Letztes Update am Fr, 13.07.2018 09:20

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Reise

Mauritius: Wo Reiseträume durch den Magen gehen

Zuerst waren die Araber da, dann kamen Europäer, Inder und Chinesen auf die Zuckerinsel. Heute besuchen Reisende aus aller Welt Mauritius. Angezogen von malerischen Stränden und tropischer Flora erliegen sie dem Reiz der kulturellen Vielfalt, die sich auch in der Kulinarik zeigt.

© Theresa MairMit weißen Stränden und klarem Meer ist Mauritius ein Magnet für Hochzeitspaare.



Von Theresa Mair

Pamplemousses, La Vanille, die Tamarin-Fälle, Quatre Cocos Palmar, Pointe aux Piments – die Orte, die sich auf der Landkarte von Mauritius verteilen, klingen verheißungsvoll, exotisch, nach Kokos und Rum, frischen Früchtchen und peffrriger Lebensfreude. Sie machen Lust auf mehr. Mehr zu erfahren als das, was man von der Insel ohnehin zu wissen glaubt.

Nämlich, dass sie mit dem blauseidenden Meer und den samtig weißen Stränden, ihrer üppigen Vegetation, eine Destination für gut Betuchte, Hochzeiter und Honeymooner ist, die dort dem süßen Nichtstun fröhnen.

Die Balaclava-Ruinen erzählen Kolonialgeschichte.
- Theresa Mair

Eine der freudvollsten Gelegenheiten, sich dem Land und seinen Leuten zu nähern, ist es, sich bei einem kulinarischen Spaziergang mit Yianna Andoine in den lebendigen Vierteln von Port Louis zu verlieren. Dort, wo die Patina der Kolonialzeit sich auf die Fassaden gelegt hat, weht auch im 50. Jahr der Unabhängigkeit ein Hauch der Vergangenheit durch die Gassen. Andoine ist Historikerin und hat mauritische Literatur studiert.

Seit zwei Jahren führt sie für das Start-up „My Moris“ Touris in die Seitenstraßen der Hauptstadt, abseits der Bankenviertel der Steueroase, die Mauritius zweifelsohne auch ist. Dorthin, wo man keine Schlipsträger sieht und keine Luxuskarrossen, sondern Holzkarren, die mit Grünzeug beladen sind, Jutesäcke voller Gewürze, leuchtend rote Chilischoten und Unmengen getrockneten Fisch. Er riecht intensiv salzig und zugleich grauenhaft modrig, nach nasser Wäsche, die man in der Maschine vergessen hat. Andoine schmeckt der Trockenfisch auch nicht, obwohl ihn ihre Mama am liebsten als Fischeintopf verkocht.

Man trifft Leute wie die indischstämmige Familie Gujarat, die seit drei Generationen ein Warenhaus für Zucker, Mehl und andere Lebensmittel im indischen Viertel betreibt, wo der Mehlstaub in den spärlichen Lichtstrahlen unter dem Holzgebälk tanzt.

„Das französische Gesetz verlangte, dass die Grundmauern aller Häuser aus Stein gebaut wurden. Nur das Dach durfte aus Holz sein“, erklärt Andoine die koloniale Bauweise. Für das Warenlager sei das gut, denn der von Hand geschnittene Vulkan- oder Kalkstein sperrt die Hitze aus.

Ins Hafenbecken von Port Louis verirren sich auch manchmal Delfine.
- Theresa Mair

Noch heute schließen viele Geschäfte des Landes am Donnerstag­nachmittag, weil dies der traditionelle Zeitpunkt war, an dem die Mauritier Nachschub aus den Lagern herschaffen mussten. Vom indischen Viertel spaziert Andoine nur ein paar hundert Meter weiter, in das wohl engste Lokal der Insel in Chinatown. In einem schmalen Schlurf, an mikroskopischen Tischchen, bekommen die Gäste chinesische Knödelchen serviert, eine Art Nudelkugeln gefüllt mit Gemüse. Die Inder und Chinesen sind als Zeitarbeiter auf die Insel gekommen, nachdem die Briten 1835 die Sklaverei verboten hatten, wie Andoine erzählt.

