Letztes Update am Fr, 22.06.2018 09:25

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Reise

Antigua und Barbuda: Die buntesten Tage im blauen Paradies

Auf Antigua gibt es im Sommer viele gute Gründe zum Feiern: Dem Ende der Sklaverei wird gedacht und der Karneval beginnt. Die Schwesterinsel Barbuda muss sich erst erholen und Robert de Niro will dabei helfen.

© KellerAntigua zählt 365 Strände – viele davon sind im Süden der Insel zu finden.



Von Thorsten Keller

Es ist schon Hochsommer, wenn auf Antigua die fünfte Jahreszeit beginnt. Seit 1957 wird auf der Karibikinsel rund um den 1. August der Sommerkarneval gefeiert – in diesem Jahr zum 61. Mal. Der Hintergedanke damals: Mit der Einführung des bunten Karnevaltreibens sollte der Tourismus auf der Insel angekurbelt werden.

Doch auch an anderer Stelle war der 1. August für Antigua schon von großer Bedeutung, denn 1834 wurde auf der Insel an diesem Tag die Sklaverei verboten. Auch ein Grund zum Feiern, und folglich wird es laut, wenn in der Hauptstadt St. John’s Anfang August zehn Tage und zehn Nächte lang Rum und Punsch in Strömen fließen und Steel Bands durch die Straßen ziehen. Laut und bunt, doch bunt ist Antigua, das mit seiner Schwesterinsel Barbuda seit 1981 von Großbritannien unabhängig ist, auch an den verbleibenden 355 Tagen im Jahr.

Ein Traum für Segler sind die natürlich geformten Häfen Antiguas.
- iStock

Auf Tuchfühlung mit Rochen

„Uns macht niemand irgendwelche Einschränkungen, wenn wir unsere Häuser bunt anstreichen“, lacht Taxifahrer Joseph bei der Fahrt über die Insel. Das Ziel ist Stingray City im Osten Antiguas, wo Speedboote bereits auf die Tagesausflügler warten, die oft mit Kreuzfahrtschiffen im Hafen von St. John’s ankommen.

Die Boote jagen los zu einer schwimmenden Plattform in einem Riff, wo sich vier Dutzend Rochen bereits versammelt haben. „Die wissen genau, dass Essenszeit ist, wenn die Boote kommen“, erklärt Tourguide Steven. Füttern, streicheln, busseln. Die Meeresbewohner lassen ihre Besucher nahe an sich heran. Auch wenn der Sog, den die Rochen beim Aus-der-Hand-Fressen erzeugen, doch gewöhnungsbedürftig ist.

Die Urlauber können am Hafen shoppen, andere gehen lieber mit Rochen schwimmen.
- Keller

Weiter in Richtung Süden, vorbei an einigen der schönsten der insgesamt 365 Strände, die den Bewohnern Antiguas an jedem Tag im Jahr eine große Auswahl bescheren. Nelson’s Dockyard wiederum, ein beliebtes Ausflugsziel, ist die einzige noch intakte Marinewerft der Karibik aus dem Georgianischen Zeitalter. Seit Juli 2016 gehört die Werft zum Unesco Weltkulturerbe. Jährlich Ende April wird die alte Werft zu einem Mekka für Segel-Enthusiasten. Dann findet hier die „Antigua Sailing Week“ statt, die sich unter den Skippern der Welt einer großen Beliebtheit erfreut. Beim Rundgang durch Nelson’s Dockyard wird Rum gereicht – damals wie heute für Antigua ein wichtiges Handelsgut. Und dazu ein Stück „Pineapple Turn­over“ oder „Coconut Cream Pie“ aus der Dockyard-Bäckerei. Köstlich!

Wenn die Riesen anlegen

Eine Stärkung auch für den kommenden Tag, der im Hafen von St. John’s beginnt. Hier liegt ein Kreuzfahrtriese am Dock. 650.000 Kreuzfahrtgäste gehen von Bord der über 300 Kreuzfahrtschiffe, die im Jahresverlauf im Hafen von St. John’s andocken. Zumindest einen Tag lang wollen die Passagiere auf der Antilleninsel verbringen, bevor sie weiterschippern, um nach einer Nacht auf See gleich schon im nächsten Karibikhafen festzumachen.

Im bunten St. John legen Kreuzfahrtschiffe an.
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In St. John’s heißt man die Kreuzfahrttagesgäste willkommen. Sie bringen Kaufkraft auf die Insel. „Wir möchten in den kommenden Jahren noch weiter in den Hafen investieren und das Hafenviertel in St. John’s komplett zu einer Fußgängerzone umgestalten“, schaut Colin James, der Chef der nationalen Tourismusorganisation Antiguas nach vorne. Viele Einwohner der Insel leben vom Tourismus – entsprechend hoch ist das Angebot an Ausflügen.

