Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 02.02.2018


Tourentipp

Auf der Spur der Knappen

Rund um die Bochumer Hütte oberhalb von Aurach bei Kitzbühel bietet sich Rodlern und Tourengehern derzeit ein Wintertraum. Auch geschichtlich lässt sich hier viel entdecken.

© Irene Rapp



Von Irene Rapp

Aurach bei Kitzbühel – Die Gemeinde Aurach bei Kitzbühel ist mit rund 1100 Einwohnern klein. Allerdings leben hier schon seit ewigen Zeiten Menschen, genauer gesagt wurde hier bereits rund 1300 vor Christus im Gebiet der Kelchalpe Kupfer – der wichtigste Rohstoff für die Bronzeherstellung – abgebaut.

Heute kennt man die Kelchalpe auch als Bochumer Hütte, Teile der alpinen Unterkunft auf 1432 Metern sind aber noch eng mit der Abbaugeschichte verbunden. Im 19. Jahrhundert wurde der Bergbau nämlich wiederbelebt, bis in die 1920er-Jahre noch Kupfer gewonnen. Die Kelchalpe diente als Unterkunft für die Bergknappen, wurde 1832 errichtet und in den vergangenen Jahren großzügig saniert. „Teile des Gebäudes – etwa der Waschraum – stammen noch aus dieser Zeit“, erzählt Hüttenwirtin Ilona Hultsch.

So kommt man hin: Wir sind am vergangenen Freitag mit der Rodel zur Bochumer Hütte gewandert. Derzeit präsentiert sich der Weg dorthin wie im Winter-Paradies, vor allem, wenn sich das Gelände nach dem Kelchalmgraben öffnet und man die sonnige „Almenhöhe“ erreicht hat, kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Zuvor muss man allerdings den Parkplatz gegenüber der kleinen Grüntalkapelle in Aurach finden. Dazu – von Kitzbühel kommend – beim Gasthaus Hechenmoos (unübersehbar) links hinauf, der kleinen Straße folgen, bei der ersten Weggabelung nach rechts und dann so lange fahren, bis man auf dem besagten Parkplatz (kostenlos) gelandet ist. Die Grüntalkapelle ist übrigens geöffnet, eine kurze Einkehr lohnt sich, nicht zuletzt wegen der winzigen Bänke.

Zunächst geht es auf dem Forstweg in südöstlicher Richtung stetig ansteigend hinauf, gleich zu Beginn faszinieren linkerhand Felswandln mit vielen Eiszapfen. Weil rech­terhand der Wieseneggbach das Tal hinausplätschert, ist es hier relativ frisch – doch das ändert sich beim Gehen rasch. Die Rodelbahn ist ebenfalls geschichtsträchtig: Denn auf diesem Weg fuhren früher Pferdegespanne bis zur Bochumer Hütte, um die Knappen mit Proviant und dem notwendigen Sprengstoff zu versorgen.

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An die Bergbau-Vergangenheit erinnern auch die Ruinen des Pochwerkes, an welchem man vorbeikommt: In dem verfallenden Gemäuer wurden mit Maschinen die abgebauten Erze zerkleinert. Ein paar Meter weiter finden sich Informationen zur Abbaugeschichte, bei einer Wegteilung bleibt man dann links.

Wenn man langsam den Wald hinter sich lässt und aus dem Graben herauskommt, kann man erstmals nach Kitzbühel und auf den Kaiser zurückblicken. Das Almengelände öffnet sich weit und gibt den Blick frei auf viele Gipfel, die im Winter von den Skitourengehern angesteuert werden – u. a. der Tristkogel (2095 m, auf den führt im Sommer auch ein Klettersteig), der Mittagskogel (2040 m) oder der Rauber (1972 m). Nach einem ziemlich steilen Stück erreicht man die neue Gruber­alm, von hier aus sind es nur noch wenige Minuten, bis man das Ziel erreicht hat.

Apropos steil: Die rund zehnminütige Abfahrt mit der Rodel war zuletzt ein Traum, allerdings sollte man als Rodler geübt sein und wissen, dass ein Sturz über die Bahn hinaus einfach nicht sein darf, da es teilweise steil hinuntergeht und keine Sicherungsnetze vorhanden sind.

Die Hütte mit dem alten Pulverturm.
- Irene Rapp

Zurück zur Bochumer Hütte: Nach rund eineinhalb Stunden Gehzeit hat man die alpine Unterkunft erreicht. Die Hüttenwirte Ilona Hultsch und Gerhard Pirker sind seit Mai 2016 hier im Einsatz, „ich bin ein Neuling“, erzählt Hultsch, „Gerhard war vorher Wirt auf der St. Pöltner Hütte im Bundesland Salzburg“.

Der heurige Winter sei jedoch im Unterschied zu ihrem ersten auf der Bochumer Hütte „wunderschön“: Seit 1. Dezember könne man bereits rodeln, im Vorjahr war das erst im Jänner möglich.

Wer noch ein wenig Geschichte inhalieren will, hat im Umfeld der Hütte Gelegenheit dazu. Gleich hinter dem Haus gibt es den letzten sichtbaren Stolleneingang, wo sogar noch ein Wagen steht, mit dem das Gestein abtransportiert worden ist. Und beim hohen, schmalen Gebäude neben der Hütte handelt es sich um den ehemaligen Pulverturm, wo der Sprengstoff für den Bergbau gelagert wurde. „Jetzt wohnen dort nur noch Fledermäuse“, erzählt Hultsch.

Noch mehr über die Geschichte des Bergbaus in dieser Gegend erfährt man im Museum Kitzbühel (www.museum-kitzbuehel.at): Dort befinden sich zudem zahlreiche Fundstücke des Abbaus aus der späten Bronzezeit, die rund um die Bochumer Hütte im Zuge von Ausgrabungen in der Mitte des vorigen Jahrhunderts entdeckt wurden.

Zurück zur Rodelbahn: Die Abfahrt war, wie gesagt, ein Genuss. Und nach den „ärgsten“ steilen Passagen im oberen Teil erwies sich das flotte Durchgleiten des Kelchalmgrabens als das Tüpfelchen auf dem i. Aktuelle Berichte zur Bahn finden sich auch unter www.winterrodeln.org.

Eiszapfenwände (1) und das alte Pochwerk (2): Schon die ersten Meter auf dem Weg zur Bochumer Hütte sind sehenswert. An der Gruberalm vorbei (3) erreicht man dann die Hütte (4) mit dem alten Pulverturm. Im Inneren erinnert u. a. ein Relief an die Bergbau-Vergangenheit (5).Fotos: Rapp
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