Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 22.07.2018


Reise

Griechenland, ein ziemlich teures Urlaubsvergnügen

32 Millionen Gäste aus aller Welt werden in diesem Jahr am Peloponnes erwartet. Doch preiswert ist der Urlaub nicht.

© APA (dpa)/Philipp LaageDie Wiederentdeckung Griechenlands als begehrtes Urlaubsziel hat ihren Preis.Foto: dpa/Laage



Von Ferry Batzoglou

Athen – Es ist sieben Uhr in der Früh, das Meer ist ruhig. Im Hafen von Piräus herrscht Hochbetrieb. „Nach Tinos, bitte. Zwei Erwachsene, ein Kind. Mit der Blue-Star-Fähre. One way, bitte.“ Die junge Griechin tippt noch rasch die Namen der Passagiere ein. „Das macht 87,50 Euro.“ „Poso? Wie viel? Ich habe One way gesagt, ohne Auto.“ „Ich weiß. Das ist One way, ohne Auto. Und das macht 87,50 Euro. 35 Euro pro Erwachsenem, das Kind die Hälfte.“

Die Fahrt von Piräus zur Kykladeninsel Tinos mit der konventionellen Fähre – ein gemächliches Schippern durch die griechische Ägäis. Der Filterkaffee an Bord kostet stolze vier Euro, der Kuchen sogar sechs Euro.

Wer glaubt, an Land werde es günstiger, der irrt. Zwei Sonnenliegen plus Sonnenschirm kosten in Tinos sechs Euro, Getränke oder Essen von der Beachbar natürlich extra. Der Besuch in Tavernen ist ebenso etwas für dicke Geldbeutel: Der Bauernsalat ist für acht Euro zu haben. Mindestens. Ein Bier kostet vier Euro – die kleine Flasche. Dabei gilt das beschauliche Tinos eher als ein Urlaubsziel mit vergleichsweise moderaten Preisen.

Fakt ist: Griechenland ist der große Gewinner dieser Urlaubssaison. Griechenland erlebt den Super-Sommer. 32 Millionen Gäste werden in diesem Jahr in Korfu, Kreta, auf den Kykladen, Rhodos oder auf dem Peloponnes erwartet. Dies wären noch einmal fast zehn Prozent mehr als im vorigen Jahr – und ein neuer Rekord.

Lange vor der Hochsaison suchte eine spürbare Teuerung das Land heim, vor allem im Gastgewerbe. Ausgerechnet alle für die Urlaubskasse relevanten Posten sind in die Höhe geschnellt: die Preise in Restaurants, Konditoreien, Cafés, Hotels, Motels und Pensionen sowie die Preise für Getränke und Tabakwaren. Besonders teuer ist Benzin: Auf der Kykladen-Insel Sikinos knackte der Preis für einen Liter die Marke von zwei Euro. Zieht man das Krisenjahr 2009 für die Preisentwicklung heran, haben sie sich bis heute um bis zu 47,44 Prozent erhöht.

Der Urlaub in Griechenland ist zu einem teuren Vergnügen geworden, das sich viele Einheimische nicht leisten können. Eine Fahrt mit der Fähre von Piräus nach Lesbos und zurück für eine Familie mit Pkw kostet über 600 Euro. Unterkünfte in den beliebtesten Urlaubszielen sind für einen Durchschnittsverdiener kaum noch bezahlbar. Unter 150 bis 200 Euro pro Nacht ist in Mykonos oder Santorin derzeit kaum eine anständige Bleibe zu haben.

Davon hat das Fußvolk nichts. Köche, Kellner, Rezeptionisten oder Zimmermädchen schuften für einen Monatslohn von 200, 300 oder allerhöchstens 900 Euro. Sieben Tage die Woche. Unzählige Überstunden sind völlig normal – unbezahlt natürlich.




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