China Town in Bangkok, die Luft ist noch, typisch für tropische Gebiete, schwül-warm, aber es zeichnet sich bereits ab, dass ein Regenschauer kommen wird. Viele Chinesen arbeiten in Thailands Hauptstadt. China Town in Bangkok halten viele gar für schöner als die Zentren in Peking, Shanghai oder Hongkong. Es ist asiatischer und nicht so touristisch, obwohl es wohl bei jedem Bangkok-Besuch, völlig zurecht, auf dem Programm steht.

Wer hier schnell eine Straßenecke weiter will, ist chancenlos. Stop and go zu Fuß also. Stau, ob zu Fuß oder mit dem Auto, gehört zu Krung Thep, wie Bangkok bei Einheimischen offiziell heißt, dazu. „Wir brauchen 45 Minuten zum Hotel“, hatte Reiseführer Top mittags fröhlich am Flughafen gemeint. Tatsächlich kam der bei 36 Grad Außentemperatur extrem stark gekühlte Bus auf der rund 26 Kilometer langen Strecke dann doch noch in den Stau. Bereits in Sichtweise des Hotels ging gar nichts mehr, Thais auf Motorollern zwängten sich durch Lücken.

Top bringt das nicht aus der Ruhe, in gutem Deutsch parliert er über vorbeigehende Schüler in Schuluniform, die parallel verlaufende Metro vom Flughafen in die Stadt und die fast 8,3 Millionen Einwohner mit ihren mehr als acht Millionen Autos in Bangkok. Die Menschen leben hier sehr unterschiedlich – auf der einen Straßenseite stehen Häuser mit winzigen Wohnungen, auf der anderen mächtige Wolkenkratzer. „Man kann hier eine Nudelsuppe für 50 Baht (1,27 Euro) essen. Oder nebenan ein 3-Gänge-Menü für 5000 Baht (126,90 Euro). Es gibt in Bangkok alles“, sagt Top.

Gekocht wird auf der Straße

Die Einheimischen machen die eigentlich dreispurige Straße unterdessen kurzerhand zur fünfspurigen. Nach der doppelten Fahrzeit gibt es dann endlich Erfrischungshandtücher im Hotel. Mit einer Thai-Verbeugung, das bedeutet nur den Kopf nach unten zu bewegen, werden Blumenkränze überreicht, vielleicht stammen sie vom berühmten Blumenmarkt. „Wir lachen immer, wenn die Chinesen versuchen, unsere Verbeugung nachzumachen. Die können es nicht“, meint Top. „Wenn man höflich sein will, muss man eigentlich nur lächeln. Dann ist alles gut“, rät er. Als Gruß kann man sich auch an „Sawasdee krab“ für Männer und „Sawasdee ka“ für Frauen versuchen.

Das China-Gate markiert den Anfang von Bangkoks China-Town, das die "Yaowarat Road" säumt.
- Philipp Schwartze

Doch zurück zur scharfen Suppe in China Town. Genossen wird sie mit einem Singha-Bier mitten auf dem Weg vor der Garküche. Eigentlich wollte die Stadtregierung die kleinen Stände von den Straßen verbannen, verschwinden werden die Kochstellen aber nicht, meint auch Top. „Es ging darum, sie von den Hauptstraßen in die kleineren Seitenstraßen zurückzudrängen, nicht, sie komplett aufzugeben.“ Überall trifft man hier auf die preislich günstige Gelegenheit, neben der Straße eine Stärkung zu sich zu nehmen.

Gleich neben der Menschengruppe warten Tuk-Tuk-Fahrer in ihren aufgemotzten Dreirädern mit Licht und Disko-Musik auf Kundschaft. In einem Höllentempo fahren sie uns zum Königspalast, beim Blick nach hinten fühlt man sich wie in einer Verfolgungsjagd aus einem der zahlreichen Action-Filme, die auch in Bangkok spielen. Tom Cruise sitzt aber diesmal nicht im nachfolgenden Tuk-Tuk oder springt auf den Fahrersitz.

Eines der beliebtesten Fotomotive ist der Baum-Buddha neben dem Mahathat Tempel.
- Philipp Schwartze

Der Königspalast ist streng bewacht, in Thailand läuft man sofort Gefahr, bei einem unbedachten Wort wegen Majestätsbeleidigung bestraft zu werden. Der Wat Phra Kaeo besteht aus über 100 Gebäuden, ist jetzt in der Nacht verlassen.

Tagsüber aber warten die Thais zurzeit stundenlang, um ihre Trauer für ihren 2016 verstorbenen König Bhumipol an der Gedenkstätte Dusit Maha Prasat Throne Hall auszudrücken. Noch ist er nicht offiziell begraben worden, deshalb ist auch Sohn Vajiralongkorn, Rama X., noch nicht gekrönt. Erst am 29. Oktober und damit rund ein Jahr nach Bhumipols Tod findet die Bestattung am Ende einer viertägigen Zeremonie statt. „Noch ist das Krematorium in Bau“ erklärt Top.

Trauer im „Land der Tränen“

Bhumipol begegnet man in Bangkok überall, vielerorts hängen Bilder: an Häuserfassaden riesiger Wolkenkratzer, vor Tempeln oder an Mauern des Flussufers etwa. Das Antlitz von Sohn Vajiralongkorn mischt sich nur vereinzelt zwischen die Bilder seines Vaters. Bhumipol haben die Thais verehrt, wie man einen Monarchen nicht mehr verehren könnte. „Er war 70 Jahre lang unser König“, sagt Top wehmütig. Zum Nachfolger des am längsten amtierenden Staatsoberhaupts der Welt ist ihm nicht viel zu entlocken. Vajiralongkorn gilt bereits jetzt mit seinen Eskapaden als Skandal-König.

