Letztes Update am Fr, 31.08.2018 09:40

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Reise

Oman: Wo das Abenteuer nur herrlich ist

Atemberaubende Fjorde und Bergkulissen, spektakuläre Offroad-Touren, traumhafte Strände: Neben der Vielfalt wartet der Oman vor allem mit Gastfreundschaft auf.

© iStockMit rotgold glänzenden bis zu schwarz schimmernden Fjorden fasziniert das Norwegen Arabiens, die Halbinsel Musandam.



Von Susann Frank

Dieser Ausblick entschädigt für die Strapazen: Meterhohe schroffe Felswände in rotgoldener Farbe erheben sich über dem spiegelglatten Arabischen Meer, das sich in jede verwinkelte Ecke der Fjorde windet. Und mit der Ruhe, die das verschlafene Fischerdorf Khasab ausstrahlt, verraucht der Ärger über die mühsame Anfahrt auf die Halbinsel Musandam im Oman.

Mit dem Geländewagen hatten wir uns in einer zweitägigen Fahrt von der Hauptstadt Maskat auf den Weg in die nördlichste Region des 309.501 Quadratkilometer großen Landes gemacht, die auch als Norwegen Arabiens bezeichnet wird. Allerdings ohne eine zweistündige Gepäckdurchsuchung an der Grenze der Vereinigten Arabischen Emirate einzuberechnen, bei der die Polizisten partout nur mit dem Mann, also meinem Vater, sprechen wollten. Meine Mutter war ebenso Luft für die Herren. Vergessen.

Die Anreise zu diesem Fußballplatz ist beschwerlich. Sie führt über eine der gefährlichsten Sandpisten des Sultanats.
- Frank

Obwohl der Oman mit 4,4 Millionen Einwohnern für eine konservative Einhaltung des islamischen Glaubens bekannt ist, fördert der regierende Sultan Qaboos die Ausbildung der Frauen. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass uns jetzt eine Omanerin mit einem Medizinbuch in der Hand den Weg zu einem Reisebüro weist.

Bei der Buchung einer Dhau-Exkursion hilft uns die Frau des Besitzers sogar bei der Planung der kommenden Tage. Dass wir nur den Schnorchel- und Delfin-Ausflug mit einem in Arabiens üblichen Schiffen bei der Agentur buchen wollen, hält sie nicht davon ab, uns besondere Tipps zu geben. Schließlich wolle sie, dass diese außergewöhnliche Landschaft mit den Ausläufern des Hajar-Gebirges für immer in Erinnerung bleibt.

Sie soll Recht behalten. Als wir auf der Dhau den Hafen verlassen, kommen wir aus dem Staunen über die steil aus dem Meer aufragenden, in der Sonne schimmernden Felswände nicht mehr heraus. Um die Fjordecke wartet die nächste Überraschung: Eine Delfin-Schule tummelt sich im Wasser. Der Kapitän einer weiteren Dhau gibt uns ein Zeichen. Mit Vollgas steuern beide auf die Delfine zu. Nach dem ersten schockierenden Gedanken ,Für uns Touristen stören sie die Tiere‘ sehe ich, wie die Delfine die Boote ansteuern und im Sog mit ihnen um die Wette schwimmen. Ein herrliches Schauspiel für gerade einmal neun Touristen.

Der Jebel Shams bietet einen atemberaubenden Plateaurundgang.
- iStock

Die niedrige Besucherzahl liegt einmal an der isolierten Lage der Enklave. Dadurch ist sie so ursprünglich wie keine andere Region des Omans geblieben. Der andere Grund ist unsere Reisezeit. Nur zehn Tage später, Ende Mai, wurden sämtliche Exkursionen eingestellt. Hauptreisezeit mit Temperaturen unter 30 Grad Celsius ist von November bis März. Später klettert das Thermometer bei hoher Luftfeuchtigkeit täglich über 37 Grad Celsius. Doch wer Hitze mag und wer in Ruhe die Naturschönheiten genießen will, sollte sich den April oder Mai vormerken. Auch wenn wir wenig später neben einigen anderen Dhaus an verschiedenen Inseln anlegen, können wir so gemütlich umherschnorcheln und die noch bunte Unterwasserwelt in der Meerenge von Hormuz bewundern.

So erwarten uns auch auf der ersten Offroad-Tour keine Touristenscharen, sondern nur atemberaubende Panoramablicke über die zerklüfteten Bergregionen mit ihren tief eingeschnittenen Wadis, als wir den steilen Weg zum Hochplateau unterhalb des Jebel-Harim-Gipfels (2087 m) nehmen und dann hinab zum Wadi al Bih fahren. Auch beim Badetag am Sandstrand mit Abkühlung im Persisch-Arabischen Golf nahe Khasab und auf der Fähre nach Shinas sind kaum Urlauber zu sehen. Unterkünfte bieten Sonderpreise und sind auch auf der Weiterfahrt zum höchsten Berg Jebel Shams mit 3009 Metern problemlos zu finden. Sogar im Jebel Shams Resort, einem Übernachtungsmagneten auf ca. 2000 Metern, werden Extra-Wünsche jetzt gerne erfüllt. Binnen weniger Minuten ist vor dem Chalet ein einfaches Matratzenlager errichtet, wo nach Sonnenuntergang ein herrlicher Sternenhimmel auf den Betrachter wartet.

