Letztes Update am Fr, 27.10.2017 12:22

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kulturhauptstadt 2017

Aarhus in Dänemark: Lässige Stadt im Rampenlicht

Wikinger-Abenteuer auf dem Grasdach, Installationen am Wasser und Musik im Matsch: Aarhus, die sonst so gelassene dänische Studentenstadt, hat sich als Kulturhauptstadt 2017 von seiner besten Seite gezeigt und will auch nach Ende des Jahres davon profitieren.

© APA/dpaDas Kunstmuseum von Aarhus mit dem Regenpanorama am Dach ist ein Blickfang.



Dieser Anblick kann dem unwissenden Spaziergänger an der Küstenpromenade im dänischen Aarhus einen Schreck einjagen: Ein Lkw-Ladekran hat gerade scheinbar einen VW Golf aus der Bucht gefischt.

Aus dem weißen Wagen, der an vier Schläuchen an dem Kran hängt, läuft unaufhörlich Meerwasser. Kann das sein? Zum Glück sind Passanten hier nicht Zeugen eines Unglücks, sondern haben es mit einer Installation zweier finnischer Künstler zu tun. Sie ist Teil eines der ehrgeizigsten Projekte von Aarhus 2017, der Triennale „The Garden“. Auch dank ihr haben sich wohl die meisten der 330.000 Einwohner in ihre Kulturhauptstadt verliebt. Zwei von drei Events sind gratis.

Der Segelturm aus Stahl wurde von der Architektin Dorte Mandrup erschaffen.
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Einige unter freiem Himmel, wie ein großer Teil von „The Garden“: Die Schau führt den Betrachter fast fünf Kilometer am Wasser entlang, vorbei etwa an einem abends beleuchteten ballonförmigen Pavillon der Bjarke Ingels Group und dem umstrittenen Werk einer deutschen Künstlerin. Die Düsseldorferin Katharina Grosse hat Teile eines Parks und des Wegs bis hinunter zum Wasser mit Acrylfarbe besprüht. Der Anblick von Gras und Bäumen in Pink und Weiß hatte Tausende Aarhusianer erzürnt. „Es ist gut, dass eine Debatte entsteht“, sagt Erlend Hoyersten, Direktor des Kunstmuseums Aros, das die Triennale ins Leben gerufen hat. „Viele Werke sind eine Weltpremiere“, erzählt der Norweger.

Die Triennale, die das Verhältnis der Menschen zur Natur in drei Phasen („The Past“, „The Present“, „The Future“) über 400 Jahre beleuchtet, spielt sich nicht nur an der Küste, sondern auch an anderen Orten der Stadt ab – und im Museum selbst, das für sein Regenbogenpanorama auf dem Dach bekannt ist.

„Sowohl was die Kritiken als auch die Besucherzahlen angeht, übertrifft das Jahr unsere Erwartungen“, sagt Sorensen. Die Wikingersaga „Rode Orm“, die auf und neben dem schrägen Grasdach eines Museums in der Nähe von Aarhus aufgeführt wurde, war an vielen Abenden ausverkauft.

Zur Eröffnungsfeier erstrahlte die Stadt.
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Rund zehn Kilometer weiter nördlich tanzen Zehntausende zur gleichen Zeit zu der Musik von The-Verve-Frontmann Richard Ashcroft und der englischen Band The Prodigy. Die meisten tragen Gummistiefel an den Füßen, denn das regnerische dänische Wetter hat das Festival zur Schlammschlacht werden lassen. Den Einwohnern der zweitgrößten Stadt Dänemarks macht das nichts aus. Auch das dreitägige „NorthSide“ ist in diesem Jahr Teil der Kulturhauptstadt, die sich – typisch für die Studentenstadt Aarhus – entspannt und unprätentiös gibt.

„Keiner lebt gern in einer Stadt, in der nichts passiert“, sagt Bent Sorensen. In Aarhus und Umgebung soll nicht nur 2017 viel passieren, sondern auch darüber hinaus, meint der Kommunikationschef. Damit die 450 Millionen Kronen (rund 60,5 Mio. Euro), die die Kulturhauptstadt kostet, nicht wirkungslos verpuffen, setzen die Organisatoren auf eine enge Zusammenarbeit zwischen kulturellen Institutionen und Unternehmen. „Die Kultur verbindet uns alle“, sagt Sorensen.

Events wie ein Jazzfestival, ein Festival für Kinderliteratur sowie die Umsetzung von drei Filmen der bekannten dänischen Regisseurin Susanne Bier auf der Bühne sollen auch weiterhin Aarhusianer und Touristen in die Kulturhauptstadt unter dem Motto „Let‘s Rethink“ locken. (APA/dpa)