Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 25.05.2018


TT-Tourentipp

Wo der Birkhahn tanzt

Jetzt ist die Hochzeit der Birkhahn-Balz: Wer die Vögel dabei beobachten will, muss früh aufstehen. Das Hühnerspiel in Neustift ist aber auch ohne Birkhähne besuchenswert.

© Rapp



Von Irene Rapp

Neustift – Zunächst einmal ein Plädoyer für das Wandern bei nicht so schönem Wetter: Am Pfingstsonntag waren wir zum Hühnerspiel oberhalb von Krößbach in Neustift unterwegs. Dichte Wolken hingen über dem Tal, Nebelschwaden zogen umher. Nicht umbedingt das Wunsch-Bergwetter, andererseits schweifen bei solchen Bedingungen die Blicke nicht weit umher, sondern entdecken viel in der Nähe, was man sonst oft gerne übersieht – wie liebliche Bäche oder Spechtlöcher in den Bäumen.

Apropos entdecken: Am Hühnerspiel, einer kleinen Hochebene unterhalb der Brennerspitze (2877 m) in den Stubaier Alpen, findet in diesen Wochen die Balz der Birkhähne statt. Gesehen haben wir allerdings leider keines der Tiere.

Birkhähne sahen wir aber nicht.
- Getty Images/iStockphoto

Dafür müsste man nämlich früh aufstehen, wie Christine Lettl vom Tiroler Jägerverband erzählt. Alles in allem ist diese Wanderung über die Milderaunalm zum „Naturschauplatz“ Hühnerspiel auf 2181 Metern jedoch trotz fast 1000 zu bewältigenden Höhenmetern unschwierig und bietet immer wieder tolle Ausblicke vom vordersten bis ins hinterste Stubaital.

So kommt man hin: Durch Neustift bis zum Weiler Krößbach, rechts abbiegen nach Oberegg (gut beschildert). So lange fahren, bis man einen gebührenpflichtigen Parkplatz in der Nähe eines Bauernhauses erreicht, hier das Auto stehen lassen.

Zunächst wandert man auf dem Forstweg, der im Winter als Rodelbahn dient, dahin. Rund fünf Kilometer und 500 Höhenmeter zieht sich dieser bis zur Milderaunalm hinauf, allerdings kann man die Einkehr auf 1671 Metern Höhe auch nach der dritten Kehre über einen immer wieder die Forststraße kreuzenden Waldsteig (gut beschildert) erreichen. Dieser ist vor allem mit Kindern zu empfehlen: Man kommt u. a. an einem lieblichen Bächlein vorbei und kann Spechtlöcher in den Bäumen suchen.

Die Milderaunalm selbst war bis vor wenigen Jahren übrigens noch eine Ruine, wurde dann jedoch von Grund auf renoviert. Christian Volderauer aus Neustift ist gemeinsam mit Herbert Platzer im dritten Jahr Pächter der schönen Hütte, die man auch mit dem Mountainbike über eine offiziell ausgewiesene Strecke erreichen kann.

Die Milderaunalm (3) erreicht man u. a. über einen Waldweg, der mit kleinen Bächlein und Bäumen mit Spechtlöchern aufwarten kann.
- Rapp

Am Sonntag allerdings gingen wir noch zum Hühnerspiel weiter. Dazu am Kinderspielplatz in nördlicher Richtung (Wegweiser) leicht ansteigend bergauf. Zunächst in einigen Kehren durch einen schönen Mischwald; wenn man zu einem Aussichtsplatz mit Bankerl kommt, wird es langsam lichter und man erreicht die Baumgrenze.

Von diesem Platz aus nicht taleinwärts, sondern in nördlicher Richtung über kleinere Stufen weiter hinauf. Erstmals kommt man mit Schnee in Berührung, zumindest die ersten weißen Flecken sollten jedoch kein Problem darstellen. Auch eine ein wenig steilere Schneefläche im oberen Teil war gegen 10.30 Uhr bereits sehr weich und dürfte zudem in den nächsten Tagen noch an Größe abnehmen. Dennoch ist Vorsicht geboten!

Bitte setzen und drehen: Auf dem Hühnerspiel lädt dieser Drehstuhl zum besonderen Genießen der Aussicht ein (1), Birkhähne sahen wir aber nicht (2). Die Milderaunalm (3) erreicht man u. a. über einen Waldweg, der mit kleinen Bächlein (4) und Bäumen mit Spechtlöchern aufwarten kann.Fotos: Rapp
- Rapp

Bereits gut sichtbar sind Brennerspitze und Kalkkögel, auf der anderen Talseite liegt noch überraschend viel Schnee. Man hält sich nun links von einem über viele Stufen herabstürzenden Bach, geht wieder taleinwärts, und wenn man von der Ferne ein kleines Holzhaus sieht, hat man das Hühnerspiel auch schon erreicht.

Eine Infotafel informiert über die Besonderheit dieses besonderen Platzerls, Biologin Lettl weiß noch einige Details über die liebestollen Birkhähne, die auch „Spielhähne“ genannt werden. „Meist treffen sich mehrere Hähne, um Hennen anzulocken. Dabei kann es zu Kämpfen kommen.“ In ganz Tirol gibt es übrigens rund 19.000 Tiere, die Zahl stammt von einer Zählung aus dem Jahr 2015. Und interessant: Weibchen suchen sich ihren Favoriten selbst aus. Die balzenden Hähne kann man am besten zwischen 4 und 7 Uhr beobachten, das Holzhüttl auf dem Hühnerspiel dient Jägern als Unterschlupf. Denn die Birkhühner dürfen auch bejagt werden, „allerdings in einer sehr geringen Anzahl“, wie Lettl erzählt.

Auch wenn wir am Sonntag keine Hühner gesehen haben, so war – trotz des Nebels – der Ausblick ein Hit. Diesen konnte man übrigens auf ganz besondere Art und Weise genießen – und zwar in einem hölzernen Drehstuhl, mit dem man die 360-Grad-Rundumsicht in ungewohntem Tempo genoss.

Zurück ging es dann auf demselben Weg. Bei der Milderaunalm gab uns Christian Volderauer noch einen weiteren Tourentipp mit: Von Falbeson/Neustift zur Regensburger Hütte (2286 m) aufsteigen und von dort über den so genannten „Ring“-Weg zur Milderaunalm. „Das ist aber eine Tagestour“, so Volderauer.

Wenn sich in den nächsten Wochen der Schnee ganz verabschiedet, ist Konditionsstarken aber auch die Tour auf die weniger bekannte Brennerspitze zu empfehlen – allerdings sind es von der Milderaunalm aus rund 1200 Höhenmeter bis zu der beeindruckenden Erhebung.

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