Süße Versuchung für Siedler

Leibliche Motive haben hier auf Mauritius und seiner kleinen Schwesterinsel Rodrigues auch die Politik bestimmt. „Es gibt keine indigene Bevölkerung. Die Araber haben Mauritius auf die Landkarte gesetzt, aber nicht kolonisiert. Später kamen die Portugiesen, 1598 dann die Niederländer, um sich entlang der Gewürzstraße niederzulassen. Die Franzosen haben Anfang des 18. Jahrhunderts mit dem Zuckerrohranbau begonnen. Die Zuckerindustrie hat den Reichtum nach Mauritius gebracht“, erzählt Andoine am reich mit Ananas und Mangos ausstaffierten „My Moris“-Stand am Hafenbecken von Port Louis, in welchem sich gerade die Delfine tummeln und alle Blicke auf sich ziehen.

Zuletzt sind die Franzosen 1810 den Briten unterlegen, doch ihre Sprache durften die Inselbewohner behalten. So kommt es, dass sie heute mit einer unglaublichen Leichtigkeit zwischen Englisch und Französisch wechseln. Untereinander sprechen sie Kreolisch, ein Französisch, das durchwirkt ist von den sprachlichen Einflüssen der einstigen Sklaven.

Die imposanten Statuen von Shiva und seiner Frau Parvati ziehen Hunderttausende Pilger an.
- Theresa Mair

Europäer, Inder und Chinesen haben ihre Religionen und Feste mitgebracht – und ihre Geschmäcker, die sie mit den Zutaten der Insel verfeinert haben. Herausgekommen ist die kreolische Küche, die man am gemütlichen Trou-Fanfaron-Markt, der nicht so überlaufen ist wie der touristisch genutzte Central Market, verkosten kann.

Flüssige Gaumenfreuden

Flink und nur mit ihren mehligen Fingern als Hilfmittel walkt ein altes Mütterchen Rotis aus, eine Art Palatschinken, die es mit Rougaille (Tomatensauce, Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer und einer Prise Chili) füllt. Wer sich nicht nur bekochen lassen, sondern auch selbst Hand ans Gemüsemesser legen will, ist bei Rakesh Munoruth gut aufgehoben.

Geräucherte Marlinröllchen auf einer Kokosmilch-Limettenemulsion sind nur der Auftakt dessen, was der Hotelkoch seinen Gästen beibringt. Und beim Verkosten auf der Terrasse des eleganten Château-Mon-Désir-Restaurants bleiben keine Wünsche offen. Im Gegenteil, der Gaumenschmaus konkurriert

mit dem Augenschmaus, dem Blick auf die Turtle Bay (Schildkrötenbucht), mit den Balaclava-Ruinen – nationales mauritisches Erbe inmitten tropischer, luftwurzel- werfender Banyan-Bäume in der ausladenden Martim-Hotelanlage.

Die Turtle Bay hat übrigens ihren Namen von den auf Mauritius häufig vorkommenden Riesenschildkröten, die hier vielerorts wie eine Attraktion in Gehegen bewundert werden können. In den Gärten des kolonialen Château de Labourdonnais zum Beispiel, das umgeben von Zuckerrohrfeldern und Mango-Bäumen wie eine flieder- und vanillefarbene Zuckergusstorte hervorsticht. Feines Tafelparkett, Löwenskulpturen und mit Jagdszenen bemalte französische Tapeten geben einen Eindruck vom Leben der besseren Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Doch noch heute kann man es sich dort gutgehen lassen, mit einem Schluck goldenen Rums aus der hauseigenen, preisgekrönten Destillerie, der ölig trockenen Kehlen schmeichelt. Einen Preis Leidenschaft hätte auch Alexander Oxenham verdient.