Neben dem Luxusliner, fast kaum zu sehen bei der schieren Größe des Ozeanriesen, hat die Excellence festgemacht – ein Event-Katamaran, der Touristen nach Barbuda bringt. 90 Minuten dauert die Fahrt vorbei an Antiguas Nordküste und dann nordwärts durch die Karibische See auf die Schwes­terinsel, die im vergangenen Herbst von Hurrikan Irma besonders schwer getroffen wurde.

Irgendwann auf der Überfahrt kommt am Ende des Horizonts ein schmaler Streifen Sandstrand in Sicht – kilometerlang und ohne Menschen. „11 Mile Beach“, und gleich dahinter die Lagune Barbudas. Die Excellence legt an. Knöchelhohes Karibikwasser begrüßt die Urlauber an einem Strand, an dem nun aber auch jeder sein ungestörtes Plätzchen findet, um sich zwei Stunden lang in der Sonne zu aalen.

Viele Relikte aus er Kolonialzeit sind noch erhalten, wie hier bei Fort James.
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95 Prozent der Häuser zerstört

Das Alternativprogramm ist ein Vogelschutzgebiet, das quer über die Lagune mit Schnellbooten erreicht wird. Die Reste von Barbudas Hauptort Codrington, in dem vor Hurrikan Irma die meisten der 1500 Inselbewohner lebten, bleiben den Besuchern verborgen.

In dem Ort, in dem 95 Prozent der Gebäude von Irma zerstört wurden, mussten alle Bewohner evakuiert werden. „Wir möchten Barbuda behutsam aufbauen und entwickeln“, sagt Tourismuschef Colin James.

Und das will auch Hollywood-Star Robert de Niro. Dessen Pläne für den Wiederaufbau des vor seiner Schließung legendären K-Club im Süden Barbudas sind jedoch ambitionierter und schnelllebiger – und nicht wirklich behutsam.

Barbuda wurde von Hurrican Irma schwer getroffenen.
- AFP

Die ehemalige Luxusferienanlage, wo unter anderem Prinzessin Diana einst mit ihren Söhnen William und Harry in aller Abgeschiedenheit ihren Urlaub verbrachte, möchte de Niro mit einer Investorengruppe zu neuem Leben erwecken.

Doch der neue Luxus auf Barbuda mit Marina, Flughafen und exklusiven Villen für Superreiche schmeckt auf Barbuda nicht jedem Bewohner. Eine Einwohnergruppe aus Codrington wehrte sich massiv gegen das Projekt – vor Hurrican Irma. Mittlerweile haben sich die Lebensbedingungen auf Barbuda geändert – und de Niro und seine Kollegen haben eine Jobgarantie für alle Einwohner der Insel in Aussicht gestellt, falls der K-Club mit seinem neuen Namen ‚Paradise Found‘ schluss- endlich dann doch noch eröffnet werden kann.

Warmlaufen fürs Einlaufen

Ein zweischneidiges Schwert mit derzeit offenem Ausgang, doch auf der Excellence herrscht auf der Fahrt von Barbuda zurück nach St. John’s dennoch gute Laune. Die Crew des Katamarans lässt Reggae vom Band laufen. Die Passagiere tanzen, dazu fließt Punsch. Warmlaufen fürs Einlaufen im Hafen von St. John’s. Und für die Einheimischen auch Warmlaufen für die fünfte Jahreszeit auf Antigua, die hier bald wieder beginnen wird.

Infos

Anreise nach Antigua: Via London ganzjährig mit British Airways oder Virgin Atlantic. Direktflüge ab Frankfurt in der Wintersaison von Anfang November bis Ende April mit Condor.

Unterkunft: Carlisle Bay, Old Road ( www.carlisle-bay.com ), Luxusanlage mit 87 Suiten und Doppelzimmern, großzügiger Poolanlage, Bibliothek und Fahrradverleih. Admiral’s Inn & Gunpowder Suites, Nelson’s Dockyards ( www.admiralsantigua.com , aus dem 18. Jahrhundert stammendes Hotel am Eingang zum Unesco Weltkulturerbe Nelson’s Dockyards mit 19 Zimmern. Die vier Gunpowder Suites sind aus dem ehemaligen Pulverdepot der Dockanlagen entstanden. Am Abend tolle Ausblicke über Nelson’s Dockyards.

Weitere Informationen unter: www.visitantiguabarbuda.com




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