Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 27.10.2017


Reise

Osttiroler Radfamilie: Auf dem Sattel durch den Wilden Westen

Die Osttiroler Radfamilie hat auf ihrer Tour durch Amerika die 10.000-Kilometer-Marke geknackt. Sie bereiste in den vergangenen zehn Monaten fünf Staaten. Und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht.

© Petra StrangerBen, Peter, Esmé und Petra änderten die ursprünglich geplante Route wegen Schneestürmen und besuchten Yellowstone nicht, der Nationalpark wurde umfahren.



Von Claudia Funder

Außervillgraten, Wyoming – Im Dezember 2016 brachen Petra Stranger, Peter Van Glabbeek und ihre Kinder Ben und Esmé, die vor ihrer Reise in Außervillgraten lebten, nach Übersee zu ihrer ausgedehnten Tour auf. Nach der intensiven Erkundung Mittelamerikas und Kanadas ist das Quartett längst in die USA geradelt – die TT berichtete.

Als bewährtes „Reise-Serum“ wird weiterhin auf einen guten Mix aus Neugier, Spontanität und Offenheit vertraut. Und als Schrittmacher spielen natürlich auch die Kinder eine entscheidende Rolle.

„Das Glück der Erde“: Esmé hoch zu Ross.
- Petra Stranger

In den vergangenen Wochen ging es im Bundesstaat Montana mit Muskelkraft von Great Falls nach Billings, dann weiter Richtung Süden in den Bundesstaat Wyoming nach Cody, Thermopolis, Rawlins bis an die Grenze zu Colorado, wo in einem kleinen Dorf namens Savery Rast gemacht wurde. Wie im ursprünglichen Reiseplan eigentlich angepeilt, war das Quartett doch nicht im Yellowstone Nationalpark. „Nach den enormen Waldbränden, die uns im Oktober Richtung Osten geblasen haben, weg von Rauch, wurde es sehr kalt“, erzählt Petra. Immer wieder kamen Schneestürme auf, während derer man in Häusern Unterschlup­f suchen musste. „Es hat uns dreimal eingeschnei­t“, berichtet Petra von tiefwinterlichen Verhältnissen. Aufgrund der schlechten Wettervorhersage sei man umgekehrt und habe Yellowstone umfahren. Östlich der Berge wurde die Tour fortgesetzt. Die nötige Abweichung vom ursprünglichen Plan hat sich aber gelohnt. „Die Landschaft war traumhaft schön, die Straßen gut befahrbar und ruhig“, erinnert sich Petra, die schwärmt, dass sich die Menschen, die man unterwegs antraf, als extrem freundlich, hilfsbereit und freigiebig erwiesen. „Wir waren im Wilden Westen unterwegs und insbesondere die Kinder haben das sehr genossen.“ Täglich warteten neue, aufregende Erlebnisse. Es gab regen Kontakt mit den Einheimischen und immer wieder Einladungen zum Essen.

Urig, authentisch und rustikal ging es zu. „Alle Männer jagen – Bären, Elche, Antilopen, einfach alles“, so Petra. Die Familie konnte sich durch diverse Fleischspeisen durchkosten, von Bär über Elch und Fasan bis hin zu verschiedenen Fischen. Elch traf den Geschmacksnerv am meisten.

Wenn es draußen kalt ist und schneit, zeichnen Esmé und Ben abends gern im Zelt. Das Licht kommt aus den Stirnlampen.
- Petra Stranger

Ungewohnt: Waffen gehören hier quasi zum Alltag und der Umgang damit ist denkbar sorglos. „Wenn wir in ein Haus kommen, liegen meist Gewehre herum“, erzählt Petra. Peter sagte einmal: „Ich gehe davon aus, dass dieses Gewehr nicht geladen ist.“ Die entspannte Antwort des Besitzers: „Oh, das ist schon geladen. Ich räume es auf.“ Die Radreisenden bitten nun bei jedem Besuch in einem neuen Haus, alle Waffen gut zu verstauen. Sicher ist sicher.

Ben bekam von Farmern einen Cowboyhut geschenkt und trägt ihn seitdem immer wieder.
- Petra Stranger

Die Distanzen zwischen den Dörfern sind groß, meist zeltet die Familie wild, irgendwo in einem Feld. Petra: „Eine besondere Begegnung hatten wir in Meeteetse. Wir wurden von einem Bauern, Tim, der dort Land hat, und seiner Freundin Carol eingeladen.“

Das Haus: filmreif wie aus einem Western. Das Essen: amerikanisch, wie es im Buche steht – Hot Dogs, Chips, Eistee und Eis. „Die Kinder liebten es, einmal kein Gemüse essen zu müssen“, lacht Petra. Zu der Gastfreundschaft gesellten sich Geschenke. Tim und Carol ließen es sich nicht nehmen, Ben einen Cowboyhut und Esmé ein Kuscheltier zu kaufen. Die Großzügigkeit der Gastgeber ging sogar so weit, dass sie Petra und Peter zum Abschied noch Geld gaben. Damit ging es ins Dinosauriermuseum. Der Rest floss in ein gutes Abendessen.

Ein Familien-Selfie von unterwegs – irgendwo in Wyoming.
- Petra Stranger

Frisch ist es geworden in den letzten Wochen. „Die Kinder schlafen jetzt immer in der Mitte des Zeltes, weil es nachts so kalt ist“, berichtet Petra. „Wir hatten schon einige Male Eis auf dem Zelt.“ Wärmende Kleidung samt Haube tragen die vier derzeit nicht nur untertags auf Tour, sondern auch beim Schlafen.

Am 11. Oktober hat das Quartett die 10.000-Kilometer-Grenze seiner Reise überschritten. Die zurückgelegte Distanz wächst. Es geht nun nach Craig, Grand Junction und dann westwärts nach Moab/Bundesstaat Utah. Vorerst, denn ein Ende der Tour ist noch lange nicht in Sicht.

Die Tiroler Tageszeitung wird die Radreisenden redaktionell weiter begleiten und erneut über die Erlebniss­e von Petra, Peter, Ben und Esm­é berichten.