Mit der Takamaka-Winery hat sich der studierte Önologe erst vor Kurzem einen langgehegten Traum erfüllt: mauritischen Wein zu keltern. Dazu muss man wissen, dass auf der feuchtwarmen Insel keine aromatischen Trauben gedeihen.

Ohne sich lange damit aufzuhalten, wie es doch gehen könnte, begann er an Lychees zu herumzutüfteln. Das Ergebnis kann sich schmecken lassen und hat es auf der Insel bereits auf die Weinkarten von experimentierfreudigen Luxusherbergen wie dem Lux Grand Gaube im Nordosten geschafft. Dieses hat sich zuletzt auch gewagt. auf den trendigen Peru-Zug aufzuspringen und die hippen Gäste mit Pisco Sour und Ceviche zu verwöhnen.

Nur nix Österreichisches

Gut 60 Kilometer weiter südlichwestlich, wo sich das Meer von seiner sanft-kitschigen Fototapeten-Palmenstrand-Ansicht in ein tobendes Abenteuer verwandelt, das wild in die Buchten peitscht, hat sich Willi Reinbacher seinen Traum erfüllt. „Island Eatery“ nennt der gebürtige Ennstaler (Steiermark) das, was er macht. Kurz: Auf der Karte seines Surferlokals „Wapalapam“ am Fuße des legendären Sklavenfelsens Le Morne Brabant steht vom Wok über Currys bin hin zu Nudeln „alles, nur nichts Österreichisches und nichts Mauritisches“. Der Plan des Ex-Hotelkochs, der dauernd unter Strom zu stehen scheint, ist es, aus dem „Wapalapam“ ein Weltprojekt zu machen. Franchise – von Mauritius in die weite Welt. Zur Seite stehen ihm seine mauritische Frau Gloria und als Geschäftspartner der slowenische Profi-Snowboarder Rok Flander.

Dabei ist gerade in Mauritius mit seiner Geschichte, seinen Bewohnern ein exotischer Schmelztiegel der Kulturen, den man am eindrücklichsten auf der Fahrt von Nord nach Süd über den Black-River-Nationalpark mit seinen Wasserfällen, Wandergebieten und Makaken erlebt. Der Weg führt vorbei am heiligen Grand-Bassin-See mit der 33-Meter-Statue von Shiva und seiner Frau Parvati an seinem Eingang, Schauplatz der größten Hindu-Pilgermärsche außerhalb Indiens – was das riesige asphaltierte Areal um die Skulptur erklärt. Es ist eine Reise entlang von süßen Zuckerfeldern, Kokospalmen, weißen Stränden und blauem Meer, und man lernt mehr kennen, als was man von Mauritius bereits zu wissen geglaubt hat.

Multikulti-Insel im Indischen Ozean

Die Insel Mauritius ist nach dem niederländischen Prinzen Mauris von Nassau benannt. Mit einer Fläche von 1865 km² –45 Kilometer breit und 65 Kilometer lang – ist die Insel flächenmäßig vergleichbar mit Mallorca und zählt ca. 1,2 Mio. Einwohner (inkl. Rodrigues).

Mauritius

ist am 20 Breitengrad, rund 800 Kilometer östlich von Madagaskar und 2000 Kilometer von der afrikanischen Südostküste gelegen. Die Zeitverschiebung zur mitteleuropäischen Sommerzeit beträgt plus zwei, zur Winterzeit plus drei Stunden. Zurzeit herrscht der mauritianische Winter, der mit Temperaturen von knapp über 20 Grad Celsius äußerst mild ausfällt, v. a. im Norden der Insel.

Anreise:

Sowohl die Austrian Airlines (Winterflugplan) als auch Emirates – Zwischenstopp in Dubai – steuern das Inselparadies regelmäßig von Wien aus an. Die reine Flugzeit beträgt circa zwölf Stunden.

Interessierten Urlaubern schickt die deutsche Vertretung von Mauritius Tourismus kostenlos umfangreiche Reiseinformationen per Post zu. Kontakt: www.tourism-mauritius.mu/de>

Die Autorin reiste auf Einladung von Mauritius Tourismus.




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