Der Bang Pa-in Palast gehört zur königlichen Sommerresidenz in Ayutthaya.
- Philipp Schwartze

Vom Königspalast geht es mit den Tuk-Tuks zu einer Mall, auf halben Weg setzt Regen ein. Es prasselt auf das Dach des kleinen Gefährts, das sich inzwischen deutlich langsamer durch das auf den Straßen stehende Wasser pflügt. Die „Asiatique Mall“ liegt direkt am Chao Phraya, dem Fluss der Könige, der sich braun durch die Stadt zieht und von Lastenkähnen mit mehreren Anhängern befahren wird. Krokodilähnliche Warane schwimmen im Wasser. „Wenn zu einem Thai jemand Schwein sagt, ist das keine Beleidigung, Waran aber schon,“ erklärt Top. Die Tiere sind giftig.

Viele Hotels, die direkt am Fluss liegen, bieten Boots-Shuttles an, manche sogar Dinner-Fahrten auf dem nächtlichen Fluss, die vom „River Ferry Pier“ in der Stadtmitte bis zum Königspalast hinausfahren.

Durch den sintflutartigen Regen flüchten sich gerade alle in die Geschäfte der Mall, um günstige Kleidung oder Buddha-Statuen zu kaufen. Liegende, stehende, kleine und große Buddhas gibt es hier aus allen Materialien. Der wohl meistfotografierte Buddha ist aus einem Baumstamm geschnitzt. Er steht neben dem Mahathat Tempel, eineinhalb Stunden fährt man dafür von Bangkok aus nach Norden. Bis nach Ayutthaya, die Stadt der Sommerresidenz der Könige.

Dieser gigantische Buddha liegt in der Wat Yai Chai Mongkol Tempelanlage.
- Philipp Schwartze

Hier kann man durch das Anwesen spazieren, sofern man richtig gekleidet ist: keine kurzen Hosen, keine tiefen Ausschnitte. Im Zentrum der großzügigen Gartenanlage schimmert der goldene Bang Pa-In Palast in der Sonne, spiegelt sich im Wasser des Chao Phraya. Nebenan findet gerade eine Wachablösung statt. Von einem leuchtturmartigen Turm aus erstreckt sich der Blick über die Gebäude im weiten Grün, an dem ständig Gärtner arbeiten.

Hoch über den Dächern der Stadt

Weiter geht es ganz in der Nähe auf den Spuren der Könige Siams. Bevor die Birmanen 1767 einfielen und die Stadt Ayutthaya völlig zerstörten, war Wat Phra Si Sanphet der königliche Tempel. „Die Birmanen mögen wir nicht“, sagt Top trocken. Der fröhliche Thai, dessen Laune nichts zu trüben scheint und der die ganze Reise lang glücklich wirkt, sagt auch das ohne großen Groll.

„Wenn jemand Probleme mit dem Magen hat, sagen wir ,Die Birmanen kommen‘“, witzelt er aber. Die „Drei Chedis“, die hohen Pagoden, stehen noch und erinnern, dass der Königspalast in Bangkok hier seinen Vorgänger hatte. Ebenfalls in Ayutthaya liegt – wortwörtlich – auch ein gigantischer Buddha, beim Wat Yai Chai Mongkol Tempel.

Tags darauf geht es in Bangkok, über den Pak Klong Talad, den Blumenmarkt. In der Halle flechten Arbeiterinnen Kränze, Thais schieben Sackkarren durch die Gegend und nehmen Lieferungen von überladenen Tuk-Tuks entgegen.

Der Tag klingt dann nicht in einer der berüchtigten Ping-Pong-Stripbars aus, die laut Top zwar immer weniger werden, die es aber immer noch gibt. Stattdessen beginnt mit Blick auf den Fluss in der Attitude Rooftop Bar der letzte Abend in Bangkok. Wenig später geht es hinauf in die 64. Etage des Lebua State Towers. Mit der goldenen Kuppel ist er gut zu sehen, Filmfans kennen die Sky Bar aus dem Film „Hangover.“

Weil aller guten Dinge drei sind, folgt der letzte Cocktail in der Moon Bar mit Blick auf das Riesenrad der Asiatique Mall, dem Chao Praya und der restlichen Stadt. Bald heißt es: Abschied nehmen. Mehr als drei Tage hält ein Fremder den Trubel in Bangkok wohl auch nicht aus.

Permanent wird man hier mit neuen Reizen überflutet, die der Geist erst verarbeiten muss: schöne Tempel, gutes Essen und traumhafte Ausblicke. „Schöööön“, sagt Top gedehnt mit einem Singha-Bier in der Hand über den Dächern des nächtlichen Bangkoks. Wie Recht der kleine, lebensfrohe Thai hat. (Philipp Schwartze)

Reiseinfo Bangkok

1 Euro entspricht knapp 40 Baht.

Austrian Airlines fliegen von Oktober bis März täglich ab 545 Euro von Wien nach Bangkok.

DERTOUR Bangkok, The Landmark Bangkok*****, 1 Nacht im DZ/Premium mit Frühstück, Preis p. Pers. ab 58 €.

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Die Reise fand auf Einladung von DERTOUR und Austrian Airlines statt.




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