Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 15.01.2018


Reise

Urlauber-Comeback für Krisenländer trotz Warnungen

Für Ägypten und die Türkei bestehen partielle Reisewarnungen, dennoch zieht der Tourismus in beiden Ländern wieder an.

© iStockDie Türkei und auch Ägypten werben, damit wieder mehr Touristen kommen. Die Buchungen in beide Länder haben zuletzt angezogen.



Innsbruck, Wien – Noch vor wenigen Jahren zählten die Türkei und Ägypten zu den beliebtesten Sommer-Urlaubszielen der Österreicher. Locken beide Länder doch mit Sonnengarantie und vergleichsweise günstigen Preisen auch bei höheren Sternekategorien. Doch schwere politische Krisen samt Terroranschlägen haben den Höhenflug des Tourismus beider Länder jäh beendet. Mittlerweile zieht der Tourismus in beiden Ländern wieder an, wenn auch noch auf bescheidenem Niveau im Ver- gleich zu den Boom-Jahren.

Unter anderem von vereinzelten vorübergehenden Festnahmen sowie Zurückweisungen bei der Einreise von österreichischen Staatsbürgern in die Türkei ohne konkrete Vorwürfe seitens türkischer Behörden berichtet das österreichische Außenministerium in einem aktuellen Sicherheitshinweis. Zudem wird auf die Anschläge in Großstädten und im Osten und Südosten des Landes ebenso verwiesen wie auf den weiter aufrechten Ausnahmezustand. Das schreckt immer weniger Touristen ab, zeigen aktuelle Zahlen der Reiseveranstalter. So hat TUI sein Reisekontingent in die Türkei wieder aufgestockt und berichtet von deutlichen Zuwächsen. Auch bei Ruefa erkennt man einen Aufwärtstrend, dieser sei aber nur „ein zartes Pflänzchen“, sagt Ruefa-Vorständin Helga Freund. Am Gesamtumsatz von Ruefa hatte die Türkei zuletzt einen Anteil von etwas mehr als 2,5 Prozent. Zum Vergleich: Im Jahr 2014 waren es laut Unternehmensangaben noch rund 15 Prozent. Reisende würden Städteurlaube in der Türkei meiden. „Istanbul ist massiv eingebrochen“, sagt Freund. Anziehen würden aber Buchungen in die Ferienregionen an der türkischen Riviera um Antalya. Vor allem höherwertige Hotels würden gebucht. „Gebucht wird 5-Sterne-Plus, zu vergleichsweise günstigen Preisen“, sagt Freund. Laut türkischen Angaben seien die Sicherheitsvorkehrungen in der Region massiv erhöht worden. Laut Freund seien es aber weniger die Sicherheitsbedenken gewesen, die Urlauber vor Türkeireisen zurückschrecken haben lassen als die politische Situation.

Die Türkei und Ägypten werben, damit wieder mehr Touristen kommen. Die Buchungen in beide Länder haben zuletzt angezogen.Fotos: iStock
- iStockphoto

Vom Touristenschwund schwer getroffen wurde die Wirtschaft Ägyptens. „Die Bevölkerung hat schwer gelitten“, sagt Mohamed Abdel Gabbar von der ägyptischen Tourismusbehörde gegenüber der TT am Rande der größten österreichischen Ferienmesse in Wien. Rund fünf Millionen Menschen in Ägypten würden im Tourismus arbeiten und so für rund 20 Millionen Menschen sorgen. Vor der Revolution in Ägypten 2011 seien noch 14 Millionen Gäste jährlich nach Ägypten gekommen, im Jahr 2016 waren es noch 5,3 Millionen. Im Vorjahr ist die Zahl der Ägypten-Urlauber wieder auf 8,3 Millionen gestiegen. Die Zahl der österreichischen Urlauber habe sich innerhalb eines Jahres von 67.000 auf 120.000 wieder verdoppelt. Laut Abdel Gabbar seien die Sicherheitsvorkehrungen in den Urlaubsorten massiv verstärkt worden. „Es gibt nun überall Kameras und sehr viel Sicherheitspersonal.“ Die Terror-Anschläge, wie zuletzt auf eine koptische Kirche mit mehr als 300 Toten, seien, so der Botschaftsangestellte, „weit entfernt von den Ferienregionen“. Derzeit arbeite man an einem neuen Tourismuskonzept für das Land, das die Kultur mehr in den Vordergrund stellen soll. „90 Prozent kommen für Urlaub am Meer, dabei haben wir so eine reichhaltige Kultur. Wir wollen die Menschen wieder stärker für unsere historischen Stätten etwa in Luxor begeistern.“ Politisch stehe der Kampf gegen den Fundamentalismus ganz oben auf der Agenda.

Eine aktuelle Reisewarnung gilt für den Nordsinai und die Saharagebiete, an den Grenzen zu Libyen und zum Sudan. Ein hohes Sicherheitsrisiko ortet das Außenministerium in den restlichen Gebieten der Sinai-Halbinsel, für das gesamte Land bestehe ein erhöhtes Sicherheitsrisiko. (ecke)