Letztes Update am Mo, 18.06.2018 08:16

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Reise

Nur in der First Class fliegt sich's frischer

Viele Reisende kommen nach einem Langstreckenflug zerknautscht, verquollen und schwindlig an. Das muss aber nicht sein. Zwei Flugbegleiterinnen mit ihren Tipps für einen Flug.

© iStock(Symbolfoto)



Von Kathrin Siller

Wer hat sich auf einem Langstreckenflug nicht schon einmal in die First Class gewünscht. Schließlich kämpfen viele „Holzklasse“-Passagiere mit den Tücken des Bordklimas. Flugbegleiterin Herlinde Praxmarer fliegt seit 30 Jahren Langstrecke. Viel zu trinken, ist für die 53-jährige Kärntnerin, die in Scharnitz lebt, das Allerwichtigste: „In der Kabine ist die Luft so trocken wie in der Wüste. Am besten also alle halben Stunden ein Glas Wasser oder Tee trinken. Sie können jederzeit nach heißem Wasser fragen. Wir sind froh, wenn die Leute trinken, denn viele Probleme an Bord entstehen aufgrund von Dehydrierung.“

Jessica Bromberg arbeitet seit zehn Jahren als Flugbegleiterin und liebt ihren Job, „weil kein Tag wie der andere ist“. Die Wahl-Mayr­hofnerin hat immer eine Zahnbürste, Gesichts- und Handcreme dabei. Damit Reisende nicht total vertrocknen, haben sich Feuchtigkeitssprays für die Haut, Augentropfen und Nasencremen bewährt. „Nasenspray trocknet noch mehr aus, hilft aber, wenn man Probleme mit den Ohren hat“, sagt Praxmarer. Viele Passagiere beginnen außerdem zu frieren. „Meistens ist’s an Bord ein paar Grad kälter, damit sich die Luft frischer anfühlt und man weniger Durst hat“, sagt Praxmarer. Wollsocken, ein Schal oder ein warmes Oberteil helfen.

Stundenlang in einer Position zu verharren, ist Gift – nicht nur für Menschen mit Venenproblemen. Die Flugbegleiterinnen raten daher zu Kompressionsstrümpfen, herumzugehen (bitte nicht während der Servicezeiten!) und zu Gymnastik (Füße kreisen und wippen, damit das Blut in Schwung kommt und einem beim Aufstehen nicht schwindlig wird).

Gerade Eltern fürchten sich oft davor, Kinder in Zaum zu halten. Da hilft nichts: Spielzeug, Bücher etc. müssen mit an Bord. Vor dem Flug sollten sie sich noch einmal richtig austoben können. Kinder­essen müssen vorzeitig bestellt werden, deshalb lieber Snacks einpacken, die der Nachwuchs sicher mag. Das gilt auch für Babygläschen. Babys bei Start und Landung stillen oder mit Schnuller und Fläschchen vor Druckproblemen schützen. Bromberg: „Für Kinder immer Wechselkleidung mit haben. Im Flugzeug ist schnell etwas verschüttet.“

Und was tun Menschen mit Flugangst – laut Schätzungen immerhin 20 bis 30 Prozent der Passagiere? „Ich habe kürzlich einer Frau eine Stunde lang die Hand gehalten“, erinnert sich Praxmarer. Deshalb vorab ein Flugangstseminar besuchen, das viele Airlines anbieten, bzw. jemanden zum Gut-Zureden mitnehmen.

Das muss mit auf den Flug

Zum Trinken: Wasserflasche oder Teesackerln zum Aufgießen, ausreichend Milchpulver für Babys Fläschchen

Wenn’s zwickt:

Hals- und Kopfwehtabletten, Tigerbalsam, Nasencreme und -spray, Augentropfen, Thermalwasserspray

Komfortabel schlafen:

Nackenhörnchen oder Hoodie-Kissen (mit Kapuze), Ohrstöpsel, Kompressionsstrümpfe

Für die Kleinen:

Spielzeug, Bücher, Babygläschen bzw. „bewährte“ Snacks, Notfallmedikamente z. B. fiebersenkendes Mittel

Zum Anziehen:

Wechselkleidung und eventuell dünne Mützchen für die Kinder, Jacke, Schal, warme Socken

Nach dem Flug:

damit man seinen Koffer schnell findet: auffällige Kofferbänder, Sticker oder Tücher am Griff




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