Letztes Update am Mo, 25.06.2018 15:51

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Urlaub

Haustausch: Der Schlüssel zum Urlaubsglück

Hotel, Camping oder Bungalow: Es gibt viele Varianten, wie man im Urlaub wohnen kann. Auch den Haustausch. Jessica Braun und Christoph Koch sind seit fünf Jahren überzeugte Haustauscher und bewohnen derzeit ein Heim im Tiroler Natters.

© TT/Rudy De MoorJessica Braun und Christoph Koch in der Innsbrucker Altstadt.



Von Evelin Stark

Dein Haus, mein Haus – wenn Jessica Braun und Christoph Koch irgendwo auf der Welt Urlaub machen, ist gleichzeitig irgendjemand anderes in ihrer Wohnung und erholt sich. Seit fünf Jahren ist das Berliner Paar als Haustauscher aktiv: Sie machen da Urlaub, wo andere wohnen – in echten Wohngegenden, mit Nachbarn am Gartenzaun und dem Lieblingscafé an der Ecke. Sie erleben in ihren Ferien den Alltag fernab von Zimmermädchen und Hotelpool. Und auch ohne Reisebüro.

„Über das Haustauschen kommt man an Orte, wo man nicht gewusst hat, dass man hin will“, lacht Jessica Braun. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten hat die 43-Jährige in den letzten fünf Jahren insgesamt zwölfmal Haus getauscht. Letztes Jahr haben die beiden Journalisten darüber sogar ein Buch geschrieben: In „Your Home is My Castle“ teilen sie ihre Erlebnisse und geben Ratschläge zur richtigen Vorbereitung.

Christoph Koch streichelt die Haus(tausch)katze in Aukland, Kalifornien.
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Haustausch Nummer zwölf ist übrigens noch nicht ganz vorbei: Seit fast drei Monaten urlauben die Wahl-Berliner in einem Einfamilienhaus in Natters und „genießen die Ruhe, das Vogelgezwitscher und die Berge“ hier in Tirol. Ihre Tauschpartner aus Natters erleben derweil das großstädtische Flair in ihrer Wohnung am Prenzlauer Berg.

Angefangen hat das Haustauschen in den 1950er-Jahren in den USA. „Es wurde von Lehrern gegründet, die untereinander Adresslisten ausgetauscht haben“, erzählt Christoph Koch. Als günstige Variante zum Urlaub im Hotel habe sich diese besondere Art des Reisens immer weiter verbreitet.

Heutzutage sei das Ganze viel unkomplizierter, aber vom Prinzip her dasselbe: Durch Suche in einem der Online-Portale wie „HomeLink“ oder „HomeExchange“ und unter Eingabe des eigenen Urlaubsdatums finden sich Gleichgesinnte, die für denselben Zeitraum ihr Heim gegen ein anderes tauschen wollen. Der Vorteil des Ganzen: „Man ist unter sich und frei von kommerziellen Ferienhausanbietern oder Ähnlichem“, so der 44-Jährige.

Jedes Mitglied eines Portals zahle nämlich einen Jahresbeitrag und damit sei gesichert, dass es auch alle ernst meinen mit dem Haustausch. Vertrauen und Privatsphäre seien nämlich ein großes Thema in diesem Bereich. Braun und Kochs erster Haustausch vor fünf Jahren war zurückhaltende drei Tage kurz und nicht allzu weit entfernt von ihrer Wahlheimat Berlin. „Ein Freund von uns hatte in einem Artikel über das Haustauschen geschrieben, deshalb wollten wir es ausprobieren“, erzählt der Autor.

Das verlängerte Wochenende in Kopenhagen habe trotz mulmigen Gefühls gut funktioniert und auch die Rückkehr war erfreulich: „Die Wohnung war fast sauberer als vorher. Das einzige Anzeichen, dass jemand anderes hier gewohnt hatte, war, dass die Kaffeetassen falsch herum im Schrank standen“, lacht der bärtige Haustauscher.

Es folgten also etliche weitere Urlaube in fremden Heimen und Orten – mal ein paar Tage, mal mehrere Wochen oder Monate. Von Prince­ton über Oakland (Kalifornien) bis Perth in Australien und Oaxaca in Mexiko waren viele Ecken der Welt dabei, die eigentlich gar nicht von dem vielreisenden Paar geplant waren.

