Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 05.07.2018


Tourismus

“Ein Gebot der Stunde“: Autofrei in den Tirol-Urlaub

Ohne Auto in die Ferien: Experten der Uni Innsbruck haben in den letzten zwei Jahren Urlauber befragt und Ideen entwickelt, die den nachhaltigen Tourismus in Tirol fördern.

© Julia HammerleNur die wenigsten Urlauber lassen ihr Auto in der Garage. Das wollen Experten der Uni Innsbruck nun ändern.



Von Evelin Stark

Innsbruck – Urlaubszeit ist Reisezeit. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Möglichkeiten, von A nach B, also von daheim bis zum Urlaubsziel, zu kommen. Die meisten Touristen steigen jedoch nach wie vor gemütlich ins eigene Auto: „80 Prozent der Urlauber kommen mit dem Pkw nach Tirol, acht Prozent mit der Bahn und zwölf Prozent mit dem Flugzeug“, berichtete Katleen Johne (Tirol Werbung) am Mittwoch bei der Projektpräsentation von „Easy Travel – Ohne Auto in den Urlaub“. Mobilität und Tourismus bezeichnete sie dabei als Schicksalsgemeinschaft, die untrennbar sei.

Dennoch scheint sich etwas zu bewegen: „Den Gästen zu ermöglichen, ohne Auto nach Tirol zu kommen, ist ein Gebot der Stunde. Es geht um die Bewältigung der Verkehrsprobleme und um die Nachhaltigkeit, die auch im Tourismus eine immer größere Bedeutung hat. Dass immer mehr Menschen in Städten gar kein eigenes Auto mehr besitzen, um damit in den Urlaub zu fahren, spielt aber ebenso eine Rolle“, sagte Markus Mailer.

Er ist Arbeitsbereichsleiter für Intelligente Verkehrssysteme an der Universität Innsbruck und hat das Forschungsprojekt „Easy Travel“ während der letzten beiden Jahre betreut. Ziel des Projekts, das gemeinsam mit Tirol Werbung, Ötztal Tourismus und weiteren Partnern verwirklicht wurde, war es, „ein Rundumsorglospaket für Nicht-Pkw-Anreisende“ zu entwickeln.

Um eine Ahnung davon zu bekommen, was die wichtigsten Bedürfnisse von Touristen in Tirol sind, hat Mailer in der Projekt-Modellregion Ötztal seit 2016 über 11.000 Befragungen vorgenommen. Deren Auswertung ergibt, dass bei den Urlaubsgästen drei zentrale Punkte für die Entscheidung, mit dem Auto in Urlaub zu fahren, eine Rolle spielen: Gepäcktransport, Mobilität vor Ort und fehlende durchgängige Buchungsmöglichkeiten für die Anreise mit den Öffis. Hier wollen die Projektpartner nun ansetzen.

Was (noch) gegen den Zug spricht: Als Gründe gegen die Bahnnutzung geben die Befragten von „Easy Travel" u. a. den komplizierten Gepäcktransport mit Ski-Equipment im Winter an, im Sommer störte am meisten der im Vergleich zur Autofahrt höhere Anreise-Preis. Auch die „letzte Meile" vom Bahnhof zur Unterkunft und die nicht vorhandene Mobilität im Urlaubsort stören. Die Initiative „Tirol auf Schienen" der Tirol Werbung bemüht sich seit sechs Jahren, die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr zu forcieren.

Jüngere Gäste wollen Carsharing: Um mehr Touristen dazu zu motivieren, mit der Bahn nach Tirol zu reisen, braucht es Lösungen, die den Bedarf an Mobilität im Urlaubsort decken. Carsharing-Angebote im Urlaubsort, die bestenfalls schon mit bestehenden Autoteil-Mitgliedschaften genutzt werden können, stießen bei der Befragung vor allem bei jüngeren Gästen auf großes Interesse. Noch sei Carsharing im Tourismus allerdings in keinem tragfähigen Ausmaß vorhanden, so Markus Mailer.

Wie kommt der Koffer ins Hotel? Franz Sailer, Geschäftsführer der Ötztaler Verkehrsgesellschaft, weiß, dass Gäste im Urlaub durchaus bereit sind, auf ihr Auto zu verzichten: „Der Komfort muss stimmen und dazu gehört auch der Gepäcktransport. Die Aufgabe aller Mobilitätspartner im Tourismus lautet, die Anreise für alle Reisenden so bequem wie möglich zu konzipieren." Die Statistik gibt ihm Recht: Fast 45 Prozent der Befragten gaben an, wegen des komplizierten Gepäcktransports nicht mit der Bahn fahren zu wollen.

Einfaches Buchen der Anreise: Eine Reise im Internet zu buchen, ist inzwischen kein Thema mehr. Wa­rum nicht auch die Anreise per Flugzeug, Zug oder Öffis in den Urlaubsort über lediglich eine Plattform möglichst problemfrei organisieren? „Der Reisende soll Servicebausteine von der Planung bis zur Rückkehr nach Hause angeboten bekommen, die keine Lücke in der Mobilitätskette zulassen", betont Projektleiter Markus Mailer. An einem derartigen Projekt soll nun gearbeitet werden.