Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 15.06.2018


Tourentipp

Und immer lockt der Achensee

Zuerst auf den Berg, dann direkt in den See: Eine schöne Rundwanderung oberhalb von Pertisau auf die Seebergspitze – mit Ausbaumöglichkeiten – macht’s möglich.

© privatFotomotive gibt es auf dem Weg zur Seebergspitze zuhauf: Die Ausblicke auf den Achensee sind phänomenal.



Von Irene Rapp

Pertisau/Eben am Achensee – Zugegeben: Wir sind nicht früh genug aufgestanden. Sonst hätten wir möglicherweise auch Steinböcke gesehen so wie jene absteigenden Bergsteiger, denen wir beim Aufstieg begegnet sind.

Einer war sogar schon zu Sonnenaufgang auf der Seekarspitze (2053 m), die gleich neben der Seebergspitze (2085 m) liegende Erhebung. Konditionsstarke können beide Gipfel besteigen, das ist jedoch eine „satte Runde“, wie Bergretter Hubert Moser von der Bergrettung Maurach erzählt. Eine lange Runde haben auch wir gemacht: Wir sind von Pertisau aus auf die Seebergspitze und über den Pasillsattel und das Gerntal zurück zum Ausgangspunkt. Eine schöne Tour, bei der einem der Achensee zumindest auf dem ersten Teil der Strecke immer zu Füßen liegt.

So kommt man hin: In Pertisau am gebührenpflichtigen Parkplatz beim Strandbad das Auto abstellen. Gleich neben dem neben Haus „Waldvilla“, das beim Parkplatz steht, findet sich der Wegweiser und quasi der Einstieg zu der Bergtour auf die Seebergspitze (Gehzeit angegeben mit drei Stunden).

Die Seebergspitze im Vordergrund, die Seekarspitze gleich ?daneben.
- pirvat

Zunächst geht es durch schönen Mischwald bergauf und einem hochfrequentiertem Tourismusgebiet entsprechend ist die gesamte Strecke gut beschildert. Man hält sich immer in nordwestlicher Richtung, meist ist es ziemlich steil und schön langsam drängt sich der Achensee ins Blickfeld. Wenn man die so genannte Klausenwand erreicht hat, kommt man langsam zur Waldgrenze, dort wird es zunächst ein wenig flacher und wenn man eine Graskuppe vor einem sieht, würde man nie vermuten, dass es einmal richtig felsig werden kann.

Gemütlich geht es in einigen Stufen weiter bergauf und dann kann man erstmals einen Blick auf die Seebergspitze erhaschen. Man befindet sich nun im Latschengelände, es blüht überall und – wie gesagt – die Tiefblicke auf den Achensee sind einmalig. Mit einem Schlag hat man dann Einblick in die felsige Ostseite der Seebergspitze. Da geht es teilweise ziemlich steil bergab, teilweise liegt noch Schnee. Quasi auf dem Kamm geht es nun leicht ansteigend dem höchsten Punkt entgegen – Trittsicherheit auf dem mitunter leicht schottrigen Gelände ist gefragt, richtig „gratig-schmal“ wird es nie. Und wahrscheinlich wird man oft stehen bleiben und Fotos machen – denn die Aus- und Tiefblicke sind ein Traum.

Blick auf die Pasillalm.
- privat

Wenn man dann auf dem Gipfel steht, kann man die tolle Rundumsicht genießen: im Süden die vielen Gipfel des Karwendel, im Nordosten die des Rofan. Über einem ragt das Gipfelkreuz in die Höhe, welches die Bergrettung Maurach unter dem damaligen Chef Hubert Moser 1997 errichtet hat: „Gewidmet dem Bischof von Tirol Dr. Reinhold Stecher“. „Der Bischof war oft bei uns in der Gegend und hat oft auch Gipfelmessen mit uns gehalten, deswegen ist ihm dieses Kreuz gewidmet“, erzählt Hubert Moser.

Am Gipfel – auf dem genau die Gemeindegrenze zwischen Eben und Achenkirch verläuft – hat man dann drei Möglichkeiten: entweder auf dem Aufstiegsweg retour, weiter zur schon sichtbaren Seekarspitze – laut Moser braucht man rund zwei Stunden zu deren Gipfel – oder den südwestseitigen Abstieg zum Pasillsattel. Natürlich findet sich auch am Gipfel ein Wegweiser (Gehzeit zum Pasillsattel ist mit 35 Minuten angegeben), ein Verirren ist also kaum möglich.

Die ersten Meter geht es nun ziemlich steil bergab, rechter Hand kann man sich wie an einer Art niederer Mauer abstützen. Je tiefer man kommt, desto mehr Einblick hat man in diese neue Seite der Seebergspitze, die fast noch schroffer erscheint wie die im Nordosten. Bald kann man rechter Hand die Pasill- alm erkennen, zu der wir aber nicht abstiegen. Wir halten uns auf dem kleinen Sattele (1680 m) links und steigen in gemütlichen Kehren in lichtem Gelände ab. Kurz gelangt man auf eine Art Forstweg, dann folgt man jedoch der guten Markierung und marschiert auf einem Waldsteig weiter abwärts.

Wenn man das Gerntal erreicht hat, findet sich die erste Einkehrmöglichkeit dieser Runde – das Almgasthaus Pletzach-Alm (1040 m). Auf dessen Homepage findet sich jedenfalls ein lustiger Spruch: Wenn wir froh beim Glase auf der Pletzach weilen und die Stunden schneller eilen, trinkt, solange der Becher winkt, nützet Eure Tage. Ob man im Himmel auch noch trinkt, ist erst eine Frage. Laßt die Stimmung ja nicht sinken, zusammenrücken und weitertrinken!

Weiter geht es nun quasi am Fuß der Seebergspitze talauswärts, vorbei an einigen Almhütten und einer entzückenden Kapelle. Dann auf dem romantischen Seebergsteig, der durch schönen Wald führt, weiter, bei einer Wegteilung am oberen Weg halten.

Dieser mündet wieder in den bekannten Aufstiegsweg ein und dann geht es die letzten Meter wieder hinab zum Parkplatz. Direkt gegenüber befindet sich das Strandbad Pertisau mit sehr großer Liegewiese – die Abkühlung war herrlich.

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