Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 22.06.2018


TT-Tourentipp

420 Meter bis zum Gipfelsieg

Von Mittenwald (Bayern) ging’s zuletzt über 1450 m hinauf zur Westlichen Karwendelspitze (2385 m) und wieder zurück. Eine Runde mit gleich mehreren Highlights.

© flexVon der Bergstation mit dem Natur-Informationszentrum, welches einem Riesenfernrohr gleicht, hat man einen traumhaften Tiefblick ins Isartal und nach Mittenwald.



Mittenwald – Wer von Seefeld in Richtung Garmisch fährt, hat mit Sicherheit in Mittenwald schon einmal die Karwendelbahn gesehen. Oder nicht? Rund sieben Minuten in etwa beträgt die Fahrzeit vom Tal bis zur Bergstation. Kurze sieben, dafür atemberaubende, luftige Minuten, in welchen Wanderer, Bergsportler oder Ausflügler in schwindelerregender Höhe von 933 Metern Seehöhe auf 2244 Meter und dabei mitten ins Karwendelgebirge befördert werden.

Wir haben zuletzt die spektakuläre Talfahrt mit der Karwendelbahn zurück ins Tal und nach Mittenwald genossen. Doch zuvor ging’s hinauf. Und zwar zu Fuß über die Dammkarhütte und das legendäre Dammkar auf die Westliche Karwendelspitze.

Von der Dammkarhütte erfolgt der weitere Aufstieg durch das Dammkar (Bild unten).
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Apropos Dammkar: Seit den 30er-Jahren ist das Dammkar Anziehungspunkt vieler Wintersportler. Damals mühten sich Skifahrer noch per pedes den langen Weg nach oben, um die faszinierende Abfahrt zwischen den imposanten Felswänden erleben zu dürfen. Bis endlich im Jahre 1967 die erste Gondel – die Karwendelbahn mit Skisportlern bergwärts schwebte. Heute ist diese Variantenabfahrt nicht mehr wegzudenken und fixer Bestandteil des Mittenwalder Skitourismus und auch bei Skitourengehern im Winter ein beliebtes Tourenziel.

Doch nun zurück zur Tour: Wir starten den Aufstieg beim Parkplatz (3 Euro) der Karwendelbahn und orientieren uns an den gelben Wegweisern, die in Richtung Dammkarhütte führen. Wir entscheiden uns, diesmal auf dem Forstweg, also auf der klassischen Dammkarabfahrt, zu bleiben. Alternativ führt auch ein Waldsteig in Richtung Dammkarhütte.

Von der Bergstation mit dem Natur-Informationszentrum, welches einem Riesenfernrohr gleicht, hat man einen traumhaften Tiefblick ins Isartal und nach Mittenwald. r.Foto: Fotohinweis
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Zu Beginn folgen wir einer kurzen steilen Asphaltstraße nach oben, bis es flacher wird und der Weg in eine Forststraße übergeht. Immer taleinwärts – so weit, bis die breite Straße bei der Materialseilbahn im Talschluss endet und wir einem schmalen, aber keineswegs schwierigen Steig hinauf zur privat geführten Dammkarhütte entlangwandern.

Tourentipp online

Den Track für die Tour finden Sie unter http://bit.ly/2JSTQ4F

Unser erstes Etappenziel auf 1650 Metern und etwa die Hälfte der Tour wäre geschafft. Es ist noch ruhig rund um die Hütte. Gleichgesinnten sind wir heute noch nicht begegnet, nur der Hüttenhund hat uns bemerkt und empfängt uns mit einem sanften Bellen.

Zeit für eine kurze Verschnaufpause muss sein, bevor wir uns wieder an den Wegweisern orientieren und unseren Aufstieg fortsetzen. Über ein Geröllfeld, welches trotz Weges doch etwas mühsam und mehr und mehr alpin wird, lassen wir die Bergwachthütte rechts liegen und steigen das Dammkar weiter empor.

Der Aufstieg zur Karwendelspitze ist seilversichert.
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Wirklich imposant sind dabei die senkrecht aufsteigenden, fast furchteinflößenden Felswände, die uns seit der Hütte begleiten. Ein paar wenige und kurze Altschneefelder stellen nicht wirklich ein Problem dar. Vorsicht ist dennoch geboten.

Geschafft, das Dammkar bzw. die Scharte haben wir erreicht. Nun wartet jener Teil, auf den wir uns schon länger gefreut haben. Der Verbindungstunnel nämlich, der uns auf die andere Seite des Berges bringen wird. Und der ist wirklich cool. „Cool“ im wahrsten Sinne des Wortes, denn im Inneren des 420 Meter langen Stollens, der übrigens gut ausgeleuchtet ist, ist es spürbar kühler, als es draußen noch war. Eigentlich ist es ziemlich kalt – wenn man ehrlich ist. Gut zehn Minuten nimmt die Wanderung durch den Tunnel in Anspruch, bis wir auf der anderen Seite wieder Tageslicht erreichen und in der Karwendelgrube bzw. bei der Bergstation der Karwendelbahn herauskommen.

Die Tour ist aber noch nicht ganz zu Ende. Unser Ziel ist die Westliche Karwendelspitze, und bis zum Gipfelkreuz ist es von hier auch nicht mehr weit. Etwa 25 Minuten. Direkt vom Stollenausgang folgen wir unschwierig einem Teil des „Passamani-Rundwanderweges“, bevor wir links in Richtung Karwendelspitze abzweigen und der drahtseilversicherten Felspassage bis zum höchsten Punkt auf 2385 Metern folgen.

Von der Bergstation mit dem Natur-Informationszentrum, welches einem Riesenfernrohr gleicht, hat man einen traumhaften Tiefblick ins Isartal und nach Mittenwald (oben). Von der Dammkarhütte (links) erfolgt der weitere Aufstieg durch das Dammkar (rechts). Fotos: flex
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Auch wenn die Wegmarkierungen zum Kreuz als „schwarz“ eingestuft sind, wirklich schwierig ist der letzte Zustieg nicht. Trittsicher sollte man dennoch sein.

Kein Wunder, dass dieser Gipfel bei Wanderern und Touristen heiß begehrt ist. Die Rundumsicht über weite Teile des Karwendels und der Tiefblick nach Mittenwald sind einzigartig. Leider sind in der Zwischenzeit ein paar Nebelfetzen aufgezogen, die Sicht ist zunehmend schlechter geworden und somit steigen wir wieder ab bis zur Bergstation.

Apropos Bergstation. Die hat einiges zu bieten. Spannend ist vor allem ein Besuch in Deutschlands höchstgelegenem Natur-Informationszentrum.

Dieser Bau sieht aus wie ein riesiges Holzfernrohr und ragt über die Felskante in Richtung Mittenwald hinaus. Atemberaubende 1300 Meter tief fallen die Blicke dabei aus dem Panoramafenster ins weite Isar­tal hinunter. Und sogar ein Kinosaal, in welchem sehenswerte Filme gezeigt werden, ist über eine Wendeltreppe erreichbar. Wirklich interessant und lehrreich, zudem ist der Besuch kostenlos.

Unsere Tour endet hier. Zumindest, was die sportliche Betätigung betrifft. Nach 1450 Metern Aufstieg und etwa fünf Stunden Gehzeit gönnen wir uns die Talfahrt zurück nach Mittenwald mit der Gondel.

Tickets für die Talfahrt (19,50 Euro + 3 Euro Kartenkaution) können im Bergrestaurant gekauft werden. Kleiner Tipp noch: So manche Bankomatkarte funktioniert leider nicht, Bargeld ist somit hilfreich. (flex)




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