Letztes Update am So, 24.12.2017 07:07

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gardasee

Am See entlang, dann rechts zur Villa der 200 Jesuskinder

Viele Gardasee-Liebhaber dürften das bislang verpasst haben. Am Westufer befindet sich das Museum mit der größten Christkindl-Sammlung der Welt.

© Das Museum liegt wenige Meter hinter dem Westufer des Gardasees in Gardone Riviera.



Von Matthias Christler

Hauptsaison am Gardasee, mehr als 35 Grad Celsius, eine Kolonne rollt am westlichen Seeufer in den Süden. Kurz vor Salo, in Gardone Riviera, macht ein Schild mit einem wunderschön klingenden Namen Lust darauf, den Blinker spontan nach rechts, weg vom See, zu setzen. „Museo Il Divino Infante“ steht dort geschrieben. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen, als würde ein Italiener es aussprechen: „Il Divino Infante“. Das hat nichts mit einem infantilen Wein zu tun. Wer des Italienischen mächtig ist, erkennt, dass dieses Museum dem „göttlichen Kind“ gewidmet ist.

Biegt man hier ab, kann man sein Auto neben einem kleinen Park abstellen. Durch einen Bogen, auf dem wieder die Worte „Il Divino Infante“ den Weg weisen, führt eine steile Stiege, deren Geländer mit wilden Pflanzen zugewuchert ist, hinauf zu einer rosaroten Villa. Bis auf eine kleine Kapelle deutet nichts darauf hin, dass im Erdgeschoß ein Museum mit Jesuskind-Figuren eingerichtet wurde.

Es ist das Museum von Hiky Mayr. Die Münchnerin wanderte vor mehr als 50 Jahren nach Gardone aus und heiratete einen Hotelier. Das ist noch nicht so ungewöhnlich, aber ein Christkindl-Museum am Gardasee? „Abstrakt ist es schon“, gibt sie zu, „aber da es drinnen schön kühl ist, schätzen es die Besucher auch im Sommer.“ Trotzdem hat das Museum zu Weihnachten Hauptsaison. Zu der ohnehin schon mit 20 Quadratmetern großen Krippe gibt es derzeit eine Krippen-Sonderausstellung. Das Herzstück bilden jedoch die bis zu 90 Zentimeter großen Jesuskinder.

Hell erleuchtet sind die Innenräume, in denen die Figuren in Glasvitrinen ausgestellt sind.
-

Aus dem Blechtopf ins Museum

Wenn Mayr gefragt wird, wie sie zu der ersten Figur gekommen ist, beginnt sie zu lächeln. „Das muss jetzt über 50 Jahre her sein. Ich wollte für das Hotel Deko finden und sah an einem Markt Blechtöpfe, die mir gefielen. Aus einem der Töpfe ragten zwei Füßchen heraus. Ich nahm die Figur und sah an der kleinen Hand, die zur Segnung gehoben war, dass es das Jesuskind sein muss“, erzählt sie. So richtig habe ihr es am Anfang gar nicht gefallen, doch der Händler habe gemeint, dass sie es geschenkt bekomme, wenn sie die Töpfe kaufen würde. „Also bin ich mit den ganzen Töpfen im Kofferraum und einem Jesuskind im Arm heimgefahren.“

Über die Jahre hat sie auf Märkten weitere Figuren gefunden, alle italienischer Herkunft. Dank ihrer Kunstausbildung in Deutschland verstand sie, die Figuren zu restaurieren und 2005 hatte sie so viele beisammen, dass sie einen Ort brauchte, um alle unterzubringen. Deshalb eröffnete sie das Museum in der rosaroten Villa mit Seeblick. „Ich glaube, wenn ich viele der Figuren nicht gefunden hätte, wären sie mit der Zeit verloren gegangen.“ 200 sind ausgestellt, mehr als 250 dürfte sie insgesamt haben. „Ich muss mal wieder eine Volkszählung machen“, scherzt Mayr.

Das Museumsviertel von Gardone

In Italien haben Krippen und die Darstellung des „Il Divino Infante“ Tradition. Franz von Assisi ließ 1223 in Greccio nordöstlich von Rom erstmals anstelle einer Predigt die Weihnachtsgeschichte mit lebenden Tieren und Menschen nachspielen. Die Verehrung des Christkindes breitete sich aus. Neben dem religiösen Aspekt geht es Mayr in ihrem Museum um den künstlerischen. Kein Wunder, hat sie sich doch im „Kunstviertel“ des Gardasees angesiedelt. Weiter den Hang hinauf kommt man zum „Vittoriale“, einem neun Hektar großen Komplex mit Freilichttheater, Parks und kleinen Bächen, der vom Schriftsteller Gabriele D’Annunzio eingerichtet wurde. Wenige Gehminuten weiter Richtung Süden liegt einer von André Hellers Gärten. In diesem Dreieck der Künste lohnt sich der Besuch des „Il Divino Infante“.

Die Figuren stehen, sitzen oder liegen sicher hinter Glas. Sie sind nackt, halten nur ein Kreuz in der Hand oder tragen schöne Kleider und eine Krone am Kopf, andere schmückt ein Heiligenschein. „Es ist die größte Jesuskind-Ausstellung der Welt“, sagt Mayr. Und es dürfte die teuerste Sammlung sein, für 1,2 Millionen Euro sind die Figuren versichert, verkaufen würde die Kunstsammlerin keine einzige. Einige Exemplare stammen aus dem 15. Jahrhundert. Und welche ist ihr die liebste Figur? Mayr zögert: „Das ist, als würden Sie eine Mutter von fünf Kindern fragen, welches sie am meisten lieb hat.“

Diese Leidenschaft spürt man im Museum „Il Divino Infante“, einem weihnachtlichen Kleinod am Gardasee, das immer Saison hat.