Tauschpartner aus Schweden haben diese Biersammlung als Heimkehrgeschenk hinterlassen.
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Sondern sie sind ihnen über das Haustauschen „passiert“. „Oft ist es so, dass sich über das Portal Leute bei uns melden, die im selben Zeitraum verreisen wollen wie wir“, erzählt Braun. So hätten die beiden schon des Öfteren ungeplant neue Orte bereist.

„Für uns ist es eine wunderbare Möglichkeit, neue Lebensentwürfe auszuprobieren“, sagt die Autorin. So hätten sie zum Beispiel bereits zweimal Häuser mit Katzen übernommen. „Wir haben selbst keine Haustiere und konnten auf diese Weise ausprobieren, wie das Leben mit Tieren ist.“

Im mexikanischen Oaxaca hätten sie sogar die Großmutter ihrer Tauschpartner übernommen. „Man spricht sich ja alles im Vorfeld ab, also ist es Sache des eigenen Ermessens, ob man mit Tieren oder Mitbewohnern zurechtkommen kann und will“, so Koch. Es sei außerdem auch eine Frage des Typs, ergänzt seine Reisepartnerin.

Eine der vielen Freuden des Haustauschs sei es nämlich, in andere Kulturen eintauchen zu können und ein Stück weit das Leben der anderen erleben zu können. „Oft ist es so, dass uns Hausbesitzer ihre Freunde als Kontakt vermitteln. Wir waren zum Beispiel einmal über Weihnachten in einem Haus“, erzählt Koch. Die Freunde der Haustauscher vor Ort hätten die beiden Berliner dann zu ihnen zum Weihnachtsessen eingeladen.

Weitere Vorteile des Haustauschs seien, dass vieles bereits in den Heimen der Tauschpartner vorhanden sei, was man in einem anderen Urlaub vielleicht mitbringen müsste. „Für unsere Zeit hier in Natters war es toll, dass wir uns die Wanderstöcke unserer Tauschpartner ausleihen konnten“, so Koch. Familien mit Kindern könnten auf diese Weise zum Beispiel darauf verzichten, Spielsachen, Bücher und Kinderwägen mit in das Gepäck nehmen zu müssen.

Und wenn etwas passiert? „Bei uns war bis jetzt noch nie etwas“, sind sich beide einig. „Wenn einmal ein Glas zerbricht, ersetzt man das einfach.“ Trotzdem sei es ratsam, eine Haftpflichtversicherung abzuschließen, um den Tausch­urlaub entspannt begehen zu können. Und vor allem auch entspannt wieder im eigenen Heim anzukommen. Den Schlüssel in der Wohnungstür umzudrehen, sei jedenfalls zu Hause und in der Ferne immer wieder ein spannender Moment.

Dort erwarte einen meist – nebst den sauber aufgeräumten vier Wänden – ein Willkommensgeschenk der Menschen, die für die nächsten Tage oder Wochen ihnen ihr Heim anvertrauen. Man bleibe aber ohnehin in Kontakt, schicke sich gegenseitig Fotos von den Tauschhäusern oder melde sich bei Fragen zum Haus, die sich während des Aufenthalts ergeben.

„Während des Haustauschens lernt man auch das eigene Zuhause mehr zu schätzen“, sagt Koch. Jedes Zuhause sei aber etwas Besonderes, ergänzt Braun: „Man bekommt Heimweh nach Orten, in denen man nicht lange gelebt hat.“

So geht Haustausch

Was früher über Briefverkehr und Listen ging, geschieht heute übers Internet: „HomeLink“ ist das älteste weltweite Netzwerk für Haustausch. Helena Hefti ist Mitarbeiterin in der Schweiz.

Die Geschichte von „HomeLink“ reicht bis 1953 zurück. Wie hat alles begonnen?

Wie hat sich das Haustauschen im digitalen Zeitalter entwickelt?

Wie finanziert sich aber Ihre Plattform, wenn die Mitglieder alles direkt ausmachen?

Gab es schon einmal Probleme bei einem Haustausch? Was kann man da tun?

Sind Sie selbst aktive Haustauscherin? Wohin geht die nächste Reise?