Kurz nach Sonnenaufgang bietet sich eine Wanderung an. Für die Sportlichen ein Tagesausflug zum Gipfel. Die Gemütlicheren kommen auf dem so genannten Balkon-Rundweg voll auf ihre Kosten. Über vier Kilometer windet sich der Pfad auf 1900 Metern Höhe am Plateaurand entlang, der einen grandiosen Blick über das Wadi Nakhr eröffnet. Eine zerklüftete Schlucht, die nicht ohne Grund auch als „Grand Canyon Omans“ bezeichnet wird. Die Felswände fallen bis zu 1000 Meter tief ab. So ist der Weg kein Zuckerschlecken für Menschen mit Höhenangst.

Spielchen gefällig? Domino ist beim einheimischen Mann angesagt und die fremde Frau wird zum Mitmachen eingeladen.
- Frank

Klettersichere Ziegen fühlen sich hier pudelwohl, da auf dieser Höhe auch im Sommer nahrhafte Zweige an den Gestrüppen zu finden sind. Als Geschenk sehen die im ganzen Land gehaltenen Vierbeiner ein unter dem Baum geparktes Auto an. Sie nutzen es als Leiter für die sonst unerreichbaren oberen Blätter. Wer keine Dellen im Auto haben möchte, sollte auf den etwas schattenspendenden Parkplatz verzichten. Der Dreck, den sie hinterlassen, ist schließlich das kleinste Problem.

In dem Land mit insgesamt 2092 Kilometern Küstenlänge gibt es Waschstraßen wie Sand am Meer. Der Sultan legt trotz Wassermangels Wert auf ein sauberes Vehikel. Ein dreckiges kann zu Geldbußen durch die allgegenwärtigen Ordnungshüter führen. Allerdings vor allem in und um die Hauptstadt Maskat.

Auf der Weiterfahrt stört sich keiner daran. Weder beim Besuch der Bergoase Misfah mit ihren aus Naturstein errichteten Häusern und grünen Terrassenfeldern durch künstlich angelegte Wasserkanäle noch an der gigantischen Festungsruine Bahla oder einem der altehrwürdigen Forts wie das in Rawdah. Und schon gar nicht bemerkt es die omanische Familie, die plötzlich vor uns steht. Wir haben uns verfahren und stehen mitten in ihrer Oase. Verärgerung darüber? Von wegen! Sie heißt uns herzlich willkommen. Das Familienoberhaupt lädt uns auf Tee und die für das Land typischen getrockneten Feigen ein. Stolz führt er uns durch seine Plantage, erklärt die Bewässerung, zeigt uns seinen Stall mit Ziegen, Hühnern und Kühen. Und zum Abschied gibt es zwei Kilo Feigen zum Wegverzehr. Denn auch das ist der Oman: fast schon unheimlich gastfreundlich.

Auf dem zeitweise furchteinflößenden, sehr steilen Offroad-Weg von Hat durch das Snake Gorge nach Al Awabi wird uns nicht nur zugewinkt, wir werden angehalten und mitten im Nirgendwo zu einem Wasserfall geführt – und es werden Selfies geschossen. Zudem wird die abenteuerliche Fahrt mit verschiedensten bizarren Gesteinsformen und spektakulären Gebirgsszenarien um fast jede Kurve belohnt. Ein Kunstrasen-Fußballplatz ohne Siedlung in der Nähe versetzt einen in Staunen. Bezeugt aber auch, dass die Menschen eine längere Anfahrt auf sich nehmen, um miteinander zu spielen.

Zum Zeitvertreib zählt auch Domino. Dafür kommen die Männer auf den Märkten zusammen, den so genannten Souks. Auch auf einem der ältesten und wohl schönsten des Landes, in Mutrah bei Maskat. Sie laden uns ein, mitzumachen. Nach einem Einkaufsbummel stimmen wir gerne zu. Wir haben Zeit. Die kommenden Tage genießen wir am Strand. Die Nähe der Hauptstadt ist nicht zu spüren. Goldgelber Sandstrand, klares Wasser und Palmen säumen die kleine Bucht bei Yiti, wo unsere Holzbungalows stehen und in der die Fische vor unseren anfangs ungläubigen Augen durch das Wasser hüpfen.

5 Tipps

Auto. Nur mit einem Geländewagen lassen sich die Naturschönheiten erkunden. Achtung: Viele Autovermietungen schließen Sandpisten explizit aus.

Telefon. Wer per Internet nach Hause telefonieren möchte, muss sich vor Abflug die App Imo herunterladen. WhatsApp etc. funktionieren nicht.

Abenteuer. Wild campen ist überall erlaubt. Das Sultanat hat eine niedrige Kriminalitätsrate, ist sehr sicher und für Individualisten zu empfehlen .

Grenze I. Wer mit dem Auto vom Oman in die Enklave hin- und zurückfahren will, muss sich schon vor dem Flug ein Multiples Visum besorgen.

Grenze II. Durch Spannungen zwischen VAE und Oman sind die Kontrollen streng. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten Arztattest mitnehmen.




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