Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 11.06.2018


TT-Ombudsmann

Ab in den Urlaub - und daheim wartet das Chaos

Hinter mir die Sintflut, denkt sich mancher vor dem Urlaub. Damit die Redensart nicht zur Prophezeiung wird, gilt es einige Regeln zu befolgen – und die Versicherungspolizze zu lesen.

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Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck, Wien – Die Koffer sind gepackt, die Abreise steht kurz bevor: Höchste Zeit, sich schon jetzt ein paar Gedanken zu machen über die Rückkehr nach Hause. Warum? Bevor die Tür ins Schloss fällt, raten Experten zu Sicherheitsvorkehrungen in Wohnung und Haus. Obliegenheiten genannt, sollen sie nicht nur Einbrüche und Schäden vermeiden, sondern auch – sollte einmal doch etwas passieren – gewährleisten, dass die Versicherung diese begleicht.

Eine dieser Mitwirkungspflichten ist es, die Tür hinter sich auch abzuschließen, ebenso wie die Fenster nicht gekippt zu lassen – schon gar nicht im Erdgeschoß. „Eine grob fahrlässige Herbeiführung eines Versicherungsfalls macht normalerweise leistungsfrei“, sagt Gerhard Graf, Leiter Schadenservice Elementar in der Tiroler Versicherung. Ob die Haustür versperrt war, lässt sich übrigens leicht nachweisen.

Wer einen genauen Blick in seine Versicherungspolizze wirft, wird außerdem auf die so genannte 72-Stunden-Klausel stoßen. Sie besagt, dass die Hauptwasserleitung zuzudrehen ist, wenn das versicherte Gebäude länger als drei Tage unbewohnt ist. „Diese Regelung ist allgemein üblich“, heißt es dazu von Seiten des Vereins für Konsumenteninformation (VKI). Trotzdem wüssten viele nichts davon und seien bestürzt, wenn der Schaden nicht übernommen wird, sollte es während ihres Urlaubs wirklich einen Wasserrohrbruch geben.

Die Folgen sind meistens enorm und können Kosten in Höhe von mehreren hunderttausend Euro verursachen. Laut Martin Zanger, Geschäftsführer von Soluto – das Unternehmen ist auf Brand- und Wasserschadensanierung spezialisiert –, können mindestens fünf Liter Wasser pro Minute austreten, wenn ein Schlauch für die Wasserzufuhr in Bad oder Küche platzt. „Innerhalb einer Stunde verteilen sich so mindestens 300 Liter – zwei volle Badewannen – im Zuhause.“

Bei Gartenbesitzern, die in ein automatisches Bewässerungssystem investiert haben, damit Rasen und Blumen während ihrer Abwesenheit nicht vertrocknen, stößt diese Versicherungsbedingung auf Ratlosigkeit. „Sprinkleranlagen können bei längerer Abwesenheit nur dann verwendet werden, wenn sie nicht mit der Wasserleitung im Haus verbunden sind, sondern einen eigenen Kreislauf haben“, sagt Gabi Kreindl vom VKI. Bleibt also nur, einen Nachbarn oder eine Vertrauensperson zu bitten, mindestens alle 72 Stunden nach dem Rechten zu sehen. In diesem Fall darf die Hauptwasserleitung eingeschaltet bleiben. Um wirklich sicherzugehen, dass der Versicherer diese Lösung akzeptiert, ist es trotzdem ratsam, sich zu erkundigen.

Der beste Schutz vor starken Sommergewittern mit Hagel oder Stürmen sind laut Gerhard Graf von der Tiroler Versicherung herabgezogene Jalousien. Für Einbrecher sind sie allerdings der beste Hinweis darauf, dass die Bewohner längere Zeit außer Haus sind. Auch hier wäre die Hilfe des Nachbarn nötig, der sie ab und zu rauf- und wieder hinunterzieht. Aber auch Zeitschaltuhren, die Lampen ein- und ausschalten oder Rollos bewegen, können simulieren: Hier ist jemand.

Graf empfiehlt außerdem, leicht bewegliche Teile im Garten in Sicherheit zu bringen, und berichtet von verwehten Tischtennis-Tischen. Bei einem Sturm können sie große Schäden bei den Nachbarn verursachen – ein Fall für die Haftpflichtversicherung. Um elektrische Geräte wie Fernseher, Laptop und Computer vor Blitzschäden zu schützen, sollten außerdem die Stecker rausgezogen werden – auch bei Ladegeräten und Akkus und beim Satellitenkabel, das die entstehende Überspannung an Receiver und Fernseher weiterleiten kann. Die Folgeschäden können gravierend sein, wenn etwa durch einen Fernseher, der zu brennen beginnt, im Haus ein Feuer ausbricht. Rund ein Drittel aller Haus- und Wohnungsbrände sind auf Elektrizität zurückzuführen. Es ist aber keine Obliegenheit, den Strom auszuschalten, meint Graf. Trotzdem empfiehlt es sich, bei den Bedingungen nachzuschauen, ob Schäden dann wirklich gedeckt sind.

Nachbars Hilfe ist auch nötig, wenn es darum geht, den Briefkasten zu leeren. Bleibt nur noch, auf seinen Hausverstand zu horchen und nicht auf den Anrufbeantworter zu sprechen, dass man für zwei Wochen auf Urlaub sei, oder in sozialen Medien „Ich bin jetzt einmal weg“ zu posten.