Letztes Update am So, 29.07.2018 07:11

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sommer 2018

Warum Hitze im Urlaub angenehm ist und zu Hause nicht

Wir reisen gerne in heiße Länder, beklagen uns aber über die Hitze zu Hause. Wissenschafter erklären, warum sich gleiche Temperaturen hier und im Urlaub anders anfühlen.

© TT/Thomas Böhm(Symbolbild)



Von Anne-Sophie Galli, dpa

Berlin – 30 Grad und mehr: perfektes Urlaubswetter also, nur in Österreich empfinden die Hitze viele als unangenehm. Warum eigentlich? Kurz: weil wir uns im Urlaub an die Temperaturen anpassen und im Alltag nicht. Doch einige Anpassungen können wir auch machen, wenn wir gerade arbeiten müssen.

ENTSPANNUNG: Im Urlaub gehen wir das Leben langsamer an: schwimmen, sich im Schatten ausruhen oder ein Buch lesen. Das ist für den Körper vergleichsweise angenehm – die Hitze fühlt sich dann nicht so belastend an, wie der stellvertretende Direktor vom Institut für Physiologie von der Berliner Charité, Hanns-Christian Gunga, sagt. Die Hitze ist jedoch stressig, wenn man arbeiten muss, wegen der Wärme schlecht schläft, in der Sonne herumrennt oder etwa im Garten schuftet. Der Physiologe rät, anstrengende Aktivitäten möglichst zu vermeiden. Denn bei großen Hitzewellen würden nicht nur Senioren und Kleinkinder sterben, sondern auch viele zwischen 20 und 30 Jahren – etwa wenn sie in der Landwirtschaft arbeiten.

ERWARTUNGSHALTUNG: Generell tolerieren wir im Urlaub mehr Hitze als im Alltag, wie Professor Andreas Matzarakis vom Medizin-Meteorologischen Zentrum des Deutschen Wetterdiensts sagt. Denn im Urlaub freuten wir uns auf die hohen Temperaturen. Auch seien wir meist glücklicher, weil wir dem Alltag entkommen und daher mache uns die Hitze zunächst weniger aus. Ist es jedoch länger 37 Grad oder noch wärmer, wird es auch im Urlaub ungemütlich. Denn dann ist es draußen so warm wie im Körper – und man kann nur Wärme an die Umgebung abgeben, wenn man konstant schwitzt – und das ist belastend, wie Gunga sagt. Um schwitzen zu können, muss man genügend trinken.

ABKÜHLUNG: In gekühlten Hotelzimmern in heißen Ländern kann man die Hitze aussperren und sich davon erholen. In Österreich hingegen hat kaum jemand eine Klimaanlage oder einen Ventilator. Auch etliche Büros sind stickig heiß. Außerdem kühlen sich viele Häuser in der Nacht kaum ab. Ab 30 Grad arbeiten und schlafen wir laut Gunga deutlich schlechter. Für Mitteleuropäer seien 21 bis 24 Grad am angenehmsten, wie Studien zeigten. Weiter nördlich sei die Wohlfühltemperatur tiefer, weiter südlich höher. So würden zurzeit wegen der Hitze tendenziell mehr Schweden sterben als Deutsche, sagt Gunga.

KLEIDUNG: Die Etikette gibt noch immer für viele Leute alles andere als leichte Kleidung vor – etwa für viele Männer bei der Arbeit Anzug, Hemd und Krawatte. Mit jeder Schicht kann der Körper aber schlechter Wärme abgeben. Am besten trägt man im Sommer Baumwoll- und Leinenkleidung, sagt Gunga.

ERNÄHRUNG: Im Urlaub nehmen sich viele Leute auch für das Essen mehr Zeit als im deutschen Alltag. Manche essen langsamer und gesünder – leichte Kost wie Früchte, Gemüse und Salat. Das ist angenehmer für den Magendarmtrakt, weniger Blut wird für die Verdauung benötigt. So steht dann mehr Blut zur stärkeren Durchblutung der Haut zur Verfügung, was bei der Temperaturregulation hilft.




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